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Nachruf

Der Kerl: Zum Tod von Gunter Gabriel, dem deutschen Cowboy und Schwerenöter

Er brauchte immer mehr Geld, und er brauchte immer mehr Liebe. Günter Caspelherr, geboren in Bünde in Westfalen, wuchs bei seinem Vater auf; seine Mutter war gestorben, als er vier Jahre alt war. Er fürchtete den Alten, wurde geschlagen, war selbst ein Haudrauf, lernte Gitarrespielen, brach die Schule ab, machte Aushilfsarbeiten „in ganz Mitteleuropa“, wie es poetisch heißt. Er studierte (was sonst?) Maschinenbau in Hannover, gab es auf, wurde Promoter bei einer Plattenfirma, schrieb Songs.

Das erste Lied, das er verkaufte, sang Rex Gildo. Günter Caspelherr nannte sich jetzt Gunter Gabriel. Sein erster Hit war „Er ist ein Kerl (er fährt nen 30-Tonner Diesel)“. 1973 erschien sein erstes Album, „Gesucht“, die Anverwandlung an Johnny Cash. Jeder Mensch in Deutschland kannte 1974 „Hey Boss, ich brauch’ mehr Geld“. Wencke Myhre, Frank Zander und Juliane Werding sangen Gabriels Lieder, er hatte alles drauf.

Gunter Gabriel ging pleite – und rappelte sich wieder auf

Gabriel wurde Millionär, er war Stammgast in Dieter Thomas Hecks „Hitparade“ und der Wildeste unter den Schlagerfuzzis, die in Berliner Diskotheken durchdrehten (und Platten legte er auch auf), er maunzte „Komm unter meine Decke“, brachte jedes Jahr mindestens ein Album heraus, versoff, verzockte und verhurte sein Geld, ging pleite, rappelte sich wieder auf, heiratete viermal, schrieb seine Autobiografie ging wieder pleite. Er trat dann überall auf, wo man ihm ein Honorar von 1000 Mark zahlte – und Essen und Trinken gab es noch dazu. So reiste er ein Jahr lang durch das Land.

In Hendersonville, Tennesssee, besuchte er in den 80er-Jahren Johnny Cash und June Carter Cash, er saß mit ihnen beim Tischgebet, und die Cashs wussten nun, dass es Country Music in Deutschland gab. Gunter Gabriel war die deutsche Country Music. Vor fünf Jahren spielte er in einem gutgemeinten Musical in Berlin seinen Helden.

Die lustigsten Anekdoten der Welt

In den letzten zwei Jahrzehnten wohnte er auf einem Hausboot im Hamburger Hafen. Noch immer nahm er seine Art von Country-Platten auf, hielt sich in den Zeitungen und im Fernsehen und erzählte die lustigsten Anekdoten der Welt. Im Jahr 2016 brachte er die Schoten seines Lebens im australischen Dschungelcamp, er brauchte mal wieder Geld. Er schiffte ins Wasser. Er beleidigte alle. Er wurde weggeschickt. Im Hotel war Gabriel wieder obenauf und feierte seinen Sieg.

Gunter Gabriel war nicht zu schlagen. Zehn Tage nach seinem 75. Geburtstag ist er gestorben. Er ist eine Treppe hinuntergestürzt.

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