• Ihr Einsatz Herr Niedecken

    3. Dezember 1994

    NIEDECKEN FRONTENWECHSEL FÜR 48 STUNDEN Handschellen, Schießstand und Schlagstock – zwei Tage lang legte Wolfgang Niedecken jenes Grün an, bei dem der gestandene Linke unweigerlich rot sieht. Ein Rollenspiel mit Folgen: Freunde schüttelten den dogmatischen Kopf, während Niedecken lieb gewonnene Wahrheiten über Bord gehen sah. EINE KLEINE SZENERIE VON Playmobil-Figuren auf einem Stück Pappe. Plastikpolizisten, […]

  • Viertelstunde Popstar

    Made in Japan: Pizzicato Five

  • Die Söhne des Priesterpaares

    Collective Soul: Wie vier Southern Boys einen Plattenvertrag bekamen und nach Woodstock reisten

  • Massive Attack: Die wärmende Flamme schützen

    Das Lob der Provinz: Massive Attack arbeiten in Bristol im sicheren Abseits.

  • Rock, aber nicht Roll

    Der Rummel um die Chicago-Szene: Sind VERUCA SALT das nächste große Ding?

  • Staatsanwalt wartet

    Wut treibt den Motor, Haß steuert das Getriebe wenn die Rockgeschichte jemals einen Musiker hervorgebracht hat, der solch heißgelaufene Gemütszustände unverschnitten in Tonträger einbrennen konnte, dann lautet sein Name Greg Ginn. “Getting Even” (1993), die erste Platte, die den Namen des kalifornischen Gitarristen trug, stieß im Lager der Kritiker auf Verwirrung bis Unverständnis: So unverkennbar […]

  • Die nächste Tragödie

    Der einzigartige Ruf des schottischen Labels “Postcard” gründet auf einer einfachen Idee: Musizieren und Singen bedeutet den Beteiligten, ihr Herz zu waschen. Roddy Frame hat das begriffen, Edwyn Collins und der Betreiber Alan Hörne. Makellose Meisterwerke wie “You Can’t Hide Yowr Lore Forerer” von Orange Juice markierten Anfang der 80er Jahre zum letztenmal den Glamour […]

  • Schlacht ums Büffet

    Sie laden Tierschutzvereine zu ihren Konzerten ein, trinken nur Fruchtsäfte vor den Auftritten, diskutieren mit Schülern über Rassismus und Sexismus: Consolidated sind nach The Disposable Heroes Of HipHoprisy die bemühteste und bekannteste Industrial-Rap-Band der Agitprop-Szene – und werden als “the most hated band in the world” geschmäht. “Wir, gehaßt? Neeeiiin!?”, spreizt Adam Sherburne, Wortführer von […]

  • Visionen vom Exzess

    Das zentrale Thema der Menschheit: Sex hat unzählige Gesichter, Formen, Gefühle, Rhythmen – und obgleich schon vieles erforscht wurde, immer mehr darüber geredet oder gesungen wird, so bleibt doch etliches im dunkeln. Vom sexuellen Erleben handelt “Pure”, das neue Album der Golden Palominos. Anton Fier, Gründer und Produzent der New brker Musiker-Kooperative, ist sich im […]

  • Portishead: Auf der Flucht

    ...vor der Welt verkriechen sich Portishead in der Provinz.

  • Freddy Johnston

    Die Braue über dem rechten Auge bewegt sich nach oben, der Mund verzieht sich zu einem wissenden Grinsen: Der Mann ist gut drauf. Gemächlich schlurft Freedy Johnston auf die winzige Bühne des Clubs, grinst den Hundertschaften johlender neuer Fans ins Gesicht und fragt sich wahrscheinlich, warum um alles in der Welt er auf einmal Kult […]

