DVD :: von Birgit Fuß & Arne Willander

Frank Sinatra – A Life In Performance (Warner Vision)

Die Sinatra-Festspiele zu Weihnachten: In einer 10- und einer 5-DVD-Box sind alle auf Filmmaterial verfügbaren Auftritte konserviert – die meisten Dokumente haben eine Laufzeit von strikt 50 Minuten. Das liegt fast exakt bei der Erscheinungsdauer des Sängers: So ermahnt er 1974 im Madison Square Garden das Publikum, nicht mit Zwischenrufen die Show zu stören, man habe ja nur eine Stunde. Sinatra selbst trinkt betulich einen Becher Tee („mit Honig“) und preist sich ostentativ als Mittelgewichts-Champion. Ein schon angeschlagener allerdings, der nach routiniertem Programm und beklatschten Ankedoten schnell bei „My Way“ ankommt. Im Auditorium: Rex Harrison und Robert Redford. Die besseren Konzerte stammen aus den frühen 60er Jahren, insbesondere die mit Ella Fitzgerald, Antonio Carlos Jobim und dem Orchesterleiter Nelson Riddle, dem Sinatra auch in den späten, bloß noch pflichtschuldigen Jahren stets für die Arrangements dankt. Am Ende, 1985 in Tokio, singt er die Songs mit eigenwilliger Phrasierung nur noch an, verschleift „My Way“ als Jazz, macht aus „Something“ ein Rezitativ, gibt das ungeliebte „Strangers In The Night“ (das sonst kaum vorkommt). „The Lady Is Tramp“, „I Get A Kick Out Of You“, „Come Rain Or Come Shine“ fehlen dafür kaum je. 4,0

The Jam – The Complete Jam 1977-1982 (Universal)

Das Musikfernsehen war gerade erfunden worden, als The Jam in ihren frühen Tagen in abenteuerlichen Pop-Shows auftraten und wie Duracell-Männchen simple Gassenhauer heraushauten. Die paar Konzertmitschnitte sind nicht weniger rührend: Papa Weller sorgt für Ordnung und zählt das Geld, der Sohn ist meistens verstockt und schlägt, dünn und in Jeans, wütend auf seine Gitarre. Auf die dummen Fragen einer Blondine in einer schwedischen Pop-Sendung antwortet Paul fassungslos erst gar nicht, um dann „ernsthafte Fragen“ anzumahnen. Auch hinter der Bühne gibt es kaum einen Witz. Als Weller in der Garderobe zum Ende der Band befragt wird, antwortet er blass, defensiv und übel gelaunt, er habe keine Ahnung. Daraus wurde dann The Style Council. Fan-Gestammel in der Fish & Chips-Bude und ein erstaunlich karger, noch dazu wiederum mit demselben bescheidenen Material bestückter Karriere-Abriss erklären nicht schlüssig, weshalb dieser Fundus eine Doppel-DVD notwendig machte. Für Briten. 2,0

Pavement – Slow Century (Domino)

Die lustigen Videos, die Stephen Malkmus und Kollegen in den Jahren 1989 bis 2000 fabriziert I haben, lohnen schon die erste DVD, zumal die einstündige Dokumentation dieser komischen, genialen Band tatsächlich gerechtwird. Dazu kommen Outtakes und Kommentare der Musiker, die sich an vieles gar nicht mehr erinnern, an manches aber nur zu gut – plus eine zweite DVD mit zwei Konzerten von 1999 CDate with Ikea“! „Range Life“!). Am Ende bleibt man wehmütig zurück – zehn weitere Jahre wären doch schön gewesen, 4,0

The Doors – Soundstage Performances (Eagle Vision)

Die Kuh wird weiter gemolken. Jetzt kommen auch die „Soundstage Performances“ auf DVD drei Konzerte, die The Doors zwischen 1967 und 1969 (nicht 1979, wie auf der Hülle steht…) gaben leider mit den unvermeidlichen Kommentaren der Bandmitglieder. John Densrnore seufzt immerhin gleich selbst und scheint diesen „blast from the past“ doch gar nicht so toll zu finden. Die Gigs sind freilich schon beeindruckend: die verschiedenen Phasen Jim Morrisons, die Versionen von „The End“, die Ekstase. 3,0

Fatboy Slim – Big Beach Boutique II (Eagle Vision)

Norman Cook weiß ja selber nicht, wie er das macht, aber die Bilder von den tanzenden Massen am Strand von Brighton sind faszinierend- zumal der DJ gar nicht so Spektakuläres auflegt: „Born Slippy“, „Pure Shores“ und so. Wie schwer allerdings schon die richtige Reihenfolge ist, kann man hier testen. Dazu zwei Spiele, Interview – volles Programm. 3,0

Celine Dion, Cher, Dixie Chicks, Shakira – Divas Las Vegas (Epic/Sony)

VH-1 bringt die „Diven“ für einen guten Zweck zusammen- zugunsten der „Save The Music Foundation“. Hier ist aber nicht viel zu retten: Celine Dion kreischt mit Anastacia um die Wette, Cher spult ihre übliche Show ab. Da (reut man sich über Stevie Nicks, und sogar Shakira scheint plötzlich so natürlich. Am Ende singen alle ein Elvis-Medley – das Grauen. 1,5

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