Banks The Altar



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Wo ist denn die verhuschte, geheimnisvolle Säuslerin hin, die im Sommer 2014 mit ihrem Debüt, „Goddess“, als Göttin erschien, um die säkularisierte Popmusik wiederzuverzaubern? Zwei Jahre später ist Jillian Banks aus dem Himmel auf dem Boden der Popwelt gelandet. Diesen Umstand macht auch der abermals sakrale Titel ihres zweiten Werks, „The Altar“, nicht erhabener.

In der Mehrzahl der 13 Songs nudelt sich die Singer-Songwriterin zu scheppernden Beats und hohl klunkernden Synths durch den abgeschmackten Istzustand des elek­tronischen R&B; weniger nebulös als das Debüt und, man muss es sagen: „tanzbarer“. Schlimm, wenn über ihre Stimme hier und da Auto-­Tune drüberrutscht oder Konfektions­streicher nach Epos eifern.

„The Altar“ ist ein Soundtrack für einen Samstag in der Shoppingmall. Zwischendurch meint man sich vergriffen zu haben und nicht das neue Album von Jillian Banks zu hören, sondern aus Versehen das von Azea­lia Banks – oder doch von Britney Spears, die mit neuen Produzenten nicht so viel uncooler klingen kann? Aber nicht weil Sound oder Songs schlecht wären, sondern weil sie ­eine Eigenständigkeit vermissen lassen, die Banks anfangs an den Tag legte, dank ihres schummrigen Downtempo-Souls, konsequent ohne Lächeln und mit frostiger Sinnlichkeit vorgetragen. Nur auf der ersten Singleauskopplung, „Fuck With Myself“, funkelt diese alte Atmosphäre noch einmal auf: dunkel-erotisch, mit expressionistischem Gurren phrasiert und mit Exotiksounds geräuchert – toll!

Licht in kaugummirosa

Nach ihrem minimalistischen Erstling wurde Banks in einem Atemzug mit der R&B-Innovatorin FKA twigs genannt, bei ihrem Folgewerk hätte sie ihre Stärken vertiefen können. Tatsächlich aber hat Banks das Pop-Album aufgenommen, das ihre Kolleginnen Beyoncé und Rihanna wegen ihren Avantgarde-­Ambitionen nicht aufgenommen haben.

Warum dann aber mit so wenig Raffinesse? Jetzt scheint es, als hätte jemand in dem schwarz-weißen Kosmos von Banks das Licht angeknipst – und es ist kaugummirosa. (Uni­versal)


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