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Céline Sciamma Bande de filles


„Ich will nicht so sein wie alle anderen: normal“, entgegnet die 16-jährige Marieme ihrer Lehrerin, die der Schülerin eine Ausbildung vorschlägt, weil ihre Versetzung akut gefährdet ist. Genauso wenig schwebt ihr ein Leben als minderjährige Mutter vor – ein Weg, den so viele Mädchen aus den Pariser Banlieues in ihrem Alter wählen, weil es an Alternativen mangelt.

Marieme will sich nicht für einen Weg entscheiden müssen, und das ist schon weit mehr Freiheit, als ein junges Mädchen in ihrer Situation erwarten darf. Zu Hause muss sie sich um ihre jüngeren Schwestern kümmern, weil die Mutter Überstunden als unterbezahlte Putzkraft schiebt und der große Bruder seine erzieherischen Maßnahmen auf Kontrolle und Einschüchterung beschränkt. Eine Vaterfigur gibt es in Céline Sciammas drittem Film, „Bande de filles“, ohnehin nicht. Was Marieme an familiärer Bindung fehlt, findet sie bei ihren neuen Freundinnen: Lady, Adiatou und Fily, wie Marieme Migrantenkinder, nehmen sie in ihre Gruppe auf und bringen ihr die Feier der eigenen Jugendlichkeit bei.

Für das Experimentieren mit Rollenmodellen hat Sciamma schon in ihrem letzten Film, „Tomboy“, eine ungwöhnliche Geschichte gefunden. Darin schlüpfte die zehnjährige Laure nach einem weiteren Umzug der Eltern einfach in die Rolle eines Jungen. Für Marieme steht al- lerdings schon mehr auf dem Spiel, wenn sie mit Lady, Adiatou und Fily durch die Straßen zieht, sich gegen die anderen Mädchen zu behaupten beginnt, mit dem besten Freund ihres Bruders etwas anfängt und schließlich einen Job als Drogenkurierin annimmt.

Diese soziale Konstellation erzählt Sciamma jedoch nicht zwangsläufig als Sozialdrama. Sie inszeniert Mariemes Entwicklungsprozess ebenso stilsicher und leicht artifiziell. „Bande de filles“ umgeht souverän die Klischees des sozialkritischen Kinos. Stattdessen lässt sich Sciamma auf das Freiheitsgefühl der Mädchen ein, das sie immer wieder in schönen, beiläufigen Bewegungen einfängt.


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