Laura Giesdorf / Joy Division


von

Dieses Shirt, versehen mit einem Aufdruck des Covers der Platte „Unknown Pleasures“ aus 1979 von Joy Division, habe ich vor 7 Jahren in einem Second-Hand-Store in Berlin Mitte erstanden. Hauptsächlich, weil ich nach einmal “Love Will Tear Us Apart”-Hören dem Bassbariton von Ian Curtis verfiel. Entgegen der unverwechselbaren Hoffnungslosigkeit in der Stimme des Briten genießt die ikonische Illustration, eine Darstellung von Radiopulsen eines Pulsars, eines schnell rotierenden Neutronensterns, mittlerweile einen Kultstatus losgelöst vom Album und jenseits des Post-Punks.

Ich war gerade mal zwanzig und kam nach Berlin, um dem in vielerlei Hinsicht Schüssel-hohen Tellerrand meiner Heimatstadt zu entkommen. Die Entdeckung von Joy Division zählt zu den Momenten in meinem Studentendasein, die mich glauben ließen, ich hätte soeben den Teller samt Rand gegen eine mit Kaugummi beklebte Wand geschmettert.

Über die 7 Jahre hinweg, die ich das Shirt nun besitze, hat es sich Dank lausiger Qualität selbstständig Belüftungslöcher unter den Achseln zugelegt. Und auch meine Begeisterung für Joy Division hat gelitten, weil der Kauf des Shirts mich dazu bewogen hatte, schließlich das ganze Album zu hören. Das Vertrauen in die Platte und der Drang, ein entsprechendes Shirt zu besitzen, beruhte nämlich auf gerade mal zwei Tracks, „She’s Lost Control“ und „Disorder“. Der treibende bis heroische Sound dieser beiden Titel verlor sich auf einmal im stimmungssenkenden Rest der Platte, was wiederum im unvereinbar starken Kontrast zu meiner wachsenden Begeisterung für House-Musik stand, der ich an den Wochenenden in meiner Lieblingsbar „Trust“ frönte. Diese oft eher alkoholisierte Beziehung zu elektronischer Musik habe ich zwar aufgegeben, aber meine Einstellung gegenüber „Unknown Pleasures“ hat sich trotzdem kaum verändert. Wenn ich mir jetzt noch mal ein Shirt mit Joy Division-Cover kaufen sollte, wäre es vermutlich einer Single gewidmet, beispielsweise der Winterlandschaft von „Atmosphere“. Bis dahin werde ich das Teil als Mahnmal für unbedachte Bandshirtkäufe aufbewahren, irgendwo weit unten in meinem Pyjamastapel.