Barbara Streisand: The Concerts (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Barbara Streisand The Concerts



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Die Abwesenheit von Eitelkeit kann es nicht sein, die Barbra Streisand den Vergleich zweier Konzerte von 1994 und 2006 gestatten lässt. Nun ist das Werk von Kosmetikern, Chirurgen, Kostümbildnern und Stylisten auch ungewöhnlich gelungen, weshalb die Sängerin bei dem späteren Auftritt souverän mit ihrem Alter kokettieren kann- gegenüber den schmierigen Knödeltenören von Il Divo, die sie zeitweise begleiten und ein verkrampftes „My Way“ entbieten.

1994 singt die Streisand in Anaheim, Kalifornien; das Orchester wird geleitet von dem Filmmusik-Komponisten Marvin Hamlisch, dem sie „The Way We Were“ verdankt. Auf der rückwärtigen Leinwand erscheint noch einmal Robert Redford mit dem kunstvoll verwuschelten Haar in der Abschieds-Szene des Films, während Barbra sich an die Erinnerungen erinnert und versonnen „1973“ wispert. Im Publikum sitzt nicht nur Warren Beatty, sondern auch Streisands erwachsener Sohn, den sie stolz vorstellt.

Falls es für vollendete Künstlichkeit eine Steigerung gibt, so ist es das Konzert in „Süd-Florida“, wie es nur heißt, im Jahr 2006. Die Clintons geben sich die Ehre, Tony Bennett, Meg Ryan, Robert De Niro und andere Schausteller- vielleicht musste der genaue Ort deshalb geheim bleiben (auch in einer Ansage der Streisand, in die an der entsprechenden Stelle ein Zwischenruf platzt). Auch hier gibt es „Somewhere“ und „The Way We Were“, am Piano dilettiert die Sängerin absichtlich tapsig mit dem ersten von ihr verfassten Liedlein; schließlich zieht sie Publikumsfragen aus einer Schale, die sie auffällig schlagfertig pariert.

Am Ende findet sich auf einer Karte, Potzblitz!, der Wunsch nach dem Song „Stoney Road“, und Barbra fragt mit gespieltem Erstaunen, was es bloß mit dem Stück auf sich habe, es sei wohl sehr beliebt (Kevin Kline tanzt dazu in dem Coming-out-Film „In & Out“) -dann singt sie ein paar Takte vom dem Disco-Feger, und es muss gut sein. Und niemals vergisst die stoischste Liberale von Hollywood, die politische Lage zu kommentieren (1994 verteidigt sie Bill Clinton) und „Happy Days Are Here Again“ zu singen, die Parteitags-Hymne der Demokraten.

Niemand soll über die Eintrittspreise klagen: Barbra Streisand setzte alle Standards für Entertainment, sie erfand alle Gesten, die Carmen Nebel einstudiert hat, und sie erfand sich selbst, das „Funny Girl“, das zur Kaiserin des Showbiz wurde und die größte Sängerin der Welt. Sehen Sie, hören Sie, staunen Sie.


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