Pixies „Live In Brixton“


Demon (VÖ: 25.2.)


von

Einerseits war die Pixies-Reunion von 2004 schön, andererseits traurig. Schön, weil die Band lediglich den Back-Katalog aufführte – sie wusste, dass Neues ihr makelloses Erbe ankratzen könnte. Traurig war die Wiedervereinigung, weil das Quartett den Furor vermissen ließ, und das erklärt sich nicht allein durch das Alter (alle gingen auf die vierzig zu) oder einen Black Francis, der nicht mehr so schrill brüllen konnte, als wäre er der Gottvater aller leidgeplagten, sich nach Liebe sehnenden Incels. Es lag auch nicht nur daran, dass Bassistin Kim Deal sich bei den Brixton-Konzerten so oft verspielte wie in den gesamten 90er-Jahren.

🛒  „Live in Brixton“ bei Amazon.de kaufen

Die Pixies waren nie beste Freunde, und bis zu ihrer Trennung 1993 gaben sie das zu. Black Francis ist ein Diktator, die anderen drei seine Lakaien. Das Comeback-Jahr präsentierte die Band nun arg harmoniesüchtig. Es gibt Wir-vertrauen-uns-blind-Jams wie im stets uferlosen „Vamos“, eine jeder Brutalität beraubte Coverversion von David Lynchs „In Heaven“ und eine verschunkelte Interpretation von Neil Youngs „Winterlong“. Seine Live-Premiere feierte die „Doolittle“-Perle „La La Love You“. Erstmals durfte Schlagzeuger David Lovering als Sänger ran, so viel demonstrative Eintracht musste sein. Aber es ist peinlich, wenn Black Francis seine Bassistin „Kimmy“ nennt – und sie ihn „Black“.

Bis zu den 2004er-Konzerten, von denen die Pixies viele – darunter diese vier London-Gigs – noch im selben Jahr auf CD veröffentlichten, gab es nur einen Live-Mitschnitt: Utrecht 1990. Da waren die Pixies eine andere Band. So herrlich arrogant konnten nur Musiker spielen, die an eine Zukunft glauben, nicht solche wie die Pixies in Brixton, die nur zurückblicken und Texte singen, die sie heute nicht mehr schreiben würden.

Dieses Reissue auf acht LPs bzw. CDs ist eine mit Fotobuch verzierte Wurzerei, die Aufnahmen gibt es längst einzeln und billiger. Von Wert ist die Box vielleicht für Sammler und Statistiker: vier Konzerte mit insgesamt 112 Songs, davon immerhin 38 verschiedene.


ÄHNLICHE KRITIKEN

Eric Clapton :: „Nothing But The Blues“

Live-Mitschnitt zum gleichnamigen Konzertfilm

Nancy Sinatra & Lee Hazlewood :: „Nancy & Lee“

Eine neue Edition des Meisterwerks von 1968

Anthony Moore :: „Flying Doesn’t Help“

Ein Avantgardist als Pionier des Post-Punk


ÄHNLICHE ARTIKEL

Pure&Crafted Festival 2022: Vorfreude auf die Pixies

Nicht verpassen: Die Pixies sind als Headliner-Act beim Pure&Crafted 2022 zu sehen.

Pixies: Albumankündigung, Making-of und neue Single „There's a Moon On“

„Wir wollten etwas machen, was richtig groß und mutig klingt.“

Pure & Crafted: Ticket-Sparangebot – nur über Pfingsten

4 Tickets zum Preis für 3 – und dabei 40 Euro sparen. Worauf wartet ihr?