Highlight: Musikempfehlungen von Hunter S. Thompson: Die wichtigsten Alben der Sechziger

Sharleen Spiteri Melody


Universal

Es ist schön, dass Sharleen Spiteri eine Soloplatte gemacht hat. Mit Texas will man seit einigen Alben nichts mehr zu tun haben, doch der Abschied von Spiteri ist schwergefallen. Nun ist die selbstbewusste Schottin keine Frau für musikalische Überraschungen oder künstlerische Sonderwege- den gradlinigen Hit, den Standard und das Klischee versteht sie als handwerkliches Gebot. Und trotzdem: Wie Spiteri auf „Melody“ das Alphabet des klassischen Soul buchstabiert, das ist nicht ohne Charme.

Natürlich geht es um Soul. Spiteri hat ihre musikalische Vorliebe immer auch schon bei Texas durchgesetzt, wenn auch zuletzt die keimfreien Disko-Oberflächen den Gesamteindruck bestimmten. Nun trübt kein Kompromiss das Werk. Spiteri führt unverblümte Hommagen an die Righteous Brothers („I Wonder“, „Where Did It Go Wrong“), Dusty Springfield (das mit Bernhard Butler geschriebene „It Was You“) und Nancy Sinatra & Lee Hazlewood (nicht gut: „I’m Going To Haunt You“) auf. Andere Songs sind näher an Spiteris eigener Handschrift, man denkt dann an den Northern Soul von „White On Blonde“, dem besten Album von Texas. Manches gelingt nicht, weil Spiteri nur die Topoi bedient, anderes ist dafür durchaus gut, z.B. der Motown-Jubler „Don’t Keep Me Waiting“ und die Streicher-Grandezza „You Let Me Down.

Spiteri, die auf dieser Platte übrigens das Ende einer langjährigen Beziehung mit geradezu gefährlich offenherzigen Texten verarbeitet, kommt mit ihrer Sixties-Revue natürlich im richtigen Moment. Doch ist sie beileibe keine Trittbrettfahrerin, sondern breitet einfach aus, was ihre Musik in den letzten 15 Jahren schon immer charakterisierte. Das ist ihr gutes Recht. (Universal)


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