Arcade Fire Funeral


Universal


von

Funeral? Moritaten? Klingt eigentlich eher nach Wiederausgraben, was The Arcade Fire hier machen. Talking Heads, David Bowie, Joy Division, The Cure, Roxy Music und ganz viel Echo & The Bunnymen – nein, wir haben es hier nicht mit Interpol zu tun. Wo diese in ihren länglichen Songs stoisch im Retro-Düstersound stochern, fransen Arcade-Fire-Stücke aus, umspielen Keyboards die Gitarrenwände, brechen sie auf, lassen Streicher, französischen Chanson, Motown-Versatzstücke, Folksongs und Avantpop hinein. Wenn die Stimmen des Ehepaars Win Butler / Regine Chassagne disharmonieren, klingt das, als sängen David Byrne und Björk im Duett – und das liest sich auf dem Papier weniger schön, als es sich unter Kopfhörern anhört.

The Arcade Fire erzählen auf „Funeral“ von einem jugendlichen Ausreißer, der mit 15 seine Familie in Texas verläßt und sechs Jahre später weit entfernt an einem neuen Zuhause ankommt. Es ist auch die Geschichte von Songs, die ausbüchsen und den Erwartungen und Hörgewohnheiten immer wieder entkommen. Denn Arcade Fire nähern sich dem Altbewährten von den Rändern. Von Montreal statt von New York. In anderen Sprachen, in anderen Spielarten das Herz dieser Songs umschmeichelnd. Und wie ihr Protagonist kommen die Songs am Ende irgendwo an – meilenweit entfernt von ihrem Ursprung, aber glücklich. Angst vor Stilbrüchen? Nie! „Fear Of Music“ Sicher!

„Ich weiß, dass es an der Spitze der Charts Bands gibt, die als Retter des Rock’n’Roll verehrt werden und so – aber das sind Amateure. Sie wissen nicht, wo die Musik herkommt“, äußerte Bob Dylan kürzlich in seinem US-Tourprogramm. Hätte er „Funeral“ gehört, könnte er seine Totenwache für den Rock’n’Roll noch ein bißchen verschieben.


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