• Von Mexas nach Texiko – Die Armutsgrenze

    3. Dezember 1995

    In der blauen Stunde, wenn die Sonne hinter den Chisos-Bergen versinkt und der Wind zum ersten Mal seit Sonnenaufgang nicht mehr die Wirkung eines 1000-Watt-Haarfbns hat, kommen die Wüstenbewohner von beiden Seiten des Flusses zum Bier nach Lajitas. Zur „Trading Post“ auf die Veranda. Die Gringos in uralten Lastwagen oder auf schweren Harleys, die Mexikaner […]

  • Der Wiener Video-Regisseur Rudi Dolezal über Freddie Mercurys Marotten und Manien sowie DoRo’s langjährige Zusammenarbeit mit Queen

    Ende der 70er Jahre kreuzten sich erstmals unsere Wege, als unsere Produktionsfirma „DoRo“ primär Dokumentationen drehte und in diesem Rahmen auch ein Queen-Projekt plante. „Queen In Munich“ hieß das Resultat, später folgte dann das dreiteilige „Magic Years“, das die Jahre bis 1986 abdeckte. Das Video zu „One Vision“ von 1984 aber war die eigentliche Talentprobe, […]

  • Wenn Engel Singen

    John Lennon singt aus den Tiefen des Grabes, Freddie Mercury ziert nicht nur das Cover des jüngsten Queen-Albums, sondern besingt auch zehn Songs, als habe er erst gestern im Studio gestanden. Was technisch machbar ist, muß noch lange nicht künstlerisch wertvoll sein. Und vor allem: nicht von dem Verstorbenen als veröffentlichungswürdig abgesegnet worden sein. Der […]

  • Die Wut der späten Jahre – Denn sie wissen nicht, was sie tun

    Die neuen Kämpfer gegen die "Triple Oppression" aus Faschismus, Rassismus und Sexismus malen Knarren auf ihre Flugblätter, tröten auf Trillerpfeifen, verschmieren Türschlösser mit NASA-Kleber und schmeißen mit Scheiße. Höherer Treppenhausklatsch bestimmt den Frontverlauf zwischen Gut und Böse. Seit sich die alten Feindbilder verflüchtigt haben, ergeht sich die deutsche Linke in Selbstzerfleischung.

  • Das Madonna Hip Hop Massaker aus Berlin wird im Pop-Abfall fündig

    Sofort verdächtig: In der Merchandising-Liste der Band steht jedem Artikel ein verwegenes „Super“ vor. „Superstidker“, „Super-T-Shirt“ und vor allem, gänzlich mysteriös: „Superpopfood“. Das Berliner Trio Madonna Hip Hop Massaker macht sich zwar über so manches lustig, dabei aber niemals lächerlich. Da sei das stets implizite Augenzwinkern vor. Ihr Debüt-Album „Teenie-Jhp“ samt dazugehöriger Werbe-, Image- und […]

  • Helge Schneider

    Wie man die neue Platte von Helge Schneider zu finden hat, bleibt jedem selbst überlassen. Entscheidungshilfen.

  • Britains bester Buchladen

    Londons Camden Town war stets Hort der Gegenkultur - und der COMPENDIUM Bookstore Mekka des literarischen Undergrounds

  • Robert Palmer

    Um Zehn ging er ins Bett. Morgens. Am Abend zuvor hatte er, begleitet von Niedeckens „Leopardefell“-Band, ein Konzert in Köln gegeben. Der Anlaß: die Präsentation seiner neuen Compilation Eine lange und feuchte Partynacht sowie zwei verpaßte Flugzeuge später hält ein mitgenommer, aber gut gelaunter Palmer in einem Hamburger TV-Studio hof, redet allerdings erst, als eine […]

  • Die tägliche Dosis: Harald Schmidt

    Am 5. Dezember ist es soweit: Alltäglich von dienstags bis samstags steigt Schmidt vor die SAT 1-Kamera. Nach US-Late-Night-Show-Vorbild gibt es live aus einem Kölner Kino die allabendliche Gute-Nacht-Dröhnung. Bevor’s losgeht, fünf schnelle Fragen an den Showmaster: Es wird behauptet, Erfolg habe etwas mit Sex-Appeal zu tun. Wie sexy fühlen Sie sich? Erst seitdem ich […]

  • Johnny Cash – Berlin, Tempelhof; Stoppok – Hamburg, Große Freiheit; Pulp – London, Shepherds Bush Empire

    Ein gar schrecklicher Husten hatte Johnny Cash, den Älteren, geplagt, als er das letzte Mal Station machte in dieser Stadt. Unpäßlich war der man in black, untröstlich, trostlos am Abend. Denn John R. Cashjr. trat mannhaft in des Vaters Fußstapfen und gab dessen Hits zum besten. Eine Heimsuchung der unvergeßlichen Art, so rührend wie komisch. […]

