Pop-Tagebuch

Mit Cyndi Lauper in der Küche

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Folge 87

Vor ein paar Wochen habe ich auf einem Konzert den Versuch unternommen, „Girls Just Want To Have Fun“ zu covern. Das Projekt scheiterte einigermaßen kläglich. Dies war umso bedauerlicher, als ich den Song einer Herzdame widmen wollte. Unzulänglichkeit kommt in mannigfaltigen Farben!

Gestern nun habe ich im Rahmen einer spontanen Vier-Personen-Küchenparty Cyndi Laupers Album „She’s So Unusual“ herausgekramt, auf dem das in herrlicher Achtziger-Produktion vor sich hin klawitternde Stück zu finden ist. Ja, ich bin durchaus der Meinung, dass man in der Küche einen Plattenspieler stehen haben sollte. Beim Kochen und beim Spülen kann ich Versunkenheitszustände erreichen, die mir sonst nur beim Autofahren in landschaftlich reizloser Umgebung vergönnt sind. Außerdem: Ich habe schon komischere Sachen in Küchen gesehen als Plattenspieler, aber das ist ein anderes Thema.

Cyndi Lauper Live In Los Angeles

Autoscooter-Sehnsucht

Wobei ich beim Spülen nie „Girls Just Want To Have Fun“ hören würde. Im alkoholbefeuerten Küchenparty-Kontext dafür umso mehr. Zunächst wanderte die B-Seite auf den Teller, die mit dem ebenfalls ganz prachtvollen „She Bop“ beginnt („They say I better get a chape-rone/Because I can’t stop messin’ with the danger zone“). Ein Stück, das bei mir schlagartig Autoscooter-Sehnsucht aufkommen lässt und die Gäste sofort in Mitschnipplaune versetzte. Hier hat die Sängerin, wie das Beiblatt informiert, selbst songschreiberisch mitgewirkt, vermutlich am Text.

Auch „All Through The Night“ ist auf dem Album zu finden, eine weitere funkelnde Achtziger-Perle. Geschrieben wurde der Song von Jules Shear, der auch den Bangles-Hit „If She Knew What She Wants“ auf dem Kerbholz hat. Shears einziger eigener Hit, „Steady“, war wiederum eine kompositorische Zusammenarbeit mit Cyndi Lauper. Das Lied kam immerhin bis auf Platz 48 der US-Charts, das war’s dann aber auch mit Shears Hitparadenruhm. Dafür kann der Mann immerhin für sich in Anspruch nehmen, der einzige Auftrags-Songwriter zu sein, über den Aimee Mann mal ein Trennungslied sang. Für alle, die nach dem Song fahnden möchten: „J For Jules“ heißt er und befindet sich auf dem ’Til-Tuesday-Album „Everything’s Different Now“.

Der absolute Gnadenhammer des Cyndi-Lauper-Albums aber ist das Eröffnungsstück, „Money Changes Everything“, zu dem ein Küchengast anmerkte: „Super, genau wie Bruce Springsteen, nur ganz anders!“ Als Soloinstrument wählte Produzent Rick Chertoff eine Melodica, die vom Hooters-Mitglied Rob Hyman geblasen wird. Die Originalfassung des Songs stammt von der Rockband The Brains und landete auf Platz zehn von Greil Marcus’ „Real-Life Rock Top Ten 1979“. Eigentlich hätte der Song einen besseren Platz als den zehnten verdient, merkte Marcus damals an, aber er müsse an letzter Stelle stehen, weil nur mit diesem Song das Jahrzehnt enden könne. Verstehe ich nicht ganz, klingt aber super. Von Laupers Fassung war der Kritiker eher nicht so begeistert.

Zum Spülen eher nicht geeignet

Nun aber zu „Girls Just Want To Have Fun“: Im Original stammt das Lied einigermaßen interessanterweise von einem Mann! Robert Hazard war ein nicht allzu erfolgreicher Sänger, der als Dylan-Wiedergänger begann und später beim Country landete. Seine Originalversion von „Girls“ ist ein hektisches New-Wave-Teil, das ein bisschen nach The Cars klingt. Zum Spülen noch weniger geeignet als Laupers Fassung.

Das Video zu deren berühmter Version ist quietschiger Achtziger-Mumpitz: Laupers Vater wird von dem italienischstämmigen Wrestler Lou Albano dargestellt, die Mutter im Clip ist wirklich Laupers Mama. Am Ende kreuzt noch der Songwriter Steve Forbert als Laupers Boyfriend auf und möchte ebenfalls in die Geschehnisse verwickelt werden. Lou Albano spielte später die Figur Super Mario in „The Super Mario Bros. Super Show!“. Das ist doch auch was.

Captain Lou Albano Attends Cyndi Lauper In Concert - September 5, 1984

Gecovert wurde der Song unter anderem von Dame Edna, Dolly Buster und Keith Caputo. Auf meine Version wird die Welt noch ein Weilchen warten müssen. Erst mal muss ich Geschirr spülen.

Richard E. Aaron/Redferns Richard E. Aaron/Redferns
Al Pereira/WireImage) Al Pereira/WireImage
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