Kultur & Politik – Bücher

  • Charles Jackson - Das verlorene Wochenende

    Wer sich vor der Lektüre – in Erwartung eines romantisierenden Trinkerromans – bereits genüsslich ein Fläschchen geöffnet hat, wird nach nur wenigen Seiten garantiert schlagartig nüchtern. Schwitzend und kaputt wird der Leser nach durchwachter Nacht den Roman zuklappen. Fünf furchtbare Tage wird er mit dem gescheiterten Schriftsteller, dem heillosen Alkoholiker Don, im New York der […] mehr…

  • Wolf Haas - Brennerova

    Der Brenner, dieser geliebte Ex-Kommissar und grantelnde Detektiv (oft) wider Willen, den Wolf Haas vor fast 20 Jahren erfand, ist unsterblich, ganz egal, was der Autor selbst manchmal behauptet. Und warum ist das so? Weil sein lakonischer Erzähler, den Haas bereits im sechsten Brenner-Roman „Das ewige Leben“ ins Jenseits beförderte, einfach nicht kaputtzukriegen ist. Mit […] mehr…

  • Wolfgang Herrndorf - Bilder deiner großen Liebe

    Mit letzter Kraft konnte Wolfgang Herrndorf noch sein digitales Tagebuch „Arbeit und Struktur“ fertigstellen, bevor der an einem Hirntumor leidende Autor den Freitod wählte. Isa, die frühreife Protagonistin seines nun erscheinenden unvollendeten Romans „Bilder deiner großen Liebe“ kennen wir schon aus seinem Bestseller „Tschick“. Statt im psychiatrischen Heim zu versauern, tritt sie zu Beginn des […] mehr…

  • Black Francis & Josh Frank - Zur schönen Herberge

    Es soll ja Pornos geben, die eine Handlung haben. Der erste, von dem das überliefert ist, ist der französische Film „Zum goldenen Ecu oder Die gute Herberge“. Er handelt von einem Soldaten, der an die Tür einer im Wald verborgenen Herberge klopft und dort viel Sex mit der Tochter des Besitzers hat. Der frankophile Cineast […] mehr…

  • Tipp: Nic Pizzolatto - Galveston

    Roy Cady, der Ich-Erzähler des im Original vor vier Jahren erschienenen Romans „Galveston“, hat nicht nur dieselben Initialen wie der „True Detective“ Rustin „Rust“ Cohle aus der zurzeit allerorten gefeierten gleichnamigen HBO-Serie – beide stammen auch ursprünglich aus Texas, beide verschlägt es schließlich nach Louisiana, beide sind schwere Trinker und nihilistische Einzelgänger. Vielleicht nicht weiter […] mehr…

  • Michael Kleeberg - Vaterjahre

    Vor sieben Jahren legte Michael Kleeberg in seinem Roman „Karlmann“ eine Phänomenologie der Männlichkeit vor, die in ihrer sprachlichen Virtuosität und Schonungslosigkeit an John Updikes Rabbit-Romane erinnerte. In „Vaterjahre“ schreibt er die Geschichte nun fort. Zum zweiten Mal verheiratet, dieses Mal nicht mit der heißen Traumfrau, sondern eher dem mütterlichen Typ, Vater zweier Kinder, Geschäftsführer […] mehr…

  • Lisa Kränzler - Lichtfang

    Einmal mehr erzählt Lisa Kränzler von dem (selbst-)quälerischen Dasein eines weiblichen Borderline-Charakters. In ihrem Debüt „Export A“ hatte sie von der deutschen Austauschschülerin Elisabeth Kerz im evangelikalen Kanada geschrieben und im 2013 für den Leipziger Buchmessepreis nominierten Entwicklungsroman „Nachhinein“ ließ sie ihre Leser in die Köpfe ihrer beiden klischierten Sozialtypen Jasmin und Lotta blicken. Nun […] mehr…

  • Thomas Melle - 3000 Euro

    Zehn Drinks zu viel zur falschen Zeit, der Schwindel des Absturzes, der wie ein Höhenflug erscheint. Thomas Melle erzählt vom Abrutschen, von Devianzen, von den falschen Entscheidungen und Nicht-Entscheidungen. Und das muss man erst einmal schaffen, ohne dabei ins Sozialchauvinistische abzugleiten. Hauptfigur Anton hat 3000 Euro Schulden, das ging ganz schnell, dann kam eins zum […] mehr…

  • Joshua Cohen - Vier neue Nachrichten

    Die Erzähler dieser vier ziemlich langen Kurzgeschichten sind rechtmäßig gescheiterte bzw. dilettierende Schriftsteller. Ein fauler Trick. Man soll das Versagen nicht dem Autor anlasten, sondern seinen talentlosen Protagonisten. Cohen macht das mit vollem Kalkül und gewaltigem sprachlichen Aufwand. Einer arbeitet als Korrektor von Beipackzetteln, leidet an einem Aufmerksamkeitsdefizit und will eine Eifersuchtsmordgeschichte schreiben, die nicht […] mehr…

  • This book cover image released by Alfred A. Knopf/McSweeney’s shows 'The Circle,' by Dave Eggers. (AP Photo/Alfred A. Knopf

