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Cold Specks Fool’s Paradise


Arts & Crafts / Rough Trade

Ladan Hussein surft weiter souverän freestylig durch allerlei Subgenres. Seit ihrem Debüt, „I Predict A Graceful Expulsion“ (2012), sammelt die kanadisch-­somalische Songschreiberin diverse internationale Awards auf dem heimischen Kaminsims. Ein Cameo-Auftritt zu Joni Mitchells 70. Geburtstag adelte sie zudem in Kreisen der etablierten Prominenz. Dem „Fader“-Magazin sagte Cold Specks zur getragenen Single „New Moon“, einem ihrer neuen Schlüsseltracks: „Dieser Song dokumentiert ein verlorenes Jahr, das äußerst komisch, gleichzeitig schön und manisch verlaufen ist. Ich wurde gewahr, wie ich enge Beziehungen zu fremden Menschen und Städten entwickelte.“ Eine ­Folge auch des ebenso aufregenden wie entwurzelten Lebens einer globalisierten Popmusikerin.

Eine Suche nach persönlicher Identität also, verbunden mit künstlerischer Standortbestimmung. Nicht nur in „New Moon“ skizziert Hussein ihre Zukunft bei Midtempo-Soul und unrunden Downbeats. Der Titelsong oder das vielstimmige „Exile“ kontern wiederum einen gewissen Weltschmerz mit einem Kopf-hoch-Lächeln. Der gelegent­liche Rückgriff auf die somalische Sprache, die sich beim ersten Hören gar nicht als solche erschließt, verstärkt den Schwebezustand. Eine Bittersweetness entsteht, die das Bristol-Kollektiv Massive Attack vor über 25 Jahren zu epochaler Perfektion brachte. Cold Specks schreibt diese nun in den zehn Songs fort.

Es ist sicherlich kein oberflächlicher Ethno-Gimmick, wenn der finale Song mit einer somalischen Textpassage endet. Eindeutiger als zuvor positioniert sich Cold Specks trotz aller modernen Sound-Tools als ruhelose Wanderin zwischen den Welten. „Ancient Habits“, sehr schön mit einer Wurlitzerorgel-Atmo eingegroovt, ist ein Elektrosoul-­Song reinsten Wassers, der immer von schwirrenden Impro-Passagen vom rechten (Pop)weg abgebracht wird. Hier klingt sie megamodern wie der Arenaformat-Kollege Weeknd mit seinen Liebesversager-­Erzählungen. Dagegen stellt Cold Specks die Hinundher­gerissenheit ihrer afrikanischen Herkunft. Von den elter­lichen Wurzeln in Mogadischu auf die weltweiten Showbühnen: ein weiter Horizont, der große Soulkunst hervorbringt.

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