The Pigeon Detectives : Up, