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Review: „Twin Peaks“, Staffel 3, Folgen 3 und 4: Mr. Jackpots brillantes Comeback


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Aber Lynch stellt Cooper zu keiner Zeit bloß. Es kann ja auch keiner wissen, wie es um Cooper steht. Ist er nur gefangen in der Black Lodge? Oder ist er schon tot?

Würde David Lynch die Rezensionen zur neuen „Twin Peaks“-Staffel lesen, er käme wohl aus dem Lachen nicht heraus. So viele Interpretationen. Und alle wollen die Erklärung wissen, deuten jedes Bild, jedes Requisit in jedem Schrankfach.

Doch das hatte schon bei „Inland Empire“ nicht funktioniert. Wer in den 18 Folgen von „Twin Peaks“ nach einem Narrativ sucht, hat verloren.

Verstörung, Zerstörung

Falls man die Musik sprechen lassen möchte, ist diese Staffel weniger Angelo Badalamenti als Trent Reznor. Kaum Symphonien, kaum Trauer, kaum Tränen, stattdessen Verstörung, Zerstörung und Figuren, die in ihren Träumen von Dämonen besucht werden, die sie fremdsteuern und morden lassen. Reznor steuerte schon zu Lynchs „Lost Highway“ die zermürbenden Tonspuren bei, und auch, wenn der Nine-Inch-Nails-Kopf hier nicht als Komponist fungiert, ist es kein Zufall, das die Figuren zu dessen mahlenden Klängen ihre Gesichter tief in den Händen vergraben; wie der vermeintliche Mörder Bill Hastings (Matthew Lillard), der wie ein Wiederkehrer von Fred aus „Lost Highway“ wirkt. Fremdgesteuert, ein Zombie. Die Farben: gritty und grau, mehr Nevada, weniger Washington, kaum satte Waldfarben, kaum Holz.

Staffel drei von „Twin Peaks“ ist bislang eine urkomische, herausragend gespielte, in seiner Verschachtelung entsetzlich neugierig machende und unerwartet blutige Serie. Das New-York-Monster aus Folge eins bot eine der wohl erschreckendsten Szenen aus dem mehr als 40 Jahre alten Lynch-Universum – viel viel effektiver als der CGI-Trash aktueller Monsterstreifen. Das Ding ist wie aus einem Aphex-Twin-Alptraum. Schwebt wie ein Engel, mordet wie ein Cartoon-Tier.

Verstaubte Helden

Die Meisterschaft Lynchs besteht darin, dass sich kein einziges Mal die Frage stellt, ob man die Gründe für BOB und MIKE und die Black Lodge nun überhaupt noch verstehen will. Obwohl der Zuschauer mehr als 25 Jahre nach „Twin Peaks“-Erstausstrahlung auf Antworten wartete. Das macht echte Erzählkunst aus. „How Do You Know It’s Missing If It’s Not Here“ fragt Officer Hawk während einer Sitzung. Ein ebenso paradoxer wie genialer Satz, der für die ganze Serie spricht.

Showtime
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