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Neil Young zum 70. Geburtstag: Seine schrägsten Alben

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Neil Young zum 70. Geburtstag: Seine schrägsten Alben

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Dieser Artikel ist der Ausgabe entnommen:

Happy Birthday, Neil Young! Zum Geburtstag: seine sechs schrägsten Alben 

Trans (1982)

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Young begrüßte die MTV-Ära mit einem Album, das allgemein für Ratlosigkeit sorgte. Er schwelgte in Synthesizern, schickte seine Stimme sogar durch einen Vocoder – und trieb seine Rock-Fans in den Wahnsinn. „Ich wusste sofort, dass es durchgeknallter Stoff war, der mit Neils bisherigem Output nichts zu tun hatte“, sagte Gitarrist Nils Lof­gren. „Mir wäre es allerdings nicht im Traum eingefallen, dass eine Plattenfirma das Album als ,nicht Neil Young genug‘ ablehnen würde.“
Es war das erste Album für Geffen Records, die Young später verklagten, weil er „nichtrepräsentative“ Musik abgeliefert habe. „Es war einfach der unglaublichste ,Old school meets new school‘-Clash, den man sich nur vorstellen konnte“, so Lofgren. „Er kaufte sich seine ersten beiden Synclaviers, die damals so etwas wie die High-End-Synthesizer waren. 1982 kosteten die Dinger mit allem Drum und Dran um die 150.000 Dollar. Keiner konnte sich so was leisten.“
Auch wenn der Sound fremd und synthetisch war, entsprangen die Songs doch einem allzu menschlichen Impuls. Sein jüngster Sohn, Ben, hatte zerebrale Kinderlähmung – und Young hatte alle Aktivitäten abgebrochen, um sich um die Therapie zu kümmern. „Wenn man sich ,Transformer Man‘, ,Computer Age‘ oder ,We R In Control‘ anhört, wird man diverse Anspielungen auf meinen Sohn und alle Menschen hören, die auf Knöpfe drücken oder Computer­stimmen nutzen müssen, um kommunizieren zu können“, sagte Young dem ROLLING STONE 1988.

Die tiefere Bedeutung des Albums war damals aber niemandem bewusst – und so wurde Young auf seiner Tour durch Europa oft genug ausgebuht. „Wenn Neil und ich bei ,Transformer Man‘ mit unseren Headsets und Sonnen­brillen auf die Bühne kamen, muss das ausgesehen haben wie eine futuristische Szene aus einem Buch von Isaac Asimov“, sagt Lofgren. „Die Leute sagten nur: ,Was zum Teufel ist das denn?!‘ Und bevor sie sich entscheiden konnten, ob sie’s nun mochten oder nicht, kam ,Cinnamon Girl‘. ,Computer Age‘ war auch nicht schlecht: Ich spielte zwar meine ’61er Strat, sang dazu aber mit einer verfremdeten Stimme, die drei Oktaven über meiner normalen Stimmlage lag. Für mich war es eine wundervolle Erfahrung.“

https://www.youtube.com/watch?v=M15RA1ft3Bc

Everybody’s Rockin’ (1983)

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Es war fast so etwas wie Notwehr, dass ich Geffen ,Everybody’s Rockin’ gab“, sagte Young über seine Expedition ins Rockabilly-Terrain, die er mit einer Gruppe namens Shocking Pinks unternahm. „Geffen wollte mehr Rock’n’Roll … ,Okay, wenn du mehr von dem gottverdammten Rock’n’Roll haben willst – hier ist er!‘ “
„Im Umgang mit Neil gibt es keine größere Sünde, als ihm vorzuschreiben, was er zu tun hat“, sagt Anthony Crawford, der bei der improvisierten Gruppe Background-Vocals sang.
„Er wollte, dass die Platte so authentisch wie möglich klang – als ob sie in der damaligen Ära entstanden wäre“, sagte Produzent Elliot Mazer, der die Platte auf Youngs Ranch aufnahm. Tim Drummond spielte einen Standbass und Schlagzeuger Karl Himmel saß an der Snare. „Wir spielten alles in ein oder zwei Takes ein. Es war wirklich eine prickelnde Atmosphäre.“
Obwohl sie das Album auf einer modernen 24-Spur-Maschine aufnahmen, wurde der Lo-Fi-Aspekt der Rockabilly-Ära beibehalten. „Neil geht wie ein Nean­dertaler mit Technologie um“, meint Crawford. „Wir hatten so eine Art Wäscheleine, mit der die Leute im Aufnahmeraum und die Musiker in der Scheune kommunizierten. Die Leine war auf einen Flaschenzug gespannt, der über die Straße in ein anderes Gebäude führte. Am Ende der Leine hing ein Gummihuhn. Wurde das Huhn nach oben gezogen, hieß es: Das Band läuft. Wurde es runtergelassen, hatte man das Band angehalten.“
Auch wenn vergleichbare Alben von den Stray Cats und Billy Joel im gleichen Jahr gut verkauften, erwies sich „Everybody’s Rockin’“ in den US-Charts als Rohrkrepierer. Auf der Bühne sah es nicht besser aus: Als die Shocking Pinks auf Tour gingen, trat Young mit schwarzem Hemd, weißem Anzug und einem pinkfarbenen Schlips auf. Die langen Haare hatte er mit Pomade zurückgekämmt. „Die Zuschauer dachten wohl: Wer zum Teufel ist das denn?!“, erinnert sich Crawford. „Gleich beim ersten Gig flog mir ein Bier an den Kopf. Bis dahin hatte ich gedacht, dass die Leute alles von Neil lieben würden.“

https://www.youtube.com/watch?v=QbRhMOfgbMw&list=PLB4y9OFmPnJY0SpYg3j_jaWegRjWS5y5B

