Musik – Reviews

  • Moonrise

    Moonrise Kingdom

    - Regie: Wes Anderson

    Seit „Rushmore“ von 1998 hat Wes Anderson sich als eigenwilliger Stilist positioniert. Der surreale Charme und absurde Witz seines damaligen Überraschungserfolgs aber verlor sich immer stärker in einem pedantisch angeordneten, hermeneutisch verschlossenen Universum aus skurrilen Sets. Komik erschließt sich in seinen autistisch anmutenden Werken wie „The Royal Tenenbaums“ oder „Die Tiefseetaucher“ allein durch die Ästhetik […] mehr…

  • Marina And The Diamonds

    Marina And The Diamonds - Electra Heart

    Unter den aktuellen Elektropopsängerinnen besticht Marina Diamandis, die sich beim Musizieren Marina And The Diamonds nennt, durch den betont wandlungsverliebten Gebrauch ihrer Stimme. Sie kann hitzig heulen und mit kalt gepresstem Kehlkopfgesang barmen; im Kindchenfrau-Fach des romantisch-stimmlosen Hauchens erzielt sie ebenso gute Ergebnisse wie im schrillen Zickengezeter. Schon ihr Albumdebüt „The Family Jewels“ lebte vor […] mehr…

  • Sigur Ros - 'Valtari'

    Sigur Rós - Valtari

    Unter einer Dampfwalze stellt man sich gemeinhin etwas anderes vor. Mit der Bezeichnung eben einer solchen Baumaschine übersetzt sich der Titel des sechsten Sigur-Rós-Albums nämlich. Doch auf „Valtari“ befindet sich alles in einem Schwebezustand. Es gibt nichts, woran man sich festhalten kann, die sakralen Chöre nehmen keinen bemerkbaren Anfang und kein bemerkbares Ende. Es brodelt, […] mehr…

  • Kelly Hogan

    Kelly Hogan - Plant White Roses

    Kelly Hogan wirkt ein wenig wie ein Kind im Süßigkeitenladen, wenn sie über die Aufnahmen ihres neuen Albums spricht. Den US-Kollegen sagte sie über die 15 Tage im EastWest Studio in L.A. – in dem bekanntlich „Pet Sounds“ aufgenommen wurde: „It was a mind-blowing, crazy, baseball-fantasy-camp type of thing. I thought I was being punk’d!“ […] mehr…

  • The Tallest Man On Earth - 'There's No Leaving Now'

    The Tallest Man On Earth - 1904

    2010 war Kristian Matsson mit „The Wild Hunt“ noch auf der wilden Jagd, jetzt ist er anscheinend in ruhigeren Gefilden angekommen oder hält zumindest einmal inne. Anfang Juni veröffentlicht The Tallest Man On Earth sein drittes Album „There’s No Leaving Now“. „1904“ ist der erste Track aus dem neuen Werk und schließt musikalisch zunächst nahtlos […] mehr…

  • Joe Bonamassa - Driving Towards The Daylight

    Joe Bonamassa  - Driving Towards The Daylight

    Es dauert lange fünf Minuten bis zum ersten erlösenden Gitarreninferno. Und auch bei diesem Album werden die Jünger des Gniedelgottes und Bluesrock-Adepten wieder in Scharen die langen Mähnen schütteln und die blassen Arme zum Luftgitarrensolo recken. Garantiert. mehr…

  • All The Young - 'Welcome Home'

    All The Young - Welcome Home

    Als Rückkehr der Gitarrenmusik in die UK-Radiolandschaft wird dieses Debüt bereits gehypt. Der unbedingte Wille zum großen Hymnus ist da, doch zum Kaliber der Manic Street Preachers fehlen dem Quartett die überbordenden Melodien – und ein paar Themen jenseits der Rockklischees. mehr…

  • The Temper Trap - 'The Temper Trap'

    The Temper Trap - The Temper Trap

    Auf ihrem zweiten Werk bleiben die Australier beim Breitwand-Sound, packen aber kräftiger zu. Stylishe Produktion, klingelnde Gitarren, schmatzende Synthies – aber auch wieder Knabenchorgesänge. Tut ein bisschen größer, als es ist. mehr…

  • Soulsavers - 'The Light And The Dead Sea'

    Soulsavers - The Light And The Dead…

    David Gahan ist der Schmerzensmann: Seit 20 Jahren hören wir von Sucht, Selbstmord und Seelenpein. In Liedern und Zeitungen verhandelt der Sänger von Depeche Mode stellvertretend das Drama des Lebendigseins – mit einer Bühnenpersönlichkeit, die wohl an allem leidet, doch auf eine stolze, dunkle Art. Gahan kämpft mit Gott wie einst Jakob am Jabbok. Rich […] mehr…

  • Fehlfarben - 'Xenophonie'

    Fehlfarben - Xenophonie

    Mit „Monarchie und Alltag“ haben sie Musikgeschichte geschrieben (und nicht gemacht). Sie sind anders geblieben, haben sich Mitte der 80er-Jahre eine Atempause gegönnt und kamen knietief im Dispo zurück. Seitdem geht es nicht mehr so recht voran mit den Fehlfarben, und jeder weiß, woran das liegt: „Das Frühwerk am Hals wie ein Mühlstein“, heißt es […] mehr…

