Max Goldt Räusper



von

Max Goldt hat sein neues Buch nach einem Erikativ benannt. Als Erikativ bezeichnet man scherzhaft kurze Inflektive, die klingen, als hätte die Übersetzerin Erika Fuchs sie in einem ihrer Micky-Maus-Hefte verwendet. Lange ist es her, dass Comicsprache abfällig zur Seite geschoben wurde. Doch ausgerechnet Max Goldt liefert mit seinem neuen Werk vielerlei Gründe, den Erikativ zu schmähen. Um die im Duo mit Stephan Katz entstandenen Comicstrips bühnentauglich zu machen, hat er Bilder in kurze Szenen übersetzt. Es geht um unliebsame Tischnachbarn, um Businessknechte und um Jugendliche mit Handfeuerwaffen.

Pur als Buchstabenlinien dastehend, ohne Bilder, ist dieser Band allerdings kein Stück komisch, hintersinnig, unterhaltsam. Als Hörbuch könnte „Räusper“ eventuell funktionieren, obschon sein Witz gestrig wirkt, wie eine harmlose Zote, die der Großonkel beim Familienfest zum Besten gibt. Was man dem neuen Buch von Max Goldt zugutehalten kann, sind allein das große Schriftbild, die weiten Zeilenabstände – und dass es deshalb in kürzester Zeit gelesen ist. Wenn man denn will.


ÄHNLICHE KRITIKEN

Pénélope Bagieu :: California Dreamin’

Terry O’Neill & Gered Mankowitz :: Breaking Stones. 1963–1965

Truman Capote :: Wo die Welt anfängt


ÄHNLICHE ARTIKEL

„Die Wolke“-Bestseller-Autorin Gudrun Pausewang gestorben

Ihre Bücher wie „Die letzten Kinder von Schewenborn“ oder „Die Wolke“ sind Jugendbuchklassiker. Nun ist Bestseller-Autorin Gudrun Pausewang, 91, gestorben. Vier Themen waren für sie prägend.

10 Bücher, die man in diesem Herbst lesen muss

Zur Frankfurter Buchmesse stellt ROLLING STONE 10 nachdenkliche, witzige, atemberaubende Bücher vor, die Ihnen einen spannenden Herbst bescheren.

Bruce Springsteen - die 30 Lieblingsbücher des Songwriters

Wer nach neuem Lesestoff sucht, aber ratlos ist, zu welchem Buch er als nächstes greifen soll, kann sich nun Rat von hoher Stelle abholen. Bruce Springsteen hat über seine 30 liebsten literarischen Erzeugnisse gesprochen. Die komplette Liste gibt es hier in der Galerie.


Indiana Jones: Warum „Das Königreich des Kristallschädels“ nicht der schlechteste Indy ist

Es scheint eine Indiana-Jones-Faustregel zu geben. Bekannt wurde sie erst, nachdem sie vermeintlich gebrochen wurde. Indy dürfe – das erwarteten die Fans, wie sie im Shitstorm offenbarten – seinen Blick nur auf verborgene Schätze im Boden richten, in der Erde wühlen. Nicht nach oben schauen, nicht auf Ufos warten. „Watch The Skies!“: Das gilt vielleicht für Verrückte, sicher nicht für echte Forscher wie Dr. Jones. Groß war die Wut, als das erste Indy-Abenteuer nach 19 Jahren Pause Außerirdische ins Spiel brachte. Übersinnliches gehöre zum Archäologen dazu, das schon. Außerweltliches nicht. Was wie ein Genrebruch anmutete, war in Wirklichkeit etwas anderes:…
Weiterlesen
Zur Startseite