The Decemberists I’ll Be Your Girl


Rough Trade

Wie schafft man es, nach vielen Jahren sich selbst und die Menschen, die einem wichtig sind, noch zu überraschen? Diese Frage stellen sich nicht nur ernüchterte Pärchen – sie schleicht sich früher oder später auch in jede kreative Beziehung. Leider entfacht sie nur in seltenen Fällen die Kraft zur Veränderung. Zumeist sorgt sie für Frustration und Verzweiflung, Stagnation und eitle Selbsttäuschung. Vor allem Letzteres hat die Popgeschichte reichlich zu bieten. Colin Meloy scheinen solche Wesenszüge fremd zu sein. Er ist der mit Abstand zuverlässigste und konstanteste Songschreiber aus Portland/Oregon, sozusagen der treue Hausmann des US‑­Indiefolk, der das Essen für die Kinder zubereitet und zwischendurch in seiner Garage an neuen Songs werkelt.

Nach 17 Jahren wollte Meloy sich und seiner Band-Familie mal eine Überraschung spendieren und lud Produzent John Congleton ins Studio, der schon bei vielen Klienten (u. a. John Grant, St. Vincent) ein glückliches Händchen für innova­tive Sounds hatte. Gleich im ersten Stück bekommen wir einen Vorgeschmack auf das, was Meloy als „exuberant nihilism“ und „apocalyptic dance party“ angekündigt hat. „Once In My Life“ besteht im Grunde nur aus einer endlos wiederholten Strophe. Akustisches Fade-in. Eine Cure-Gitarre. Verhallte Drums. Synthesizer-Pathos. Die Beschwörung der Achtziger. Meloys Kindheits- und Jugenderinnerungen. Und er fleht: „Oh, for once in my life/ Could just something go right?“ Noch ­besser: „Severed“, eine Mischung aus Portishead und R.E.M. – die kontrollierte Emphase.

„I’ll Be Your Girl“ sei von Roxy Music und New Order inspiriert, hat Meloy erklärt. Aber die Decemberists waren schon immer zu geschmackssicher, um bloß nachzuäffen. Unter den elektronischen und glam-punkigen Fassaden dieser Stücke liegt das vertraute Folk-Fundament, zu hören etwa im berückenden „Starwatcher“ – Marcus Mumford könnte hier mal lernen, wie man Hymnen aufzieht, die nicht nach Schweiß und Stadionluft riechen. Das halsbrecherisch rollende „Your Ghost“ mit Doors-Georgel und die lustige Powerpop-­Vignette „Everything Is Awful“ fehlten noch im Decemberists-­Universum. Das große Opus der Platte ist „Rusalka, Rusalka – The Wild Rushes“, eine bombastische, verschachtelte, psychedelische Ballade, aufgeladen mit Mythologie über die todbringende Wassernixe, der Antonin Dvorak seine berühmteste Oper gewidmet hat. Und am Ende, in „I’ll Be Your Girl“, wenn die Brandung abflaut, summt die Sirene so verführerisch, dass nicht nur Männer Mühe haben werden, ihr zu widerstehen.

Kooperation

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