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Suede Suede


Suede waren die erfolgreichste Glam-Band seit T. Rex. Wie Marc Bolan erzählte Brett Anderson nicht nur von Königen und Schwänen, sondern auch von der Working-Class, den schönen Muskeln ungebändigter Tiere und von Treibstoff, Treibstoff, Treibstoff: Benzin und Drogen. Er war ein Meister der Akzentuierung. Wenige sangen derart sehnsuchtsvoll über Eskapismus, der in langweilige Städte führt, keiner so sexy über durchschnittliche Autos: „Does he ­only ­come … in a ­Volvo?“

Heute kaum der Rede wert, aber als Anderson 1992 in der Debüt­single, „The Drowners“, zur Zeile „We kiss in his room to a popular ­tune“ ansetzte, wurde seine Sexualität zum Thema. Sie verglichen ihn mit dem frühen Bowie. Dann popularisierte er mit „Let’s ­chase the dragon“ in „So Young“ die, muss man so sagen, verlockendste Umschreibung eines Heroin-Highs.

Die „25th Anniversary Edition“ versammelt auf vier CDs und einer DVD Extras, die sie essenzieller macht als die Deluxe-Edition auf zwei CDs, die erst 2011 erschien. Die B‑Seiten („High Rising“!) enthielten mehr Drama als das Gros ihrer jetzigen Alben, aber gerade der Audio­mitschnitt des Leadmill-­Konzerts (vormals nur als Video erschienen) offenbart Suedes Klasse – und Konsequenz. Bernard Butler, Andersons kongenialer Partner, ließ keinen zweiten Gitarristen neben sich zu. Es erschien überheblich, die Opulenz, die Klassik von „Sleeping Pills“ auf Gitarre, Bass und Schlagzeug zu reduzieren. Aber es funktionierte. Sogar als Suede in immer größeren Hallen spielten, blieb es für lange Zeit bei jenem Line‑up aus drei Instrumenten, mit dem fast alle Rockbands anfangen. Den Stolz haben sie aus dem Proberaum hinübergerettet. Die Aussparungen gaben den Liedern live ein neues Gefühl.

„Far away we’ll go and flog ice creams ’til the company’s on its knees“: der Traum, dass allein Abhauen und Müßigkeit den Umsturz einleiten. In Wirklichkeit war Anderson recht ungeduldig – man zähle mal, wie oft er sich auf der Bühne mit dem Mikro(‑Kabel) auf den Hintern schlug. Sicher machte ihn das auch an. (­Edsel)


Kritik: U2 live in Berlin – dank „Achtung Baby“ die Kurve gekriegt

„Narrativ“ ist das aktuelle Lieblingswort vieler lieber Journalistenkollegen, es hat die „Auserzählung“ von 2017 abgelöst. Kaum eine Seite, auf der das „Narrativ“ nicht vorkommt, also dürfen auch wir es ausnahmsweise verwenden: Für das Abschlusskonzert ihrer „Experience + Innocence“-Tour haben U2 das Narrativ ihrer Kindheit in Irland gegen das Narrativ ihrer zweiten, lebensrettenden Chance als Band, den Studio-Aufenthalt in Berlin 1990, ausgetauscht. Heißt ganz einfach: Die „Innocence“-Songs flogen aus dem Set, die „Achtung Baby“-Stücke kamen rein. Oder, noch einfacher: Aus einer sehr mittelmäßigen, vielleicht ihrer am wenigsten begeisternden Tournee seit 1980 ist am Ende noch eine gute geworden. „Zoo Station“, „The…
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