Intim, nicht privat: Helene Fischers Monumentalalbum „Rausch“



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Sie hat wieder alles richtig gemacht. Hach „Farbenspiel“ gab es keine Steigerung – „Helene Fischer“ war eine Steigerung. Nach „Helene Fischer“ gab es keine Steigerung – „Rausch“ ist eine Steigerung. Helene Fischers achtes Album umfasst 18 Songs, 24 Stücke in der Deluxe-Edition. Aber natürlich wird die Sängerin nicht nach Quantität bemessen. Sondern nach Intensität.

„Rausch“ ist ein Hybrid, das Helene in einem Grußwort (am Ende, nicht am Anfang des Booklets) selbst beschreibt: „Ich war noch nie so klar und aufgeräumt wie jetzt. Das klingt im Zusammenhang mit ,Rausch‘ vielleicht paradox, doch ich hatte manchmal das Gefühl, um mich herum wütet ein Orkan, mein aufgewühlter Kopf gab keine Ruhe.“ Einerseits ist „Rausch“ ein erhebendes Pop- und Dancefloor-Album, eingerichtet von einem wechselnden Verbund von Songschreibern und Produzenten. Es ist State of the art, ohne die Hörer der frühen Alben zu verstören (sollte man glauben). Andererseits ist es eine intime Platte – einige Songs, darunter „Genau dieses Gefühl“, „Zuhaus“ und „Liebe ist ein Tanz“, hat sie mitgeschrieben: „Sich im Beat ganz verlieren/ Geh ich nach vorn, gehst du zurück.“

Es gibt diese typischen Helene-Fischer-Melodien und Helene-Fischer-Wendungen, die Fanfaren, die Chöre, einen Kinderchor, das ganz große Gefühl, das Helene-Fischer-Bravado. Die Emotion in diesen Liedern ist immer allgemein, also nachvollziehbar – doch Helenes Einzigartigkeit liegt in ihrer Darbietung: Ihre Stimme treibt sie manchmal an ihre Grenzen, nämlich ins Entgrenzte der Soul- und Rockmusik, an den Rand des unkontrolliert Rauen: „Wann wachen wir auf“. Wobei bei ihr natürlich nichts unkontrolliert ist. Und die Balladensängerin Helene Fischer verschlägt einem den Atem – hier sind es die innigen Songs „Glückwärts“, „Alles von mir“ und „Luftballon“.

Es versteht sich, dass die Songs zwar persönlich sind, aber nicht privat. Man kann von sich selbst singen, ohne von sich zu sprechen. „Rausch“ entkommt der Falle der behaupteten Authentizität. Es ist ein Album der unbeschwerten Unbedingtheit. Helene Fischer sagt es so: „Am intensivsten war allerdings die Zeit, die ich im Studio verbracht habe, um all das Ausgedachte mit meiner Stimme wiederzugeben.“


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