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Health&Beauty No Scare


Wichi­ta/PIAS


von

Health&Beauty, das Chicagoer Trio um Songschreiber und Sänger Brian J Sulpizio, verdient für sein sechstes Album endlich die Aufmerksamkeit, die ihm längst gebührt. „Back To The Place“ startet energetisch wie ein Stück von Delta Spirit, nur ungestümer, archaisch im ­E‑Gitarren-Gestrüpp wuchernd. „Wartime“ bollert melodiös los, wird von elegischen Pedal-Steel-­Harmonien gebremst und entfaltet in einem grandiosen, Prog-Rock-verdächtigen Finale mit Frauenchören seine volle Pracht. „Asunción & Dayanara“ schiebt ein Meer aus Glöckchen und Akustikgitarren über ein von Neil Young geborgtes Riff. „No Scare“ ist ein verlockender, köstlicher, vielleicht giftiger Cocktail, in den Sulpizio alles hineingeworfen hat, was er kennt: Musical, New Wave, Jazz, Stoner Rock, Psychedelia, Funk.


„Where The Wild Roses Grow“: Kylie Minogues Wiedergeburt als Wasserleiche

Es war ja immer ein bisschen unheimlich, welche hochmögenden Apologeten die puppenhafte Kylie Minogue in ihren Bann zog. Nach der Emanzipation von der Dreifaltigkeit Stock-Aitken-Waterman wurde sie zur Allegorie kecker Unschuld verklärt. Auf ihre leere Kunstfigur ließ sich alles projizieren: die Kindfrau als ikonographische Heilige, der Glamour und Liebreiz der Lolita als Fetisch. Mal huschte sie in transparentem weißem Kleidchen über den Strand, dann schmuste sie schwül mit plüschigen Schoßhündchen. Musik fabrizierte Kylie weiterhin, die Teenager aber hatte sie verloren. Da wächst nichts nach. Dass Nick Cave, ein australischer Landsmann, bei seiner Ballade „Where The Wild Roses Grow“ an Kylie…
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