Kultur & Politik – Bücher

  • Herausgegeben von Carmen Pinilla & Frank Wegner

    Verdammter Süden. Das andere Amerika
    24. Juli 2014

    Crónicas, Reportagen, sind in Lateinamerika anders als hierzulande eine literarisch ehrenwerte, noch dazu auflagenstarke Gattung. Diese schöne Sammlung soll zweierlei Zweck erfüllen: 17 namhafte cronistas teilweise erstmals einem deutschen Publikum vorzustellen und, terminlich passend zur Fußball-WM in Brasilien, zumindest ausschnitthaft einen literarischen Atlas vom „anderen Amerika“ zu zeichnen. Auf den ersten Blick bestätigen sich alle […]

  • Toni Mahoni

    Alles wird gut, und zwar morgen!
    24. Juli 2014

    Dieses Buch ließe sich ohne Weiteres als soziologische Studie eines noch immer irgendwie existenten Berliner Biotops lesen. Das ist von liebenswürdigen, trinkfesten Menschen bevölkert, die mal Geld haben und dann wieder nicht. Und die manchmal innehalten und denken: „So stand ich zusammen mit ein paar spanischen Touristen und fühlte mich dennoch ganz heimatlich. Und immer […]

  • Robert Crumb

    Mister Nostalgia
    24. Juli 2014

    Elektrische Musik bezeichnet er als „Rhythmen des kulturellen Todes“, und Bruce Springsteen ist für ihn der Antichrist. Die einzige Musik, für die der Comicautor Robert Crumb sich jemals erwärmt hat, stammt aus den 20er- und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Folkblues auf 78 U/min: Dieser Lebenspassion hat er jetzt einen ganzen Band seiner Werkausgabe gewidmet. Im […]

  • Amin Maalouf

    Die Verunsicherten
    24. Juli 2014

    „Alles, was mit Gewalt in Berührung kommt, wird erniedrigt, welcher Art auch immer die Berührung ist.“ Diesen Satz von Simone Weil hat der libanesische Amin Maalouf seinem neuen Roman vorangestellt. Darin erzählt er von Adam, den der Tod seines Jugendfreundes Murad nach über 30 Jahren in sein von Kriegen geschütteltes Heimatland zurückkehren lässt. In der […]

  • Hermann Peter Piwitt

    Lebenszeichen mit 14 Nothelfern
    24. Juli 2014

    Ist es Koketterie oder Bescheidenheit, die einen der wichtigsten Autoren seiner Generation, den 1935 geborenen Piwitt, veranlasst, eine Lebensbiografie von nur 143 Seiten vorzulegen (die sogar noch kürzer geworden wäre, wenn er sich an seinen Vorsatz gehalten hätte, mit dem zehnten Lebensjahr zu schließen). Der Vater machte eine kleine Nazi-Karriere, die Mutter war Rassistin. Piwitt […]

  • Marcus Stiglegger

    Kurosawa. Die Ästhetik des langen Abschieds
    24. Juli 2014

    Er kenne keine ausländische Besprechung, sagte Akira Kurosawa (1910–1998) einmal, „die nicht falsche Bedeutungen in meine Filme hineingelesen hätte“. Zu sehr bedient Kurosawas Werk bei aller Einzigartigkeit des gefeierten „Auteurs“ auch bekannte Japan-Klischees: todesmutige Samurai und liebliche Geishas, höchst poetische Natur und rätselhafte Zeichen. Der Interpretationsspielraum ist also ebenso groß wie die Gefahr, nur zu […]

  • Tipp: Mawil

    Kinderland
    09. Juli 2014

    Schon die erste Seite dieses Comics offenbart Mawils volle Größe als Set-Bildner. Ein Regal mit Pittiplatsch, Schnatterinchen und dem Ostsandmännchen. Darunter ein Rennwagen, eine Indianerfigur, ein Schlumpf. Auf dem Schreibtisch ein „Mosaik“-Heft und eine selbst gebaute Batterielampe. Ein Poster von der Olsenbande an der Tür. Das ist ein Jungszimmer, ganz klar. Hinterm Fenster ein Sommersonnenaufgang […]

  • Donna Tartt

    Der Distelfink
    09. Juli 2014

    Dieser dritte Roman der 40-jährigen Amerikanerin ist in den letzten Monaten weltweit gelobt und gepriesen worden und brachte ihr jüngst den Pulitzer-Preis. Nach Lektüre des epischen Werkes (in der Übersetzung von Rainer Schmidt und Kristian Lutz sind es über 1.000 Seiten), ahnt man, warum: Tartt hat sich ganz dreist (und etwas naiv) an Weltliteratur versucht, […]

  • Joachim Lottmann

    Endlich Kokain
    09. Juli 2014

    Sein Weblog ist mal nie abreißender Bewusstseinsstrom, mal eine nur dahinplätschernde Suada. Und manchmal wirft der Schwadroneur Joachim Lottmann ein Buch ans analoge Land – eine Standortbestimmung der ichbezogenen Gegenwart. Dann entwirft der betagte Popliterat und Übertreibungskünstler, Jahrgang 1956, eine Szenerie, die von der Wirklichkeit vermutlich nur eine Drehung der Schraube entfernt ist: „Nirgends wird […]

  • Michel Houellebecq

    Gestalt des letzten Ufers
    09. Juli 2014

    Drei Jahre, nachdem der bekennende Misanthrop Michel Houellebecq mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde, zeugt dessen letzter und nun auf Deutsch erschienener Lyrikband „Gestalt des letzten Ufers“ von Depression und Aporie. Es ist ein Lamento auf eine Zeit ohne Vision und Ziel. Von der bekannten Kampfeslust des Provokateurs gegen west­liche Konsum- und Spaßideologie ist nur […]