  • Cornershop - 'Urban Turban - The Shingles Club'

    Cornershop - Urban Turban – The Shingles…

    Londons Multikultiverweser machen zehn Lieder mit zehn Künstlern, darunter Celeste, SoKo und Lorraine. HipHop, 70s-Funk, Elektro-Soul, indischer Gesang zu WahWah-Bässen: Welterklärungsversuch mit urbanem Turban. (Amble Play/Cargo) mehr…

  • Cold Specks

    Cold Specks - I Predict A Graceful Expulsion

    Es schien, als sei das Gut-Singen-Können mit Alison Moyet und Pat Benatar irgendwann in den 80er-Jahren verschwunden; als Kriterium im Popdiskurs taugte es sowieso nicht. Doch die große Stimme erlebt in diesen Tagen eine Renaissance. Ob vor Pathos wackelnd wie bei Beth Ditto, von Kunst und Understatement gesättigt wie bei Julia Holter – oder eben […] mehr…

  • Spain - 'The Soul Of Spain'

    Spain - The Soul Of Spain

    Das wahrscheinlich bekannteste Lied der Band Spain findet sich auf einem Album von Johnny Cash. Rick Rubin hatte dem Alten „Spiritual“ für „Unchained“ ans Herz gelegt, und dieser hatte das ironisch gebrochene Schwermutsstück in alttestamentarischer Weise vorgetragen. Mit dem sogenannten Slowcore der Kalifornier hatte das freilich wenig zu tun. Nach elf Jahren Studioabstinenz folgt jetzt […] mehr…

  • Me And My Drummer - 'The Hawk, The Beak, The Prey'

    Me And My Drummer - The Hawk, The Beak, The…

    Die Sängerin/Pianistin Charlotte Brandi und ihr Drummer Matze Pröllochs inszenieren ihre Lieder mit Piano und Schlagzeug, aber auch weiten Synthie-Sounds, sakralen Chor-Arrangements und feinen Ornamenten. Sehr gutes Debüt auf halbem Weg zwischen Beach House und Florence And The Machine. mehr…

  • Here We Go Magic - 'A Different Ship'

    Here We Go Magic   - A Different Ship

    Im vergangenen  Jahr veröffentlichte Luke Temple ein schönes Soloalbum titels „Don’t Act Like You Don’t Care“ und offenbarte sich als Spezialist für 70s-inspiriertes Songwriting und Meister der Atmosphäre. Auf den Alben seines Projekts Here We Go Magic präsentierte er – zunächst im Alleingang, dann mit Unterstützung einer richtigen Band – den klassischen Pop der Sechziger […] mehr…

  • Garbage - 'Not Your Kind Of People'

    Garbage - Not Your Kind Of People

    „Love makes you desperate and feeling a fool/ Love makes you useless and love makes you cruel“, nörgelt Shirley Manson, während eine Jahrmarktsorgel einen schwindelig spielt und ein zuckender Synthie Stakkatogitarren und ein aufstampfendes Schlagzeug durcheinanderbringt. „I Hate Love“ könnte auch ein übrig gebliebener Garbage-Song aus den 1990ern sein. Hinter einer süßlichen Popmelodie lauern einmal […] mehr…

  • Jan Delay & Disko No. 1 - 'Hamburg Brennt'

    Jan Delay - Hamburg brennt!!

    Das nennt man dann wohl Großraumdisko: 15.000 Leute kamen im August 2011 zur Hamburger Trabrennbahn, um mit Jan Delay & Disko No. 1 den Abschluss einer triumphalen Tournee zu feiern. Es ist noch hell, aber auf der Bühne ist vom ersten Moment an tiefste Nacht, das suggeriert nicht nur die große Lightshow. Der Zeremonienmeister fährt […] mehr…

  • Best Coast - 'The Only Place'

    Best Coast - The Only Place

    Die Kalifornier Bethany Cosentino und Bobb Bruno spielen mal rumpelnden Garage-Rock, mal luftigen Psychedelic-Pop, mal Zeitlupen-Country im Stil der Cowboy Junkies. Und das Schönste daran: Niemals wird einem dabei langweilig. mehr…

  • Beach House - 'Bloom'

    Beach House - Bloom

    „Eine Blüte ist vergänglich, eine flüchtige Vision des Lebens in aller Intensität und Farbenpracht, wunderschön – wenn auch nur für einen Moment“, erklärt Victoria Legrand, die Sängerin und Keyboarderin von Beach House, den Titel ihres vierten Albums. Das ist nicht neu und sicher richtig, trotzdem zerbricht man sich den Kopf, mit welcher Sorte Blüten man […] mehr…

  • Gossip

    Gossip - A Joyful Noise

    Immer schön in Bewegung bleiben: Vom zickigen Bass in „Melody Emergency“, der die Platte eröffnet, über das funky-soulige „Horns“ bis zum in Watte verpackten Synthie-Flimmern in „Love In A Foreign Place“ – kaum ein Song auf „A Joyful Noise“, der nicht auf die Tanzfläche drängt. Das Gossip-Album „Music For Men“ (2009) erweist sich im Nachhinein […] mehr…