Kritik: Better Oblivion Community Center in Berlin

Nicht mehr ganz traurig: Conor Oberst und Phoebe Bridgers feiern auf den Konzerten ihrer neu gegründeten Band die Gemeinschaft

Der Zauber von Better Oblivion Community Center besteht aus den Momenten, wenn Phoebe Bridgers und Conor Oberst sich während ihres Gitarrenspiels einander zuwenden und dann gleichzeitig anfangen, über das ganze Gesicht zu grinsen. In diesen Augenblicken entfaltet sich eine erfrischende Vertrautheit und Freude, die die beiden Songwriter selten in ihren Soloarbeiten zeigen.

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Das unwahrscheinliche Duo kennt und schätzt sich schon seit Bridgers‘ musikalischen Anfängen. Im Januar veröffentlichten sie unter dem Namen Better Oblivion Community Center überraschend ein gemeinsames Album.

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Das Live-Vorhaben im recht kleinen Columbia Theater gleicht einer Hippie-Bewegung, die Utopie-Vorstellungen bis in die Ironie ausreizt: Konzerte werden als „Meetings“ bezeichnet, am Merch-Stand gibt es Badges, die einen als Mitglied der fröhlich-traurigen Gemeinde auszeichnen, kurz vor Showbeginn bewirbt eine Stimme aus dem Off das Konzert als „Celebration of Sound and Light“ und spricht die unwahrscheinliche Botschaft: „Truth can be Fun“. Alles sehr euphorisch für zwei Künstler, die für ihre Dauermelancholie berüchtigt sind.

Die darf dann aber trotzdem nicht fehlen: Auf dem Bühnenbild, das einem Häuschen aus „Alice im Wunderland“ gleicht, steht mit Neonlettern „It Will End in Tears“ – ob es nun Freuden- oder Trauertränen sind, bleibt offen.

„I feel weird, I feel great“

Das Debüt des Duos wird als Manifest der Bewegung bezeichnet, die sich die „ultimative Entspannung“ zum Ziel gesetzt hat, heißt es auf der Webseite. In Wahrheit aber zelebrieren Oberst und Bridgers ihre eigene Freundschaft, die in der Musik aufgeht: Sie geben intimen Songs wie Obersts Lied „Service Road“ über seinen verstorbenen Bruder Raum und entsprechende Relevanz.

Beim elektronischen Ausnahmesong „Exception To The Rule“ holt sich das Duo dann aber theatralisch Gartenstühle auf die Bühne und singt das Lied ganz entspannt, als wären sie im Urlaub. „I feel weird, I feel great“, erklärt Bridgers bei einer der seltenen Ansagen und fängt damit die allgemeine Stimmung ein.

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Weil das kurze gemeinsame Album, ein Potpourri aus Indie und Folk, keine ganze Setlist füllen kann, bedienen sich Better Oblivion Community Center an Covern: Oberst interpretiert etwa Bridgers‘ langsame melancholische Ballade „Funeral“ als punkrockigen Zweiminüter. Bridgers dagegen fügt dem reduzierten Bright-Eyes-Klassiker „Lime Tree“ euphorische E-Gitarren, Schlagzeug und ihre weiche Stimme hinzu.

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Mit verhaltener Coolness verlassen sie die Bühne – die 90-minütige Therapiestunde ist beendet und sowohl das Publikum als auch Phoebe Bridgers und Conor Oberst haben die „ultimative Entspannung“ erneut erreicht.

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