Laurel: Rotznäsig, abgeklärt – und in vorderster Reihe dabei


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Schlafzimmermusik ist definitiv nicht die Kategorie, in die Laurel Arnell-Cullen mit ihrem Debütalbum „Dogviolet“ einsortiert werden möchte. Okay, die Songs der 24-jährigen, aus Southampton stammenden und in London lebenden Songschreiberin haben etwas Laszives, Verführerisches, und sie wurden tatsächlich in ihrem Schlafzimmer aufgenommen.

Mit 18 zog sie in die Metropole, wusste erst mal gar nicht, wie man das macht, Freunde finden und Geld verdienen, hatte aber den hartnäckigen Traum im Hinterkopf, den ihr ihre Eltern nicht hatten austreiben können. „Schon mit zwölf beharrte ich darauf, dass ich eines Tages Musikerin werden würde. Ich schrieb meine ersten Songs, die meisten handelten von Blumen“, erklärt sie mit einem rauchigen Lachen. Ihre Initiation erlebte sie bei einem Konzert von Laura Marling. „Sie war der Grund, weshalb ich zur Gitarre griff.“

Da war es bald vorbei mit den Blumenliedern. Bereits auf ihren Singles und EPs, die seit 2014 erschienen sind, entwickelt Laurel ein Gespür für poppige Hooks und rohe Sounds, die ihre oft erstaunlich schonungslose und rotznäsig abgeklärte Liebeslyrik kontrastiert. „Ich bin zu beschäftigt, damit glücklich zu sein, dass ich keine fröhlichen Songs schreiben kann.“ So klingt „Dogviolet“ mitunter wie eine Mischung aus Taylor Swift und Neil Young. Viel Hall und Reverb sorgen für den nötigen Hipness-Faktor und tauchen die Stücke in einen Live-Feel.

Was vor allem daran liegt, dass Laurel im richtigen Augenblick ihr Schlafzimmer verließ, in einem Studio alles auf eine alte Bandmaschine übertrug und einen befreundeten Drummer anwies, einige von ihr vorprogrammierte, hypnotische Beats einzuspielen. Für die Zeit nach ihrer anstehenden Tour durch Europa hat Laurel schon Pläne für ein zweites Album. Inspiration dafür findet sie reichlich, von Florence Welch über Lana Del Rey bis Lorde. „Es ist ermutigend, dass gerade so viele Frauen in der ersten Reihe der Popmusik stehen.“