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Hitzkopf mit melancholischem Antlitz: Zum 85. Geburtstag von Gene Hackman

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Hitzkopf mit melancholischem Antlitz: Zum 85. Geburtstag von Gene Hackman

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>>> In der Galerie: Gene Hackman – Szenen einer Karriere

Es gehört vielleicht zu den schwierigsten Aufgaben im Leben eines Künstlers – zumal bei Schauspielern, deren Gesichter der halben Welt vertraut sind – den richtigen Moment zu finden, um die eigene Karriere zu beenden. Wie soll man auch wissen, wann der Zenit überschritten ist, wann es Zeit ist zu gehen?

Gene Hackman, der heute, am 30. Januar, 85 Jahre alt geworden ist, hat diesen idealen Moment gefunden. Schon vor mehr als einem halben Jahrzehnt erzählte er in einem Interview mit dem Blatt „Raleigh News & Observer“, dass er es nicht überziehen und riskieren wolle, sich auf ungute Weise zu verabschieden. Und noch wichtiger: Er sei völlig zufrieden mit dem, was er erreicht habe.

Das kann er auch sein. Denn wann immer Hackmans Name fällt – und in Erinnerung an Filmklassiker wie “French Connection” (Oscar für die beste Hauptrolle), “Der Dialog” und “Erbarmungslos” (Oscar für die beste Nebenrolle) fällt er oft -, dann überrascht es, wie lange der Mime schon nicht mehr auf der Leinwand zu sehen ist. 2004 spielte er in der Polit-Satire “Willkommen in Mooseport” einen verschrobenen Ex-Präsidenten, den es in die Provinz verschlägt. Dann war Schluss.

Waren die von Hackman gespielten Figuren eigentlich jemals jung – oder taten sie nur so?

Seine Figuren waren oft Hitzköpfe mit allzu melancholischem Antlitz; vielleicht neben seinen großen Auftritten am deutlichsten in dem immer noch unterschätzten Detektivfilm “Night Moves” (Die heiße Spur) von Arthur Penn. Hier verkörperte er einen ehemaligen Footballspieler, der völlig lustlos als Privatdetektiv in Los Angeles vor sich hin vegetiert. Nachdem ihn seine Frau mehr als einmal betrogen hat, nimmt er den Auftrag der in die Jahre gekommenen Schauspielerin Arlene Iverson an, ihre von zu Hause ausgerissene Tochter Delly Grastner (hinreißend in ihrer wohl ersten größeren Rolle: Melanie Griffith) ausfindig zu machen.

Es ist ein Wunder, wie sich in der Nüchternheit von Hackmans Gesicht all die Widersprüche eines Landes auf der Suche nach einer halbwegs stabilen Identität widerspiegeln. Aber genau das war immer die Stärke des vielseitigen Amerikaners, der einmal in New York mit seinen Kommilitonen Dustin Hoffman und Robert Duvall eine Ein-Zimmer-Wohnung bezog (und mit den Schauspielern das Schicksal teilte, viele Jahre lang am Existenzminimum zu nagen, um dann doch noch groß herauszukommen):

Wie kein anderer Darsteller seiner Generation vereinte er jugendliche Wurschtigkeit mit der Nachdenklichkeit eines im  Grunde immer schon gealterten Mannes. Waren die von Hackman gespielten Figuren eigentlich jemals jung – oder taten sie nur so?

Mindestens die Hälfte seiner Filme bleibt nachhaltig in Erinnerung

Inzwischen hat der ehemalige Weltstar, der sich mit “The Royal Tennenbaums” von Regisseur Wes Anderson auch von seiner skurrilen Seite zeigen konnte, eine neue Berufung gefunden: In seinem Heim in Santa Fe schreibt er Romane, wie zum Beispiel die Bürgerkriegserzählung “Escape from Andersonville” (2008). 60 verschiedene Rollen spielte er in seiner dreißigjährigen Laufbahn als Schauspieler, mindestens die Hälfte seiner Filme bleibt nachhaltig in Erinnerung (wie “Mississippi Burning”, “Die Brücke von Arnheim” oder “Superman”).

Harry Caul, der Saxophon spielende Abhörspezialist in Francis Ford Coppolas New-Hollywood-Klassiker “Der Dialog”, mag vielleicht seine ergreifendste Darstellerleistung gewesen sein. Es berührt noch heute, wie Hackman hier den zwischen schlechtem Gewissen und von allzuviel Intelligenz gestählter Neugierde hin und hergerissenen Caul durch die Handlung taumeln lässt. Im zuweilen etwas stumpfsinnigen, nichtsdestotrotz aber spannenden Techno-Thriller “Staatsfeind Nr. 1” von Tony Scott ließ er sich wohl gerne bitten, eine augenzwinkernde Hommage auf eben jenen schwermütigen Grantler zu spielen.

Wir gratulieren herzlich zum 85. Geburtstag und zeigen in unserer Galerie noch einmal einige der besten Filmszenen von Gene Hackman.

Sehen Sie hier Robyn Hitchcoks Persiflage auf Gene Hackman:

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