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Happy Birthday, Sting!

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Sting The Last Ship ****

aus ROLLING STONE 9/2013

von Arne Willander

Im Jahr 1625 gab der schwedische König ein Kriegsschiff in Auftrag, das mehr als 400 Menschen fassen und an zwei Decks mit Kanonen ausgestattet sein sollte. Der Schiffbauer starb über dem Auftrag, seine Frau setzte die Zeichnungen fort; ein Kapitän wurde herangezogen, es ward Winter, das Holz wurde knapp, weil es aus ganzen Stämmen gesägt wurde, die aus schwer zugänglichen Wäldern über wüste Pfade herbeigeschleppt werden mussten. Im Sommer 1628 war schließlich der Stapellauf der Vasa: An jenem Sonntag regte sich kaum ein Lüftchen, die Vasa musste aus dem Hafen gerudert werden und setzte sich dann gemächlich in Bewegung. Bei der ersten starken Böe senkte sich das stolze Schiff auf die Seite, Wasser lief in die Kanonenluken, und binnen Minuten sank die Vasa auf den Grund.

Nach dieser erbaulichen Einleitung weisen wir nicht auf die Parallelen zu Stings neuem Album hin, das “The Last Ship” heißt, ein Musical ist und vom Schiffbau in Nordengland handelt -oder, in Wahrheit, von einem Jungen, der in den 50er-Jahren neben einer Werft aufgewachsen ist und allerhand erlebt hat. Der Schiffbau ist also bloß eine Metapher für die Wechselwinde des Lebens, für Sturm und Flaute, Luv und Lee, Wanken und Planken. Und der Niedergang der Werften in England spiegelt den Niedergang von allem, was Gordon Sumner an der Vergangenheit gut fand -nämlich auf jeden Fall, dass sie Vergangenheit ist.

Es ist ungefähr das England, dessen Untergang Morrissey seit 30 Jahren betrauert: Noch hat sich die Nation nicht vom Krieg erholt, die Arbeiterklasse hält auf sich und hält zusammen, mit Neureichen will man nichts zu tun haben, und Adelige kennt man nur von ferne. Stings Vater war Milchmann, und manchmal nahm er den Sohn am kalten frühen Morgen bei der Hand und drehte mit ihm seine Runde. Sie wohnten in der Nähe einer Werft. Dann wurde sein Sohn genau der Neureiche und auch noch Bildungsbürger, vor dem der Vater immer gewarnt hatte. Erst auf dem Sterbebett würdigte er die Adaptionsleistung des Sohnes.

“The Last Ship” ist so sorgfältig kammermusikalisch und folkloristisch entworfen, mit so wunderbaren Arabesken und Ornamenten versehen, mit so feinem Besteck geklöppelt und geschnitzt, so raffiniert und gediegen ausgestattet, dass man andächtig und ehrfürchtig die Kunst des Ingenieurs bedenkt. In den letzten Jahren hatte Sting sich auf Nebenschauplätzen selbst variiert und abgelenkt – nun ist er zum Kerngeschäft zurückgekehrt und hat seine beste Arbeit seit “…All This Time” fertiggestellt; das war 2001, und das Album enthielt keine neuen Songs.

Aber wird das Schiff auch segeln? Das wohl nicht. Es taugt nur zur wohlgefälligen Betrachtung.

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