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Omar Souleyman Wenu Wenu


Domino


von

In seiner syrischen Heimat ist Omar Souleyman längst ein Volksheld – auch wenn er aus nachvollziehbaren Gründen momentan in der Türkei lebt. Laut Wikipedia hat der 47-Jährige in 20 Jahren etwa 500 CDR-Alben aufgenommen, die meisten davon auf Hochzeitspartys und ähnlichen Fes­ivitäten. Fast immer wurde hinterher kopiert und raubkopiert und auf der Straße weiterverkauft. Selbst als Freund des Urheberrechts versteht man, warum: Selten klangen elektronische Trommeln so fordernd, so sehr nach Rausch und Hingabe.

Die rasanten Melodien, die Omar Souleyman und sein Partner Rizan Sa’id dazu auf elektrifizierten traditionellen Instrumenten spielen, verknoten sich zu wunderbar psychedelischen Arabesken, während die arabischen Vokale so hart und treffsicher klingen wie Damaszener Dolche. Shaabi nennt sich dieser unwiderstehliche Straßensound, den man vielleicht am einfachsten als arabische und vor allem leidenschaftlichere Variante von House und Techno beschreibt. Björk war davon schon vor zwei Jahren begeistert und ließ sich von Omar Souleyman drei Remixe bauen. Auch Damon Albarn und die Gorrilaz arbeiteten schon mit dem Syrer.

„Wenu Wenu“ ist trotzdem das erste Studioalbum von Omar Souleyman. Produziert hat es Kieran Hebden alias Four Tet, der sich schon länger für die Schnittstellen zwischen Folk und elektronischer Musik interessiert und unter anderem auch das famose „Daxaar“-Album des Steve Reid Ensembles betreut hat. Ebenfalls ein pulsierender Strom aus Rhythmen, allerdings mit deutlich höherem Jazz-Anteil. Doch auch „Wenu Wenu“ ist ein weiterer gelungener Beweis für die These, dass regionale Folk- und Straßenmusiken ein wunderbares Mittel sind gegen einen popkulturellen Mainstream, der alles platt walzt. Trance, Baby!


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