Funny van Dannen An der Grenze zur Realität


Anfang der Achtziger, als die Kreuzberger Oranienstraße noch eine Spielwiese für die echt harten Jungs war, als die Punks ins SO36 drängten und die wilden Maler von endart unbestritten die Chefs im Kiez waren, trieb sich auch Funny van Dannen im Dunstkreis der verruchten Galerie herum. Er malte, machte Musik und schrieb merkwürdig verschwurbelte Kurzgeschichten. Von all den harten Jungs war er der sensibelste, eleganteste, er machte keine markigen Sprüche, aber wenn er zur Lesung einlud, war die Galerie stets proppevoll und alle lauschten gebannt seinen Geschichten, die der Verleger Erich Maas irgendwann einmal zwischen zwei Buchdeckel packte und die den Dichter van Dannen bundesweit bekannt machten. Zwischenzeitlich wurde er sogar ein richtiger Popstar, der die Hallen füllte und Mädchen zum Weinen brachte. Hinter seiner vordergründigen Romantik taten sich Abgründe auf.

Nun ist van Dannen zu seinen literarischen Wurzeln zurückgekehrt und beglückt uns Leser mit einer neuen Geschichtensammlung. Und als wäre die Zeit stehen geblieben, präsentiert er sich auch heute mit dem gewohnt lakonischen, schrägen Blick auf die Welt. Manchmal wird er sogar richtiggehend philosophisch, etwa beim Jesus-Malen in der Untersekunda, wo ein Schüler klug bemerkt, dass er nicht glaube, dass wir in einem hässlichen Menschen den Sohn Gottes sehen würden. Und immer wieder, vor allem wenn er wie früher den Dingen eine Seele einhaucht, läuft er zu großer alter Form auf und weiß einfühlsam von Bratwürsten zu berichten, die sich über die Krise unterhalten und feststellen, dass die Bratwurst im Unterschied zum Menschen perfekt ist, weshalb der Mensch auch, um zu kompensieren, „machen muss“ und deshalb diese Krisen herauf beschwört. Mit so viel Altersweisheit hätte er gut und gern das Zeug zum Dalai Lama.


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