Musik – Reviews

  • The Cure Wild Moon Swings Cover

    The Cure

    Wild Mood Swings
    03. Juni 1996

    Cure-Musik war immer Stimmungs-Musik. Vom schmissigen Existentialismus und pubertären Trotz-Pop der ersten Jahre ließ sich Robert Smith 1982 in die wabernde Depression von “Pornography” fallen, noch immer ein Fanal der schlechten Laune, ein Mahnmal der Monotonie, des mürben Nicht-mehr-weiter-Wollens. Aber Smith wollte weiter, schrieb Spaßlieder wie “The Lovecats” und nahm das Album “Kiss Me, Kiss […]

  • Underworld

    Second Toughest In The Infant
    03. Mai 1996

    Von Techno zu Blues und zurück. Underworld nehmen diesen langen Weg nicht mit großen Sprüngen, sondern tasten sich auf ihrer Reise behutsam vor, und manchmal kann der Hörer den Prozeß, wie sich die landscape of sounds verändert, kaum bewußt wahrnehmen. Er merkt nur: Wo eben noch Breakbeats schnetzelten, hallt jetzt ein Blues-RifF. Das neue Album […]

  • Beastie Boys

    The In Sound From Way Out
    03. Mai 1996

    Die Beastie Boys waren immer mehr als eine Band – und das gleich in doppelter Hinsicht Erstens funktionieren sie als Handels-Unternehmen mit eigenem Label, eigenem Bulletin sowie angeschlossener Boutiquenkette, zweitens sind die Wahl-Kalifornier immer drei Bands auf einmal. Mindestens. Es gibt die Hardcore-Formation Beastie Boys, die HipHopper Beastie Boys und schließlich das Jazz-Funk-Ensemble Beastie Boys. […]

  • Ups..

    Cracker – The Golden Age und F.S.K.

    International
    03. Mai 1996

    Wie man sich zu seiner Heimat und Geschichte verhält, das kann man anhand dieser beiden Alben studieren – wie die Gebrochenheit und Enttäuschung in überzeitliche Melancholie umschlägt, wie sich das Gesamtbild auflöst in winzige Augenblicke. “The Golden Age” von Cracker und “International” von FSK sind Platten nach aller Erfahrung, von nicht mehr jungen Musikern, die […]

  • Bad Religion The Gray Race Cover

    Bad Religion

    The Gray Race
    03. März 1996

    Die Musik von Bad Religion hat Erfolg bei den Massen, läuft bei MTV, steht ganz oben in den Hitparaden. Nur leider unter dem Namen Green Day. Wieder so eine typische Neunziger-Jahre-Geschichte: Die einen prägen einen Sound und werden darüber alt, die anderen sind jung und verkaufen ihn. Siehe Hüsker Dü/Nirvana oder auch Mudhoney/Pearl Jam. Von […]

  • Nick Cave - Murder Ballads

    Nick Cave & The Bad Seeds

    Murder Ballads
    03. Februar 1996

    Mord und Totschlag. Dankbare Sujets für jemanden, der bekennerhaft seine Obsessionen in Musik und Worte gießt Wiewohl Nick Cave natürlich seit jeher nur Abbilder von Gewalt und Wahnsinn, von Krankheit und Verfallenheit schafft, bloß die gesellschaftlich gerade noch verträglichen Klischees einer wüsten Künsder-Existenz unter Alkohol und Drogen. Cave gelang es ganz mühelos, zum kultisch verehrten […]

  • Bonnie Raitt

    Road Testet
    03. Januar 1996

    Bonnie Raitt Capitol/E.MI Live-Alben haben nicht eben den besten Leumund. Doch wen kann das wundern? Mal sollen sie nur den Kreativitätsknickübertünchen, dann den Bootleg-Sumpf trockenlegen (was nicht immer gelingen soll). Beliebt ist auch die Variante, Konzertmitschnitte als letzten Pflicht-Akt einer zerrütteten Geschäftsbeziehung einzureichen – schon auf dem Sprung aus einem schlechten in ein besser dotiertes […]

  • Nina Hagen - Freud Euch

    Nina Hagen

    Freud Euch
    03. Januar 1996

    Freud ist ein gutes Stichwort Er hätte bei Nina Hagen eine Menge zu tun. Sie war immer, und daran hat sich selbst am wenigsten Zweifel gelassen, nicht ganz dicht. Eine schrillere Antithese zu Vernunft und Disziplin konnte man sich kaum denken. So wurde sie einer der wenigen wirklichen deutschen Popstars, mit Ambitionen zum Gesamdcunstwerk. Die […]

  • Morrissey - Southpaw Grammar

    Morrissey

    Southpaw Grammar
    03. September 1995

    Schon das epische Intro zum ersten Track verwirrt und zwingt gleichwohl zum Zuhören: eine dunkle Orchestration, manischmonoton, signalisiert Paranoia. Klirrende, klobige Gitarrenakkorde vermitteln Angst und Pein. Welcome to the real world: “The Teachers Are Afraid Of The Pupils” heißt der Song, und der Morrissey-Fan staunt nicht schlecht. Gewiß, “The Headmaster Ritual” war kein fahrlässig-bildungsfeindliches Agitprop-Stück […]

  • Faith No More King For A Day, Fool For A Lifetime Cover

    Faith No More

    King For A Day, Fool For A Lifetime
    03. April 1995

    Wie haben sich alle aufgeregt, ein ganzes, langes Jahr lang: Jim Martin ist bei Faith No More rausgeflogen! Sie wissen schon, da ist dieses etwas verwegen-verwirrt dreinblickende, langhaarige, bärtige Wiesel mit Flying V-Gitarre und karminroter Banker-Brille. Stimmt, ein Outfit mit Widersprüchen und Abgründen. Er habe nichts mehr zum kreativen Wohl der Band beigetragen, heißt es. […]

