Calexico The Edge Of The Sun

City Slang

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Foto: City Slang

Man hat das Werk von Calexico oft als „cineastisch“ bezeichnet, besonders in Europa schätzt man die Tex-Mex-Mood-Music, bei der vorm inneren Auge imaginäre Grenzstädte im gleißenden Sonnenlicht schimmern, die einem Regisseure wie Robert Rodriguez irgendwann mit fahlgelbem Farbfilter ins Unterbewusstsein gebrannt haben. Ihre Heimat an der US-Grenze zu Mexiko war von Beginn an Leitthema von Joey Burns und John Convertino, Kaktus- und Sombrero-Klischees wussten sie dabei zu vermeiden, wenn auch manchmal nur knapp.

Mit ihrem neuen Album geht das Songwriter-Duo nun einen Schritt weiter. „Edge Of The Sun“ ist nicht nur an der Grenze zu, sondern mitten in Mexiko entstanden, genauer gesagt in Coyoacán, einem historischen Stadtteil von Mexiko-Stadt. Dementsprechend verdichtet klingen die lateinamerikanischen Einflüsse in Songs wie „Beneath The City Of Dreams“ und „Cumbia De Donde“: Mariachi-Gruppen springen ins Bild, Sängerinnen barmen auf Spanisch, die Rhythmusgruppe spielt stellenweise auf wie bei den Gipsy Kings. Das nach Coyoacán benannte Instrumental könnte wiederum gut den Abspann einer Folge von „Breaking Bad“ untermalen.

Ein bisschen viel Tijuana-Flair, stünden daneben nicht federleichte Songs wie „Tapping On The Line“, das den Indian Summer Nordamerikas beschwört, oder das sehnsüchtige „Miles From The Sea“, bei dem sich Convertino aus dem Staub in die Fluten des Ozeans träumt. So poppig klangen Calexico zuletzt auf „Garden Ruin“, dem Album, mit dem sie sich 2006 von allen Erwartungen zu lösen versuchten.

Dass „Edge Of The Sun“ trotzdem ein homogenes Werk geworden ist, erstaunt umso mehr, da auf fast jedem Song ein anderer Gastmusiker vertreten ist. Sam Beam alias Iron & Wine gibt in „Bullets & Rocks“ einen irren Blockhütten-Propheten, bleibt aber wie all die anderen Gäste – unter ihnen Neko Case, Eric Burdon, Ben Bridwell (Band Of Horses), Gaby Moreno und Carla Morrison – weitgehend im Hintergrund.

Wie es sich für ein Autoren-Team gehört, haben Burns und Convertino wieder den gleichen Film mit wechselnden Akteuren und anderer Rahmenhandlung gedreht. Das Ergebnis ist ausgewogenes Calexico-Kopfkino mit Melodien, an die man sich – anders als bei den vorigen zwei Alben – erinnern wird.

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