  • Die gälischen Hymnen von Runrig rühren vor allem die deutsche Seele

    Hätte ja auch gepaßt: Kriegsbemalte Highlandet zertrümmern laut brüllend britische Okkupanten-Schädel in slow motion, und wenn die bluttriefende Kamera langsam vom gerechten Gemetzel hoch in den grau verhangenen Himmel schwenkt, verliert sich das martialische Getöse in elegischen Synthesizer-Akkorden, dumpf patschenden Trommeln und einem gälischen Gesang, der wie Nebelhauch über allen Dingen schwebt. Ja doch, das […]

  • Potentes aus der Provinz: Junkhouse machen Musik der großen Gefühle

    Darum geht’s eigentlich: jeden Morgen den Arsch aus dem Bett hochzubekommen und in der Scheiße da draußen ein anständiger Mensch zu bleiben. Viel mehr bleibt einem nicht übrig, nirgendwo auf der Welt – und erst recht nicht in einem von Gott und der Welt vergessenen, rezessionsgebeutelten Kaff wie Hamilton/Ontario. Dieses Hamilton muß man sich so […]

  • Jon Spencer, Leiter von The Blues Explosion, und Cristina Martinez verhandeln bei Boss Hog ihre Streitigkeiten

    Iuf Platten-Covern wie auch im Rampenlicht sieht die Welt immer farbiger aus, doch die Realität ist blaß. So blaß wie das Gesicht von Jon Spencer. Auf der Bühne ist er eine manische Erscheinung, ständig unter Strom und – so erzählen es jedenfalls die Frauen – bis in die Koteletten sexuell geladen; als Gegenüber im Interview […]

  • „Human Highway“ von Neil Young

    Der holzgeschnitzte Indianer wacht in der Autowerkstatt nebst angeschlossenem Diner; in der Küche brutzelt und pöbelt Dennis Hopper, ein Papier-Käppi auf dem Kopf; und Neil Young ist der Laufbursche und Dorfdepp Lionel: Glotzt ergötzlich blöd durch seine Brille, bedient die Zapfsäule und träumt vom Dasein als Rock-Star. Amerika, irgendwann in der Zukunft, im Schatten des […]

  • Weggehen, Ankommen, immer wieder Weggehen: die langen Wege des Songschreibers und Familienvaters John Hiatt

    Sicherheit ist nur eine Fiktion. John Hiatt mußte das viel früher erfahren, als ihm lieb sein konnte. Es ist eines dieser Kindheits-Traumata, die man sogar als Familienvater noch nicht ganz ad acta gelegt hat. Doch der in Franklin/Tennessee lebende Songwriter aus Indianapolis ist mittlerweile längst stark genug, um Unsicherheit ertragen zu können. Und darüber schreiben […]

  • Wandeln in Papa Charlies Fußstapfen: die Töchter Petra und Rachel Haden mit That Dog und sein Sohn Josh mit Spain

    Niemand drängte ihn zu einem Instrument. Also saß Josh Haden immer nur in der Ecke, als seine Schwestern Petra, Rachel und Tanya klassische Hausmusik machten. Auch später, als Anna Waronker ins Haus kam, um mit Petra und Rachel die ersten Songs für ihre Band That Dog zu proben. Irgendwann verdingte sich Josh als Tour-Roadie bei […]

  • Meet The Beatles! Beatlemania im Sanatorium: Die Fab Four treten ihr eigenes Erbe an

    ACH JA: WEIHNACHTEN KOMMT. Süßer die Glocken nie klingeln und die Kassen-Computerscanner nicht piepsen, in den Regalen harten 1017 rechtzeitig fertiggestellte „Best Of“-Zusammenstellungen und ebenso viele wohlfeine Box-Sets; Freddy Mercurys Nachlaß darfauch nicht fehlen und wird zum vierten Mal unter den Christbaum gezerrt Oder schon zum fünften Mal? Egal. In diesem Jahr aber ist alles […]

  • Glaube, Liebe, Dröhnung

    5. November 1995

    Sie an Gott und liebt die Menschen. Ganz besonders die Frauen. Noch mehr aber liebt Marla Glen ihren Joint. Gitti Gülden traf eine Frau, die ihre Gegensätze ohne Hemmungen auslebt.

  • Neu im Kino

    3. November 1995

    „Clueless“ von Amy Häckerling ab 2. November KIDS -br> „Kids“ von Larry Clark ab 9. November -br> Beavis & Butt-Head sind feige, feist und fies. Der eine trägt ein T-Shirt von Metallica, der andere eines mit dem Aufdruck AC/DC. Gemeinsam sehen sie sich jede Woche auf MTV die miesesten Musikvideos an. Sie schnaufen sucks und […]

  • Marianne Faithfull: As Years Go By

    Jagger stellte ihr nach, Bob Dylan betete sie an. In ihren Memoiren vor kurzem auch in Deutschland veröffentlicht, läßt Marianne Faithfull nicht nur die "Roaring Sixties" Revue passieren, sondern auch einige Herren reichlich alt aussehen...