  • Tindersticks

    Tindersticks

    Second Album
    03. April 1995

    Als Arne Willander diese so herbstliche Platte im Frühjahr des Jahres 1995 zugesendet bekam, tat er das einzig richtige: Er wartete, bis es Nacht wurde, schloss sich in seiner Wohnung ein und hörte für Stunden dieses Album. So muss man es machen, wenn man den Zeilen von Stuart A. Staples lauscht. Zeilen, wie diesen: “You’ve […]

  • PJ Harvey - To Bring You My Love

    PJ Harvey

    To Bring You My Love
    03. März 1995

    Dieses Album könnte “Another Side Of PJ Harvey” heißen. Nach dem Prinzip der bisherigen Alben ,”Dry” (1992) und ,”Rid Of Me” (1993), innerhalb eines Songs Teile von unterschiedlicher Dynamik und Intensität aneinander zu koppeln, funktioniert auf “To Bring You My Love” nur noch das Titelstück. Ansonsten wird auf alle gitarrenbetonten Post-Punk-Elemente fast vollständig verzichtet – […]

  • Fischer-Z - Stream

    Fischer-Z

    Stream
    03. Februar 1995

    Es gibt keine “Cruise Missiles” mehr. Und “Berlin” ist auch nicht mehr das, was es einmal war, damals, 1981, als John Watts mit schneidender Stimme über wavigen Reggae-Riffs die “Red Skies Over Paradise” besang, “I’m simply sentimental”, klagt er 14 Jahre später beim Anblick der fehlenden Mauer. Wo sind die Panzer? Wo sind die Russen? […]

  • Monster Magnet, Dopes To Infinity, Cover

    Monster Magnet

    Dopes To Infinity
    03. Februar 1995

    Sie haben wirklich dazugelernt: Die Titel der bisherigen Monster Magnet-Alben hielten sich stets zaghaft bedeckt: Bei “Spine Of God” (1991) und “Superjudge” (1993) wußte der Unvoreingenommene nicht gleich, was ihm bevorstand. Jetzt aber machen es Monster Magnet weniger spannend – und benennen ihr neues Ding holzhammerartig “Dopes To Infinity”. Weniger leisetreterisch waren zwar auch schon […]

  • Simple Minds - Good News From The Next World

    Simple Minds

    Good News From The Next World
    03. Februar 1995

    Und dann waren’s nur noch zwei. Fast zehn Jahre nach seiner größten Zeit hat sich der Club der schlichten Gemüter auf die Gründungsmitglieder (und Songschreiber) Jim Kerr und Charlie Burchill reduziert. Und gleichzeitig beschlossen, von nun an eine reine Gitarrenband zu sein. “A red guitar can get you far”, reimt Jimmy Kerr, “but you still […]

  • The Beatles Live At BBC Cover

    The Beatles

    Live At The BBC
    03. Februar 1995

    Jedesmal, wenn jemand “Sgt. Pepper” kauft, spuckt er auf das Grab von Eddie Cochran, um Billy Miller, den Herausgeber von “Kicks”, zu paraphrasieren. Ebenso wahr ist: Wer “Live At The BBC kauft, legt eine Rose auf Eddies letzte Ruhestätte (und ein paar Cents in Little Richards Klingelbeutel). Schlicht atemberaubend, das Tempo musikalischer Entwicklung in den […]

  • Soundgarden - Superunknown

    Soundgarden

    Superunknown
    03. Februar 1995

    Kein Grunge, kein Genöle: Hier haben Soundgarden die Essenz von Black Sabbath und Led Zeppelin, Blues und Beatles-Melodien in epische und spirituelle Lieder einfließen lassen. Das ist guter Stil, und der macht sie zu Superstars.

  • Blur - Parklife

    Blur

    Parklife
    03. Februar 1995

    Blur lassen uns an etwas teilhaben, was äußerst rar geworden ist in der Welt des Pop. Man nennt es Entwicklung: gut, besser, “Parklife”. Damon Albarn erreicht nicht die Tiefenschärfe eines Ray Davies, seine Songs sind eher wie Polaroids. Doch die Motive sind ähnlich und immer britisch: Vorgarten-Idylle, Vorstadt-Idiotie. Nichts Neues, gewiß – doch Blur sind […]

  • Portishead - Dummy

    Portishead

    Dummy
    03. Februar 1995

    “We got a road to find/ Never find a way/ From this moment/ How can it feel”, fleht Beth Gibbons, verloren in den gespenstischen elektronischen Klang-Kulissen ihres Partners Geoff Barrow. Das Dorf Portishead bei Bristol wurde zum traurigsten und wundersamsten Ort des Jahres: wüstes Land und Weltraum zugleich. Jazz, Blues, Soul, Ambient, Soundtrack für einen […]

  • Beastie Boys - Ill Communication

    Beastie Boys

    III Communication
    03. Februar 1995

    Die Beastie Boys waren das Tier im Teenie. Sie befummelten Brüste, verherrlichten Budweiser-Bier und sampelten die pubertären Klischees vom Rock’n’Roll. Heute sind die drei jüdischen Homeboys die coolsten Nonkonformisten und Eklektizisten. Was sie mit “Check Your Head” überdachten, ist auf “Ill Communication” integratives Chaos: Flöten, Cello, Rap, Funk, Jazz. Ein Kommunikations-Crash.