Eric Pfeils Pop-Tagebuch

Musik in Jesus’ Achselhöhle oder Will There Be Flips In Heaven?


von

Folge 89

Drei Sachen, die mir während meiner zurückliegenden Tour passiert sind, die man als tourender Musiker indes unbedingt vermeiden sollte:

1. Sich im Backstageraum kurz vor Konzertbeginn von einer Thekenkraft einschließen lassen (Köln)
2. Fast den eigenen Auftritt verschlafen (Bielefeld)
3. Sich auf der Bühne bedanken, dass trotz des Champions-League-Finales so viele Menschen erschienen sind, obwohl am betreffenden Tag gar kein Champions-League-Finale stattfindet (München)

***

Ob die Mitglieder von Fleetwood Mac schon mal vor einem Konzert im Backstageraum eingeschlossen wurden, ist mir nicht bekannt. In Köln haben sie es kürzlich jedenfalls alle auf die Bühne der Lanxess-Arena geschafft.
Mehr noch als die anbetungswürdig lustlos über die Bühne schlurfende Stevie Nicks wusste mich Lindsey Buckingham zu begeistern. Buckingham kultiviert eine eindrucksvolle Art der Bühnenbegehung: Es ist ein ausladendes Staksen, das der Mann betreibt. Vermutlich hat er sich diese seltsame Technik schon in den Siebzigern angewöhnt und bekommt heute von seinem Management immer wieder den Hinweis, doch möglichst viel ausladend herumzustaksen, da dies doch schließlich sein Markenzeichen ist.
Markenzeichen sind bei Fleetwood Mac neben tollen Popsongs alles: Natürlich muss Stevie Nicks bei aller Lustlosigkeit unentwegt mit Tüchern in der Luft herumfuchteln und auf die Gypsy-Tube drücken (einmal hat sie eine ausladende Spotlight-beschienene Tanzszene, die für reichlich Szenenapplaus sorgt). Und ebenso natürlich muss der gute Mick Fleetwood die ganze Zeit mit den Augen rollen und herumgrimassieren, dass es nur so eine Art hat! Ab und zu spricht Fleetwood auch, was sich in etwa anhört wie irgendein Fabelwesen-Gebrabbel aus einem „Herr der Ringe“-Film – vermutlich auch ein Markenzeichen. So ist das eben bei älteren Rockstars: Markenzeichen müssen kultiviert werden, selbst wenn es lästig wird. Ich war noch nie bei einem Roger-Daltrey-Auftritt, aber ich gehe schwer davon aus, dass auch er sein Markenzeichen, das sinnlose Mikrofon-Lasso-Schwenken, auch heute noch vorführt. Sollte ich mir je ein Markenzeichen zulegen, dann wohl das bräsige Herumlümmeln auf einem Stuhl, das kann man noch im hohen Alter betreiben, ohne dabei allzu albern zu wirken.



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