Douglas Coupland Marshall McLuhan 



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Wie ausgerechnet aus diesem katholischen Konvertiten und Erzreaktionär einer der einflussreichsten Medien-Schamanen werden konnte, dessen Thesen und Weissagungen zur virtuellen Existenzweise erst jetzt so richtig begriffen werden, nachdem sie teilweise eingetroffen sind, glaubt Coupland erklären zu können: McLuhan war ein Meister der „Mustererkennung“, er hasste die Massenkultur genug, um sie genau verstehen zu wollen, und überdies versorgten zwei Arterien sein Zerebrum mit Frischblut. Normalerweise haben Menschen nur eine.

Coupland ist als Literat viel zu selbstbewusst und souverän, um einfach eine weitere wissenschaftliche Biografie zu schreiben. Er nähert sich diesem Analytiker, der zugleich ein fulminanter Performer war, auf kongeniale Weise – konsequent subjektivistisch, narrativ, abschweifungsreich, mit aphoristischem Witz und nicht zuletzt mit großem Gespür fürs Kuriosum. Keine Ahnung, ob das Buch die McLuhan-Philologie befruchtet, als Versuch, etwas Farbe in die Theorie zu bringen, ist es grandios gelungen.

(tropen, 18,95 Euro)


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