Freiwillige Filmkontrolle


M.I.A. A.I.M.



von

Man kann ja leicht ein zwiespältiges Verhältnis zu Maya Arulpragasam entwickeln. Denn so stur und kratzbürstig die 41-jährige Britin ihr politisches Engagement in die Musik stellt, so berechnend wirken viele ihrer Stunts. Wie zum Beispiel, als die studierte Grafikdesignerin 2005 für ihr Debüt mit der schicken Politikonografie ihres – nur angeblich – bei den Tamil Tigers kämpfenden Vaters flirtete; oder als sie 2010 ihrem dritten Album das genozidale Skandalvideo zu „Born Free“ vom skandalaffinen Costa-Gavras-Sohn Romain vorausschickte; oder nun, da sie Kendrick Lamar, Beyoncé und gleich noch die Black-Lives-Matter-Bewegung dafür geißelt, dass sie sich nicht für moslemische oder syrische Leben einsetzen – all dies jeweils punktgenau zur Landung eines neuen Albums. Auch dass sie zwischendurch mit einem der reichsten Männer der USA, dem Seagram-Erben Benjamin Bronfman jr., ein Kind bekam, kam nicht überall gut an.

Sie ist also eine kontroverse Künstlerin, die mit Tricks, Haken und Ösen arbeitet. Und dabei jongliert sie globalpolitische Themen ebenso souverän, wie sie globaldiscoide Sounds durch ihre Tracks ballern lässt. So auch auf diesem fünften Album, „A.I.M“, das die kämpferische Haltung schon im Titel führt, aber auch ganz prächtig wieder mit dieser sehr speziellen Musikmischung aufwartet, die sie einst gemeinsam mit dem US-DJ Diplo entwarf.

Politisch könnte man ihren kritischen Anspruch mit dem strahlkräftigen Akronym „GOD“ für „gold oil dollar“ zusammenfassen, das sie im abschließenden Track, „Survivor“, vorstellt. Sie wechselt dabei die Perspektiven auf die Krisenlagen, kümmert sich um Persönliches wie um politisch Allgemeines und nutzt ihre hell-nasale Stimme, je nachdem, höhnisch, zärtlich oder zornig. Nicht weniger beweglich präsentiert sie ein wunderbar und hochinspiriert breites Arsenal an nervtötenden Sirenensounds, bauchigen Trommeln, geloopten Heliumchören und bedrohlichen Subbässen. Die Melodien spielen mit östlichen und fernöstlichen Motiven, die Rhythmen sind entsprechend zickig, dancehallnah, bhangrazerbeult, schroff gekantet und zackig gefeilt. Es scheppert und ruckelt, pumpt und schabt, rasselt und knarrt.

Und es ist super – aber schon auch ziemlich bekannt, so wie übrigens die (auch auf dem Album angedeutete) Ankündigung, dies sei ihr letztes Werk. Was man nicht zuletzt auch des schrillen, coolen und zwiespältigen Begleitlärms wegen bedauern müsste. (­Universal)


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