    Dave Eggers - Der Circle

    Dave Eggers erzählt weiter an der Gegenwart entlang. Nachdem er über Flüchtlingsschicksale geschrieben hat und über Opfer des Hurrikans Katrina, den paranoiden Krieg gegen Terrorismus und die globalisierte Wirtschaft, die er im fantastischen „Hologramm für einen König“ in kafkaesker Lesart präsentierte. Im 2013 erschienenen Roman „The Circle“, der nun in der Übersetzung von Ulrike Wasel […] mehr…

  • Meg Wolitzer - Die Interessanten

    Julie, Ash und Ethan sind der Kern eines verschworenen Freundeskreises, der sich 1974 in einem Sommerferienlager gebildet hat. Bei der feierlichen Namensgebung der Clique im Kreativcamp – „lasst uns als Die Interessanten bekannt sein“ – setzt der Roman ein. Wolitzers Erzähler begleitet die Mitglieder dieses Kreises durch die nächsten vierzig Jahre, ohne dabei in Sentimentalitäten […] mehr…

  • Tipp: George Plimpton - Truman Capotes turbulentes Leben

    Die Kapitelüberschriften gemahnen an betuliche Romane des 18. Jahrhunderts, handlungsprall und schnurrig: „Kapitel eins: In dem der Leser Monroeville und Harper Lee kennenlernt und auf TCs erste große Party geht“. Der Tonfall täuscht, denn die Erinnerungen, die George Plimpton zusammengetragen und 1997 in den USA veröffentlicht hat, sind zwar voller Anekdoten, aber sie haben nichts […] mehr…

  • Robert Seethaler - Ein ganzes Leben

    Schauspieler und Drehbuchautor Robert Seethaler ist mit seinem neuen Roman komplett ins literarische Fach gewechselt. „Ein ganzes Leben“ begleitet das 20. Jahrhundert in einer Berggegend, wo der Tod „als kalte Frau“ gilt, Kinder von Diphtherie hinweggerafft werden und schweigsame Arbeiter losziehen, um unter Lebensgefahr die Natur zu bezwingen. „Der Mann vollzieht Gottes Willen und er […] mehr…

  • Stuart O’Nan - Die Chance

    Arbeitslos, überschuldet, entfremdet: Marion und Art Fowler nehmen den Reisebus zu den Niagarafällen, wohin sie 30 Jahre zuvor auch ihre Hochzeitsreise geführt hat. Art will all sein Geld im Casino auf eine Karte setzen. Gewinnt er, rettet er damit seine Ehe und sein Leben. Marion sieht das unromantischer, denn der Mann ist ihr längst eine […] mehr…

  • Mikael Ross und Nicolas Wouters - Lauter Leben

    In Martin tobt die Wut, sie ist gleichermaßen Anzeichen seines Hasses auf das Establishment wie Schrei nach Liebe. Der glutrote Furor überfällt den Punk seit seiner Kindheit. Von einer Sekunde auf die andere brüllt, tritt und schlägt er um sich. Ganz anders der kontrollierte Thomas, der alles in sich hineinfrisst und verstummt. Als ihm sein […] mehr…

  • Karl Ove Knausgård - Leben

    Der momentan umgehende Lesevirus hat seinen Ursprung in Norwegen, wo der sechsteilige autobiografische Zyklus des 1968 geborenen Knausgård für unglaubliche Verkaufszahlen sorgte. „Min Kamp“ – „Mein Kampf“ heißt das Mammutwerk im Original, doch der deutsche Verlag hat Alternativtitel gefunden. „Sterben“ (über den Tod des Vaters), „Lieben“ (über die Ehe) und „Spielen“ (die Kindheit). Jetzt liegt […] mehr…

  • Wilhelm Genazino - Bei Regen im Saal

    Mag sein, dass Wilhelm Genazino immer die gleichen Bücher schreibt. Der Mann mit „dem gedehnten“ Blick hat es nun einmal auf die Mittelmäßigen unserer Gesellschaft abgesehen, darunter Controller und Wäschereiangestellte, oder sie verdingen sich wie im neuen Roman – trotz Doktortitel der Philosophie – als Barkeeper eines kleinen Hotels und später als Aushilfsredakteur eines hessischen […] mehr…

  • BJ Novak - Cornflakes mit Johnny Depp

    Eine umgekippte Schublade. Alles musste raus, damit der erste Erzählband des Schauspielers und Drehbuchautors Novak („The Office“ u.a.) auch genügend Gewicht bekommt. Klassische Short Storys mittlerer Länge stehen neben Satiren, mutwilligen, noch nicht ganz zu Ende gedachten und formulierten Skizzen, Witzen, kryptischen Kürzestgeschichten, Glossen etc. Was halt so anfällt, wenn einer die Tinte nicht halten […] mehr…

  • Mark Vonnegut - Eden Express

    Anfang der Siebziger wurde bei Mark Vonnegut Schizophrenie dia­gnostiziert. Ein bisschen paranoid war er wohl, so schrieb er in seinem nun in deutscher Übersetzung vorliegenden Krankenbericht von 1975 über seine Angst beim Sex: „Jedes Mal, wenn ich ihn hineingesteckt habe, war ich mir nie ganz sicher, ob ich ihn auch zurückbekomme.“ Er gibt sich, am […] mehr…