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SuperHeavy  SuperHeavy 


Universal


von

Im Interview, das wir kürzlich mit ihm zu Bob Dylans Geburtstag führten, erklärte Dave Stewart in aller Bescheidenheit, wie seine gelegentlichen Songschreibe-Nachmittage mit Mick Jagger ablaufen. Man sitze zwanglos beieinander, mit akustischen Gitarren, „wie Kinder im Sandkasten“. Es werde gespielt, gewitzelt, gejammt. Man singe auch, aber nur halbe Worte. Eigentlich mehr, ja:  Klänge. Ab und zu entstehe dabei etwas. Ein Song, meinte er wohl.

Natürlich kann (bei derzeitiger Rechtslage) keiner Dave Stewart und Mick Jagger verbieten, solche Sandkasten-Sessions abzuhalten. Aber – und die Frage stellt sich jetzt fast von allein – warum müssen sie die Songs, die dabei übrig bleiben, auch noch veröffentlichen?

Klar, jeder kann sich vorstellen, wie viel irrwitzigen Spaß es machen muss, wenn man Jagger und/oder Stewart ist und sich mit der kleinen Joss Stone, dem Marley-Sohn Damian und einem coolen Exoten wie dem Soundtrack-Komponisten Allah Rakha Rahman mal in ein Studio in L.A. einmietet, ab und zu indisches Essen kommen lässt und ohne Ergebnisdruck irgendwas aufnimmt (angeblich 29 Songs in zehn Tagen). Natürlich kommt man sich dann nach einiger Zeit wie eine verschworene Megamacht vor, mindestens wie der Wu-Tang Clan, ein s ound massive, das so bläst, dass sich die anderen mal schön ihre Bommelmützen aufziehen sollten.

An der Stelle müsste dann eben jemand von außen kommen, eine Autorität, und nett erklären, dass das produzierte Material sicher ein nettes Souvenir für alle Beteiligten sei, aber nichts für den Rest der Welt. Dass es dazu etwas zu hyperaktiv und überfrachtet sei. Dass die Bemühungen, eine möglichst multikulturelle Platte zu machen, eher in eine Anhäufung seichter Urlaubsmusik-Schnipsel gemündet seien und die auch noch von den breiten Schweißgitarren Dave Stewarts totgequetscht würden. Dass an Slogans wie “ Hey! I need your crazy energy!“ noch gearbeitet werden müsste und dass die zwei Dänen, die in den 80er-Jahren den „Sunshine Reggae“ aufgenommen haben, möglicherweise eine Klage gegen „Beautiful People“ einreichen würden.

„SuperHeavy“ hat selbstverständlich auch schöne Momente, die eingängige, dramaturgisch gute Reggae-Single „Miracle Worker“ zum Beispiel, auf der Jagger herrlich den quäkenden Hexendoktor spielt. Oder „One Day One Night“ und „Never Gonna Change“, die gemessen am Bandmotto zwar konventionelle Rockballaden sind, aber eben auch besonders ungezwungen. Das ist eh das Komischste an diesem Album: dass die schlimmeren Songs wie „Satyameva Jayathe“ (mit Gitarren-Synthesizer-Flötensolo!) und „I Can’t Take It No More“ keineswegs so klingen, als hätte hier eine lockere Truppe gut gesättigter Egos mal ein paar Studiotage lang alle Fünfe gerade sein lassen.

Eher so, als müssten die SuperHeavy-Mitglieder der Welt noch wahnsinnig viel Kreativität, Power und Weltoffenheit beweisen. Müssen sie jetzt auch wieder.

Hier gibt es einen Albenplayer mit ausführlichem Audiointerview. Zudem verlosen wir jeweils drei Shirts mit dem Artwork des Albums in den Männergrößen M, L und XL. Bitte eine Mail mit Postadresse und Wunschgröße an verlosung@www.rollingstone. Viel Glück!

 


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