Freiwillige Filmkontrolle


Danny Brown Old


Warner


von

Danny Brown ist das schlampige Genie des HipHop. Ein manischer Kobold, der eine Linie vom tiefergelegten Irrsinn des Wu-Tang Clans zu den neuesten Eskapaden von Odd Future ziehen kann. Seine asymmetrische Wuschelfrisur und der bunte Klamottenmix erinnern an die Rap-Hippies der späten Achtziger. Mit den üblichen Gangsterklischees hat der Ex-Drogendealer aus Detroit wenig zu schaffen. Seine selbstproduzierten Videos huldigen einem freigeistigen Chaos, das von der Produktion mit immer neuen Winkelzügen gepflegt wird. Brown verehrt den barocken Westcoast-Pop der Band Love, deren einstiger Sänger Arthur Lee ihm deutlich näher steht als die meisten der heutigen Rap-Kollegen. Das Unikum jagt seine eigenen Geister.

Dabei greift Brown musikalisch tief in die Wundertüte. Scheppernde Beats treffen auf ausrollende Elektroflächen, treibende Bass-Attacken werden mit Sitarklängen gekontert. „Problems in my past haunt my future and the present“, bekennt er im Schlüsselsong „Clean Up“, das ausgerechnet die Geisterstimmen von Alan Parsons „The Raven“ durch den Sampler jagt. Natürlich gelten die Parameter des fetten US-HipHop, doch die (Drogen-)Vergangenheit wird nicht zur bollernden Heldennummer, sondern kunstvoll zerschossen. In „Wonderbread“ etwa verarbeitet er eine Jugendgang-Attacke in einer seltsam hüpfenden Reim-Beat-Konstruktion. Gleich 19 Songs, säuberlich sortiert in „A“- und „B“-Seite, hat der 32-Jährige auf sein drittes Album gepackt. Eine Art Opus Magnum, das über die HipHop-Gemeinde hinauszielt. Davon künden besonders die ambitionierten Elektro-Produktionen der zweiten „Seite“. Vom Dubstep-Rap bis zum Minimal-Track „Dip“. Zur Haschhymne „Kush Coma“ wabern die Synthies, während Brown gemeinsam mit Asap Rocky durch allerlei Filter reimt.

Die eindrucksvolle Soundrevue mündet zum Ausklang in einer souligen Quintessenz, wenn Brown im versöhnlichen Rap-Gesang-Duett „Float On“ von Charli XCX begleitet wird. Der irre Typ wird zum Mann mit Zukunft.


TV-Tipp: „The Night Manager“ – besser als Bond?!

Kriegsschiffe, die zu Champagnerperlen werden, ein Kronleuchter, der zu einer Bombenexplosion mutiert: Schon der Vorspann von „The Night Manager“ deutet an, dass es in der achtteiligen BBC/AMC-Miniserie nach dem gleichnamigen Roman von John Le Carré um all die Symbole geht, die gemeinhin mit James Bond verbunden werden. Dabei ging es dem kürzlich verstorbenen König des Spionage-Romans doch immer darum, den Alltag seiner Hauptfiguren nicht allzu glamourös zu gestalten. Die spannungsstarke, fantastisch besetzte TV-Umsetzung von Susanne Bier hält sich allerdings kaum bei derlei bräsigen Definitionsfragen auf. Denn die Story um einen britischen Nachtmanager namens Jonathan Pine (Tom Hiddleston), der in einem…
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