Sophie Hunger – „Monday’s Ghost“



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Kunden, die dieses Album gekauft haben, mögen auch: Cat Power, PJ Harvey, Joanna Newsom, Feist. Musiker, die dieses Album aufgenommen haben, hören vermutlich gern: Bob Dylan, Nina Simone, Jeff Buckley. Das mal so als grobe Koordinaten, damit man sich in Sophies Welt besser zurechtfindet.

Emilie Jeanne-Sophie Welti-Hunger, früher mal bei der Schweizer Indieband Fisher, ist die Tochter des Schweizer Botschafters im Iran und Mitte 20, doch all das klingt aus ihrer Folk-Blues-Musik nicht heraus. Zeitlose, ortlose Jazzmelancholie, durch die sich Hunger seufzt und schreit, singt und kauzt. Sie behält manche Laute, so lange es geht, ihr Gesang ist ein interessantes Mittelding aus zögerlich und zornig, kontrolliert und unmittelbar, schmiegsam und kratzig.

Hungers Texte sind dabei frei von haselmäusiger Mädchenhaftigkeit: „So she buys herself a skeleton to simply believe/ That there once was a shape underneath our infinite possibilities“, singt sie in „Drainpipes“ – mit genau genug Distanz, ohne einem aufdringlich gefühlig zu nahe zu kommen.

Nur selten ist die Musik dazu so radikal reduziert wie bei ihren ersten Schlafzimmeraufnahmen. Es sind warme, akustische Arrangements mit federndem Schlagzeug und flüsternder Posaune, die einen dann doch mit der kalten Hand im Genick packen, aufbrausen und heftig werden, wenn zum Beispiel in „Rise And Fall“ das Schweizer Volkslied „Vreneli ab em Guggisberg“ wie aus einem Fiberkopf gehetzt in das Stück poltert.

Leider fehlen auf „Monday’s Ghost“ Hungers Mundartlieder, sie singt in akzentfreiem Englisch, bis auf eine Ausnahme: Der hochdeutsche Text von „Walzer für Niemand“ lässt Hungers Lautmalerei in sonderbaren Dreivierteltakt plumpsen. Man ist bereit, ihr auch barfüßige Auftritte zu verzeihen. Universal)

Anja Rützel


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