Literatur: „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer


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Weil dies ein echtes Tierbuch ist, muss Eisbär Knut dabei sein. Die Schweine, aus denen die Tausende von Würstchen gemacht wurden, die die Zoogäste seinerzeit aßen: Die seien doch mindestens so intelligent und liebenswert gewesen wie der Kuschelbär, schreibt Jonathan Safran Foer. Stimmt – aber zum Glück haben wir auch ein Herz für dumme, hässliche Lebewesen.

Für sein erstes Sachbuch hat Safran Foer, dessen Roman „Alles ist erleuchtet“ eine der unvergesslichen Geschichten der Nullerjahre ist, auch wesentlich stichhaltigere Fakten, Zahlen und Ansichten zum Thema Fleischkultur und Tierliebe gesammelt. Er hat Statistiken gewälzt, Schlachtfabriken und Biobauern besucht, ist mit einer Aktivistin illegal in eine Truthahnfarm eingestiegen. Vieles ist auch für Eingeweihte unglaublich zu lesen, wird vom Autor dann noch mit Familiengeschichten, philosophischen und sentimentalen Exkursen ergänzt.

Bei einem derart unstrittigen, oft behandelten Thema kommen sich die vielen Argumente allerdings gegenseitig in die Quere: Wer kein Vegetarier sein will, soll sein Fleisch halt bewusst und gemäßigt konsumieren, konzediert der Autor am Ende. Was beim Michael-Moore-Publikum vielleicht lebensverändernd wirkt, stellt für andere nur die Frage, ob für diese Erkenntnis der gut gemeinte Aufwand nötig war.

Joachim Hentschel

„Tiere essen“ ist im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen. Weitere Infos gibt es hier.

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Foto: Ettlinger / Kiepenheuer & Witsch