• Mr. Scruff: Unrealer Sound

    3. September 1999

    Andy McCarthy begann schon als 10-jähriger, obskure Mix-Tapes zusammen zu stellen, indem er schlicht (aber durchaus talentiert) die Pause-Taste seines Kassettenrekorders bediente. Heute nennt sich Andy MR. SCRUFF und gehört zu den derzeit innovativsten DJs, die England aufzubieten hat Sein Stil ist ungefähr so wirr wie sein Sinn für Humor, welcher ihn manchmal dazu veranlasst, […]

  • Charles Wilp: Pop-Art-Genie

    Ihn einen Tausendsassa zu nennen, wäre zu wenig: CHARLES WILP verkörperte den deutschen Aufbruch aus jenen miefigen Fünfzigern in die swingenden Sixties. Als Werbekonzeptionist (u. a. Afri-Cola!), Fotograf, Medienkünstler und Dirigent erntete der Man Ray-Student Respekt von Idolen wie Andy Warhol oder Joseph Beuys. Mit seinem experimentellen Album „Charles Wilp fotografiert Bunny“ verewigte sich der […]

  • The Experimental Pop Band: Neues aus Bristol

    Ahnlich schwungvoll geht’s nun weiter: THE EXPERIMENTAL POP BAND kommt aus Bristol. Das allein heißt noch nicht viel, stehen doch Songwriter Davey Woodward und seine Mitstreiter keineswegs in der Tradition bewährter Bristolscher Acts wie Massive Attack. Elektronik spielt bei EPB eine eher untergeordnete Rolle. Die Zutaten für das Debüt-Album JHotnesick“ – Beat, Samples, Funk – […]

  • Mo‘ Horizons: Tanz am Horizont

    Nicht nur aus Großbritannien kommt dieser Tage so großartige Tanzmusik. MO‘ HORIZONS alias RalfDroesemeyer und Mark „Foh“ Wetzler stammen aus Hannover und machten sich einen Namen als Produzenten/Remixer für Cunnie Williams oder Randy Crawford. Ihr gemeinsames Album „Come Tbuch The Swn“rangiert derzeit auf den höchsten Plätzen der deutschen Qub-Charts und bietet dabei keineswegs dumme Billig-Beats […]

  • G. Love & Special Sauce: Stadt – Land – Flow

    Nur sehr wenige Musiker schaffen es, einen eigenen Sound zu entwickeln, ein Markenzeichen, an dem man eindeutig erkennt, mit wem man es zu tun hat. G. LOVE & SPECIAL SAUCE passen in diese Kategorie, seit sie 1994 mit einer Melange aus Funk, Roots, Reggae und Folk antraten, um einen Sound zu definieren, der sich nun […]

  • Nach Maxis und einem Soundtrack gelang dem Berliner Trio Terranova ein Album mit Tricky und erstaunlichen Sounds

    Wat denn nu – Film-Premiere oder Platten-Präsentation? Vor dem Berliner Club WMF herrscht Ratlosigkeit Nur langsam bewegt sich eine Menschenschlange vorwärts, und dazu macht ein Gerücht die Runde: Angeblich feiert der Regisseur Rainer Kaufmann hier und heute die Premiere seines Films „The Long Hello And Short Goodbye“ – Zutritt nur mit Einladung. Viele Wartende sind […]

  • Werber Charles Wilp vs. Michael Schirner

    Dem Werbe-Revolutionär, Space Age-Propheten und Performance-Künstler Charles Wilp, zuletzt gar Astronaut, galt Schwerelosigkeit ab Orgasmus. Für die Wodka-Marke Puschkin knatterte er im Tiefflug über die Düsseldorfer Königsallee in jenen Rausch, den Amanda Lear, Marsha Hunt und Donna Summer 1969 leichtbekleidet im Fernsehen mit seinem „Sexy-mini-super-flower-pop-op“-Slogan vom Genuss einer Afri-Cola suggerierten. Die Musik dazu ist nun […]

  • Xavier Naidoo will seiner Heimatstadt mehr Ansehen verschaffen und hat dafür ein Plattenlabel gegründet

    Ganz und gar von dieser Welt sind die Pläne, die Xavier Naidoo seit Juli in die Tat umsetzt Seitdem ist der ehemalige Disco-Türsteher Unternehmer – alleiniger geschäftsführender Gesellschafter der Söhne Mannheims GmbH. Das ist bisher primär ein Label, das Platten produzieren, herstellen, vermarkten und vertreiben will. Im Mannheimer Stadtteil Kafertal wird nun geklotzt: Auf 400 […]

  • Randy Newman

    Lange vor scharfzüngigen Rappern und Standup-Comedians, lange bevor die Welt überhaupt für so viel hinterlistige Häme bereit war, porträtierte Randy Newman in seinen Songs bigotte Heuchler, Rassisten, Sadisten und ähnliche Schleimbeutel. Nun, auf seinem meisterlich desillusionierenden Album „Bad Love“, verschmilzt der 55jährige Mann am Klavier wieder Rock mit bluesigen Shuffles und klassischen Dissonanzen – und […]

  • Dem verstorbenen Freund hat Emmylou Harris viel zu verdanken. Weshalb sie beim Gram Parsons-Tribute persönlich Regie führte

    Am Anfang stand die Angst Angst, es falsch zu machen. Angst, das Erbe eines so großartigen Musikers etwa kaputtzumachen. Doch dann siegte wieder einmal Emmylou Harris‚ Courage – und ihre Liebe zu Gram Parsons. Als dieser 1973 starb, blieb sie zurück, „mit unendlich vielen und unsterblichen Erinnerungen“ an jenen Mann, von dem sie viel gelernt, […]