  • Das Amen in der Kirche

    So cool ist man nur mit 61 Jahren. Bis kurz nach 19 Uhr hockt Willie Nelson über einer Portion Pasta in seinem Hotelzimmer und gibt Interviews. Punkt 19.30 Uhr steht er einige Kilometer Luftlinie entfernt samt “Family” auf der Bühne – gut 90 Minuten, ohne Extras, denn: “Wer schreit schon ‘Zugabe’ auf das Amen in […]

  • Blick auf die kleine Zelle

    Die Debütantin Susanne Grawe hat keine Chance —aber die nutzt sie

  • Ein Koffer in New Orleans

    Der Mann hat einfach Stil. Wo die Kollegen sich in augenbeleidigenden Grungeund Post-Punk-Outfits zu übertrumpfen suchen, setzt er auf schlichte englische Eleganz. Und wo die Hamburger “Konkurrenz” manchmal vor lauter Philosophieren das Musizieren vergißt, legt er in New Orleans ein so cooles Soul-Album wie “Old” hin. Selbst wenn ihn die Tresenfrau der versinten “Haifischbar” unbegründet […]

  • Captain Beefhearts Kinder

    X.I.D. “Wir fühlen uns als die Kinder von Can und Captain Beefheart.” So unverblümt hat noch kaum eine neue Band ihre Referenzen offengelegt. X.I.D. sind nicht eitel sie wissen selbst, daß ihre Musik nur eklektisch sein kann. Sänger Stephan Hachtmann und Schlagzeuger Ulrik Spies haben früher bei der Berliner Lärm-Gruppe Stan Red Fox gearbeitet und […]

  • Dem Original eine Chance

    Unten, auf der Strandpromenade von Viareggio, bleiben ein paar Leute stehen – oben, auf einem Balkon im zweiten Stock des eleganten Hotel “Principe Di Piemonte”, produziert sich ein blonder Mann mit wehendem Haar vor einer neugierigen Videokamera: Hier soll einer ein Gesicht bekommen, der lange möglichst anonym bleiben wollte. Als der blonde Mann kurz darauf […]

  • Aus dem Abseits

    “Hahaha”, lacht Jack Logan oft aus Verlegenheit. Ein fröhlicher, offener Mensch. Seit 42 seiner Songs auf dem Album “Bulk” veröffentlicht wurden, hat sich gar nichts geändert: Logan repariert noch immer Klima-Anlagen und Swimming-Pools in Georgia – Arbeiten, denen in den USA einige Bedeutung zukommt. Zum Beispiel der Typ in Altmans “Short Cuts”, der in den […]

  • Sklaven der Wahrheit

    Mit dieser Band hatte niemand gerechnet. Sogar die eifrige Plattenfirma, sonst bei jeder Marginalie im Einsatz, ist diesmal hilflos: Gerade eine läppische Besprechung aus einem Metal-Blättchen liegt in der Presseschau. Dabei waren Mother Tongue schon in Deutschland, um sich der Journaille und Zufallszuhörern vorzustellen. Es ist aber nicht schlau, solche Konzerte zu veranstalten, wenn der […]

  • Der Terror der Stille

    Auch die sechs veröffentlichten Alben sprechen nicht dagegen: Laurie Anderson ist eine Geschichtenerzählerin. Ihre Lust, den Zuhörer in ihre surrealistischen Visionen zu ziehen, ist ungebrochen. Aber wie unterhält man sich mit einer Frau, die im Vorwort ihres gerade erschienen Buches “Stories From The Nerve Bible” den Hollywood-Komödianten Steve Martin zitiert: “Talking about music is like […]

  • 11 Kessel Buntes

    Zu Hause sind sie mächtig stolz auf ihn. “Our Tommy”, raunen die Menschen im Pub von Pontypridd stolz. Und: “It’s Old Jones, the Voice.” Stimme hat der Waliser zweifelsohne, gottgegeben und nie trainiert. Nur ein einziges Mal, vor vier Jahren, war sie durch böse ausschauende Knötchen bedroht. Doch eine Operation, gefolgt von zwei Wochen striktem […]