Landing On Water (1986)

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Young war von Don Henleys ’84er Album „Building The Perfect Beast“ so angetan, dass er einen ähnlichen Big-Beat-Synth-Funk kreieren wollte – wenn auch mit einem kruderen Sound. Produzent Dan Kortchmar spielte die Bassmelodie auf einem Keyboard, während Drummer Steve Jordan versuchte, „den seltsamen Sounds und Stimmungen auf Youngs Synclavier“ ein Rückgrat zu geben. Wie schon auf „Trans“ lotete Young die Möglichkeiten des Synclaviers konsequent aus: Als einmal Schauspieler Timothy Hutton vorbeischaute, sampelten sie seine Stimme. Ein anderes Mal wurde ein Schrei von Steve Jordan so aufgenommen und abgespeichert, dass er mit dem Keyboard modelliert werden konnte. „Neil spielte auf dem Synclavier die Melodie und benutzte dazu den Schrei von Steve, den wir aufgenommen hatten.“
Es konnte nicht überraschen, dass die Herrschaften bei der Plattenfirma weniger begeistert waren. Young musste in seine eigene Tasche greifen, um das Album zumindest zum Abschluss zu bringen. „Ich hörte zufällig, wie Young am Telefon einen Geffen-Mitarbeiter zur Schnecke machte“, erinnerte sich Kortchmar. „Ich dankte dem Himmel, dass ich nicht am anderen Ende der Leitung war.“

https://www.youtube.com/watch?v=HaKzGm0E_0s

Arc (1991)

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Die 35-minütige Feedback-orgie kam gerade rechtzeitig: Als selbst Underground-Bands wie Sonic Youth und Nirvana Verträge bei den Major-Labels erhielten, war der Siegeszug des Alternative Rock nicht mehr aufzuhalten. Doch auch wenn Young diesmal dem Zeitgeist auf der Spur war: Es war ein Schlag ins Gesicht seiner älteren Fans.
„Ich mache mir keine Gedanken, wie viel das Album verkauft“, sagte Young dem ROLLING STONE 1991. „Ich bin jetzt 45 Jahre alt – und das ist nun mal das, was sich derzeit in meinem Kopf abspielt.“ Das war in diesem Fall eine avantgardistische Mischung aus fuzzigen Jams und atemlosem Jazz-Grunge. Die Idee zu dem Album wurde geboren, als Young mit Thurston Moore von Sonic Youth sprach und ihm eine private Tour-Doku von Crazy Horse in die Hand drückte. Darauf hatte Young „die Intros und Outros aller Songs“ zusammengeschnitten, die damals auf dem Programm standen. Moore schlug vor, dieses Konzept als Basis eines ganzen Albums zu verwenden.

https://www.youtube.com/watch?v=QurHTgdJ-vI

Dead Man (1996)

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Regisseur Jim Jarmusch, der schon lange Jahre Young-Fan gewesen war, klopfte bei seinem Helden an, ob er den Soundtrack für den surrealen Western „Dead Man“ schreiben könne. Young spielte mit dem Gedanken, die beiden noch lebenden Nirvana-Mitglieder, Dave Grohl und Krist Novoselic, zurate zu ziehen, griff dann aber doch auf Jarmuschs ursprüngliche Idee zurück, nämlich nur auf seiner Gitarre zu improvisieren. „Neil stellte sich vor eine Leinwand und spielte live zum Film“, so Jarmusch. „Er machte ein paar Takes und reagierte dabei auf die Bilder – es war fast so, als wäre er selbst ein Bestandteil des Films. Und genau so hatte ich mir das vorgestellt.“

https://www.youtube.com/watch?v=pT3jnu1yJO0

A Letter Home (2014)

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2014 brachte Young seinen digitalen PonoPlayer auf den Markt und veröffentlichte ein Album mit akustischen Coverversionen. Das Besondere daran war, dass er die Aufnahmen auf einem Voice-o-Graph aus den 40er-Jahren machte. „A Letter Home“ beinhaltete Songs, die Young im Laufe seines Lebens beeinflusst haben – von alten Folkklassikern bis hin zu Bruce Spring­steens „My Hometown“. „Die Sound­qualität ist so schlecht, dass es eigentlich keinen Unterschied macht, auf welchem Gerät man das Album abspielt“, sagte Young.

https://www.youtube.com/watch?v=6H47jI6xanA
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