Conor Oberst & The Mystic Valley Band: "Outer South" (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Conor Oberst & The Mystic Valley Band „Outer South“



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In den Anfangstagen war Bright Eyes eine große Band, mit der Conor Oberst auf Abenteuerfahrt ging. Nach der Platte „Lifted“ (2002), die das neurotische Männlein aus Nebraska berühmt gemacht hatte, verengte sich die als lustiger Spielmannszug angelegte Besetzung immer mehr auf den genialischen Songschreiber. „Cassadaga“ (2007), diese wundersame Amerikareise, war eine einsame Suche. Ausgerechnet für die Mexiko-Visite von „Conor Oberst“ nahm er dagegen ein paar Freunde mit. Und auf „Outer South“ – Süden, Teil II – werden die Freunde von der Mystic Valley Band auch auf dem Cover geführt, ja durften sogar Lieder schreiben.

Möglicherweise lässt Conor Oberst so seine Karriere zuschanden gehen, aber vielleicht ist ihm das auch gleichgültig. An etwa der Hälfte der neuen Stücke waren Kollegen beteiligt; Schlagzeuger Jason Boesel verfasste zwei Songs, Nik Freitas ebenso. Freitas hatte im letzten Jahr eine tolle Solo-Platte vorgelegt – seine fabelhaften Beiträge „Bloodline“ und „Big Black Nothing“ sind so sehr Oberst, dass sie von Oberst kaum zu unterscheiden sind, weshalb Freitas sie wohl auch singt. Und die Abwesenheit dieser leicht näselnden, stets ein wenig larmoyant und alarmistisch klingenden Knabenstimme macht bei „Outer South“ beinahe den ganzen Unterschied.

Allerdings: Obersts Vortrag (und der seiner Freunde sowieso!) ist hier nicht ganz so verzehrend von Pathos umzüngelt wie auf den hochdramatischen Alben seiner Sturm- und Drang-Zeit, als Alkoholismus, Liebeswahn und Selbstmordgrübelei die Texte befeuerten – Songs wie „Ten Women“, „Nikorette“, „White Shoes“ und „Roosevelt Room“ verraten eine entspanntere, ironische Erzählhaltung. Eine südliche, möchte man sagen. (Wichita/Cooperative)

Arne Willander


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