Marc Fischer Hobalala 



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Es ist eine zarte, wie hingetupfte Reportage aus dem Geist der Bossa Nova und lässiger alter Männer, die Marihuana rauchen: Der im April verstorbene Marc Fischer erzählt von dem Sänger João Gilberto, der mit „Girl From Ipanema“ einen Welthit hatte und sich seit 30 Jahren vor der Welt verbirgt.

Fischer suchte ihn in Rio de Janeiro, sprach mit Wegbegleitern, Plattenladentypen und einem Restaurantbesitzer, der früher fast jeden Abend mit Gilberto telefonierte und ihm die Speisekarte vorlas, woraufhin der Eremit stets das Steak mit Salzkruste bestellte, das dann vor seine Tür gestellt wurde – immer nachts, denn Gilberto hat die Nacht zum Tag gemacht.

Fischer hat seine alte Gitarre nach Brasilien mitgebracht, er möchte hören, wie Gilberto darauf sein Lied „Hobalala“ spielt.  Als Dolmetscherin begleitet ihn eine üppige kleine Frau, die der Reporter „Watson“ nennt. Natürlich ist es eine banale Einsicht, dass Marc Fischer den 80-jährigen Künstler nicht treffen durfte – nur so konnte diese melancholische Meditation über die Unerfüllbarkeit der Sehnsucht entstehen.

(Rogner & Bernhard, 17,90  Euro)   


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