  • Woodstock

    Die Doors verzichteten 1969 auf Woodstock, weil Jim Morrison das Peace-&-Love-Gelaber der Hippies auf die Nerven ging. Heute ist Gitarrist Robbie Krieger dankbar für die zweite Chance: Zusammen mit Creed gibt er bei „Woodstock ’99“ den „Roadhouse Blues“ und „Riders On The Stonn“ zum Besten. Am Sonntag, nach drei Tagen in der Sonne und ein […]

  • Eric Burdon – Berlin, Columbiahalle

    Eric brüllt Vokalakrobatik gehörte ja nie zu seinen bevorzugten Disziplinen, aber er hatte doch, verdammt noch mal, ein paar Nuancen drauf. Er konnte röhren und röcheln, leisere Töne anschlagen oder seine Stimmbänder schwarz färben. Newcastle war eine pulsierende Hafenstadt, ein Schmelztiegel unterschiedlichster Kulturen, als Klein-Eric entdeckte, daß er mit dem Mund musikmachen konnte. Jazz, Blues, […]

  • Ozzfest

    Unter der Schirmherrschaft Ozzy Osbournes spielt die zweite und dritte Garde des metallverarbeitenden Gewerbes zum fröhlichen Kopfschütteln auf: ewige Geheimtips (Primus, unterstützt von einem zu allerlei Solo-Späßchen aufgelegten Buckethead), einstmals Große, die noch von vergangenen Schandtaten zehren (Slayer), und viele junge Wilde (die agilen, Korn-beeinflussten Godsmack; die thrashigen, aber durchaus melodiösen Fear Factory mit dem […]

  • Tom Waits

    Schön, dass der Veranstalter das angemessen schäbige Metropol-Theater an der Friedrichstraße gefunden hat An der bröckelnden Fassade der maroden Kabarett-Kaschemme steht „Operette“ geschrieben, und im mit Kunstrasen ausgelegten Innenhof sieht es nach Rummelplatz aus, samt Hot-Dog-Wägelchen und Erdbeer-Daiquiris. Ein paar Karten für die drei Abende mit Tom Waits waren auch noch übrig, und so presst […]

  • Der Tristesse der Provinz entflohen Muse mutig gen London. Um hier mit einem erwachsenen Debütalbum Furore zu machen

    Die Kinder von Devon langweilen sich. Das öde Leben im Südwesten Englands besteht für die meisten aus Schule, Fußballplatz, Fernsehen Alle aber machen das nicht mit So formierten vor fünf Jahren ausgerechnet hier drei recht hoffnungsvolle 13jährige eine Band namens Muse. Sänger und Gitarrist Matthew Bellamy hatte Drummer Dominic Howard und Bassist Chris Wolstenholme auf […]

  • Ihr kurzes Intermezzo bei einem Major haben die Walkabouts abgehakt. Zurück beim alten Partner, erfand man sich wieder neu

    Dies ist die Platte, die wir machen wollten sie aber hätten keinen Grund gefunden, sich dafür zu engagieren. Gibt’s einen besseren Grund, um zu gehen?“ Wohl kaum. Chris Eckman und Carla Torgerson weinen dem Intermezzo der Walkabouts beim hiesigen Ableger eines UK-Majors keine Träne auch. Man ließ die Band nach einem kleinen Hit („The Light […]

  • I Love That E.L.O.

    Das war ein ziemlicher Schock für Randy Bachman, als sein Sohn Tal ihm Vorjahren eröffnete, zur Uni gehen zu wollen. Ausgerechnet Politik und Philosophie, welche Schmach für die Familie. „Das hat meinem Vater wirklich Angst gemacht“, erinnert sich Tal, „wochenlang war er regelrecht am Boden zerstört.“ Die beruflichen Standards, die in der Familie Bachman als […]

  • Chris Hooson, der als Sozialarbeiter das alltägliche Elend kennt, blickt mit der Band Dakota Suite in die schwarzen Schlünde der Existenz

    Eine Wiese hinter dem Haus, eine Holzbühne Marke Eigenbau, Sonnenschein und Bierlaune. Glitterhouse, als Label Angelpunkt und als Mailorder Drehscheibe für den fortgeschrittenen Americana-Fetischisten, hatte zum jährlichen „Orange Blossom Special“ ins idyllische Weserbergland geladen. Ein fürwahr familiäres Festival, die Gastgeber gemütlich und jovial, die Gäste geduldig und stante pede im Siebten Himmel, wenn nur die […]

  • Auch wenn sein Herz der Tradition gehört, mag Ben Harper auf Experimente nicht verzichten

    Man muß nicht alles goutieren, was Harper auf nunmehr vier Alben von sich gegeben hat; man könnte ihm gar vorwerfen, dass er bei seinem andauernden Versuch, Led Zep mit der Carter Family zu verheiraten (oder Robert Johnson mit Metallica, einen Bob Marley-Groove mit Old Timey-Bläsern), zuweilen den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Aber eins […]

  • Ohrwürmer sind es nur an der Oberfläche. Für The Auteurs ist Pop eine abgründige Fassade

    „Sugar Baby Love“ a catchy little tune, wie der Angelsachse sagt. Lässig abgeschüttelt. Der Song zum Refrain des ersten GB-Radiohits in der siebenjährigen Geschichte der Auteurs heißt „The Rubettes“ und ist eine Quasi-Coverversion jener Pop-Schmonzette, mit der die gleichnamige teen-sensation 1974 weltweit einen Hit landete. Subversiv sei das, meint Luke Haines, Gründer, Sänger und Macher […]