Highlight: Aktuelle Kinovorschau: Film-Highlights im August und September 2018

Kino: The Fighter  Regie: David O. Russell


Senator Filmverleih Start: 07. April 2011

Sportlerfilme haben im amerikanischen Kino eine lange Tradition. Sie zeugen vom Selbstverständnis einer Nation – jeder, der ein Kämpferherz besitzt, kann alles schaffen. Gut auch, dass es im Sport oft tragische Schicksale gibt, denn Amerika leidet gern mit seinen Underdogs und gescheiterten Helden.

Dazu zählt auch Micky Ward, ein Boxer irischer Herkunft aus dem Arbeiterstädtchen Lowell nahe Boston. Er galt lange als ewiges Talent, bis er 1996 bereits jenseits der 30 überraschend Weltmeister im Halbweltergewicht wurde. Der WBU-Titel gilt zwar als relativ unbedeutend, und Wards Höhenflug war nach sechs Jahren auch schon wieder vorbei. Doch die Boxfans liebten die Story des Malochers, dem Regisseur Russell nun mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle ein bewegendes, immer authentisch im Milieu geerdetes Denkmal setzt.

Der Film beginnt drei Jahre vor dem Triumph. Mickys Halbbruder Dicky (Christian Bale) schildert einem Fernsehteam, wie er 1978 den lange Zeit unbesiegten Sugar Ray Leonard in einem Kampf kurz auf die Bretter geschickt hatte. Diese Episode erzählt er großspurig beim Schattenboxen immer wieder. Sie hat ihn zu einer lokalen Legende gemacht. Mittlerweile ist er aber ein trauriger, unberechenbarer Clown auf Crack, und die TV-Reportage entpuppt sich als Recherche über die Drogenproblematik. Als Micky sich in die selbstbewusste Kellnerin Charlene (Amy Adams) verliebt und von Dicky in eine Schägerei mit Cops hineingezogen wird, sagt er sich auf Rat seines neuen Trainers von seiner kaputten Familie los.

Bevor Russell im Schnelldurchlauf die ersten Boxszenen zeigt, die sich im letzten Drittel zu elektrisierenden Ringschlachten steigern, nimmt er sich ausreichend Zeit mit der Einführung der Charaktere und ihrer Konflikte. Das Herz des Films pocht vor allem in Mickys innigen, aber schwierigen Verhältnis zu Dicky, dem Bale abgemagert und aufgekratzt eine grandiose Präsenz verleiht. Auch Melissa Leo als Mutter Alice, eine herrische White-Trash-Diva, die mit dem Managerjob für Micky überfordert ist, wird nie zur Randfigur. Und Adams, die sich bereits in romantischen Komödien wie „Verwünscht“ als Schnuckelchen etabliert hat, geht famos den Weg von Anne Hathaway in „Brokeback Mountain“.

Wahlberg dagegen glänzt in dieser hysterischen Sippe als fast schüchterner, melancholischer Ruhepol, der erst in den Kämpfen seinen ganz großen Auftritt bekommt. Zwar hat Russell einige Trainingsszenen etwas pathetisch mit Musik im „Rocky“-Stil unterlegt, jedoch auch viele dramatische Momente in einem fiebrigen Rhythmus inszeniert, wie man es sonst von Martin Scorsese kennt. Dass anders als in „Wie ein wilder Stier“ oder zuletzt „Million Dollar Baby“ alles versöhnlich endet, folgt den Regeln des amerikanischen Traums. Ursprünglich sollte Darren Aronofsky die Regie führen, der dann aber mit „The Wrestler“ einen Abgesang auf den klassischen Sportlerfilm drehte.


ÄHNLICHE KRITIKEN

TV-Tipp: Victoria :: Regie: Sebastian Schipper

Ein furioses Kino-Experiment dokumentiert eine abenteuerliche Reise von der Nacht in den Tag. Unser TV-Tipp: „Victoria" auf Arte.

Quentin Tarantino :: The Hateful Eight – Runter mit den Knarren, Männer!

Carol :: Regie: Todd Haynes

Der Frauenregisseur schlechthin überzeugt mit einer Patricia-High­smith-Adaption


ÄHNLICHE ARTIKEL

Starke Frauen sind im Film vier Mal so häufig nackt oder leicht bekleidet zu sehen

Wenn Schauspielerinnen Frauen in Führungspositionen oder mit viel Eigeninitiative darstellen, dann müssen sie sich dafür oft ausziehen oder knapp bekleidet erscheinen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie.

Exklusive Trailer-Premiere: „Pavarotti“

Er gilt als einer der größten Tenöre aller Zeiten, der auch über Oper und Klassik hinaus Musiker und Zuschauer inspirierte. Nun wurde die Geschichte Luciano Pavarottis in einer Dokumentation behandelt, die ab dem 26. Dezember 2019 im Kino zu sehen sein wird.

Dieser Mann erklärt uns das Horror-Kino (und unsere psychischen Abgründe)

Keiner vertieft sich so intensiv ins Genrekino wie der Berliner Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger. Horrorfilme sind für ihn ein Spiegel des Unbewussten.


Starke Frauen sind im Film vier Mal so häufig nackt oder leicht bekleidet zu sehen

Das Kino ist immer noch ein Männer-Business. Die überwiegende Anzahl der Blockbuster in den letzten Jahren wurde von Männern gedreht, auch stammen nach wie vor die meisten Drehbücher aus der Feder von Männern. Doch obwohl sich in den letzten Jahren - auch dank der #metoo-Debatte - eine Menge in der Branche getan hat, gibt es auch widersprüchliche Signale auf der Leinwand. Wie eine von der Oscar-Preisträgerin Gina Davis mit initiierte Studie nachweist, sind Schauspielerinnen mit vier Mal so hoher Wahrscheinlichkeit als ihre männlichen Kollegen ganz nackt oder in aufreizender Kleidung im Film zu sehen, wenn sie starke oder einflussreiche Figuren…
Weiterlesen
Zur Startseite