  • Peter Huth

    Berlin Requiem
    09. Juli 2014

    Vor allem die Fernsehserie „Walking Dead“ hat eine Renaissance der Untoten beflügelt. Nun bricht auch in Deutschland das Zombiefieber aus. Zumindest in der Hauptstadt Berlin, für viele sowieso die Zombie-Hauptstadt schlechthin. Überraschend allerdings, dass „Berlin Requiem“ aus der Feder eines, man möchte sagen wertkonservativen Boulevardjournalisten stammt und deutlich besser ist als Marc Forsters Weltrettungsszenario „World […]

  • Sibylle Lewitscharoff

    Killmousky
    09. Juli 2014

    Wie so oft, gehen die besten Detektive erst aus der Langeweile des Rentnerdaseins hervor: So auch Richard Ellwanger, vor Kurzem noch der berüchtigste Verhörmeister der Münchner Kriminalpolizei, in Sibylle Lewitscharoffs Krimidebüt „Killmousky“. Als er gemeinsam mit dem ihm zugelaufenen Kater, dessen Name zugleich als Titel des Romans dient, seiner aktiven Dienstzeit nachzutrauern beginnt, kommt ein […]

  • Brett Forrest

    Schattenspiele
    09. Juli 2014

    Die Wahrheit liegt nicht immer auf dem Platz. Das zeigt der renommierte New Yorker Journalist Brett Forrest mit seinem Bericht über die Geschäfte internationaler Wettsyndikate – eine Pflichtlektüre zur Fußball-WM. Er erläutert nicht nur, wie das illegale Geschäft mit dem Fußball funktioniert und welch unglaubliche Profite es abwirft. Er erklärt auch, warum Polizei und digitale […]

  • Martin Gessmann

    Mit Nietzsche im Stadion
    09. Juli 2014

    Seit die Geisteswissenschaften sich für Fußball interessieren, wissen wir, dass uns beim Blick aufs Spielfeld zugleich die Kybernetik unserer Gesellschaft vorgeführt wird. Wir sehen, wie sich in der Interaktion der Spieler Strukturen abzeichnen und ein Wettbewerb entsteht. Der Ästhetikprofessor Martin Gessmann erklärt nun in seinem spannenden Essay, wie es dazu kam, dass Fußball von einem […]

  • Katherine Dunn

    Binewskis. Verfall einer radioaktiven Familie
    11. Juni 2014

    „Traumkindchen“ nennt der große Zampano Al, Vater und Zirkusdirektor in Personalunion, seine Geschöpfe – „Alptraumkindchen“ würde besser passen. Arty, der Aquaboy, der talentierteste unter den Mutantenschaustellern, weiß das schon ganz früh. Er liebt Gruselgeschichten, nicht weil er sich fürchtet, sondern weil er sich mit den Monstern und Dämonen identifiziert. „Wir sind die, die den Normalen […]

  • Heinrich Steinfest

    Der Allesforscher
    11. Juni 2014

    Das Schicksal meint es gut mit Sixten Braun, auch wenn es zu Beginn verdammt noch mal nicht so aussieht. Der erfolgreiche Manager, Mitte 30, wird im taiwanischen Tainan auf offener Straße von Überresten eines explodierenden Wals getroffen, landet mit Schädel-Hirn-Trauma im Krankenhaus, verliebt sich in eine deutsche Hirnspezialistin, muss beruflich verreisen, stürzt mit dem Flugzeug […]

  • Fritz J. Raddatz

    Tagebücher 2002–2012
    11. Juni 2014

    Ein alter Mann sieht resigniert seinem mählichen Verfall zu, registriert den Tod von Freunden und Bekannten, mokiert sich über die Eitelkeit der Schriftsteller, klagt über mangelnde Anerkennung und die Verkommenheit des Kulturbetriebs, schwelgt melancholisch in vergangenem Glanz, ordnet seinen Nachlass, denkt über Selbstmord nach und schreibt und schreibt und schreibt: Die „Tagebücher 2010–2012“ sind das […]

  • Robert Gwisdek

    Der unsichtbare Apfel
    11. Juni 2014

    „Igor war ein unkonzentriertes Kind.“ So beginnt Robert Gwisdek seinen ersten Roman, und im Gegensatz zu jenem Igor, der auf den folgenden 360 Seiten eine philosophisch-durchgeknallte Reise an verschiedene Orte innerhalb und außerhalb seines Bewusstseins unternehmen wird, müssen Leser sich in Sachen Konzentration einigermaßen wappnen: Gwisdeks Debüt folgt eigenen Regeln. Die Geschichte liest sich teilweise […]

  • Volker Weidermann

    Ostende
    11. Juni 2014

    Ein Buch wie ein langer, kurzweiliger Artikel, der das Schwierige: das Fokussieren auf einen Sommer im Jahre 1936, so leicht aussehen lässt. Denn es beschreibt die ganze Geschichte einer wundersamen Freundschaft, eines ungleichen Paars, einer unterschwelligen Vater-Sohn-Beziehung: Auf der einen Seite der „vermögende Westjude“, der Weltschriftsteller Stefan Zweig, auf der anderen sein Sorgenkind, der „arme […]

  • Ricardo Menéndez Salmón

    Medusa
    11. Juni 2014

    Er gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Schriftsteller Spaniens. Mit „Medusa“, seinem sechsten Roman, wird der 1971 in Gijón geborene Ricardo Menéndez Sal-món nun erstmals dem deutschen Publikum vorgestellt. Hier stößt der Erzähler, als er an einer Doktorarbeit über die Ikonografie des Bösen im 20. Jahrhundert arbeitet, auf einen kurzen Film, der ein Massaker in […]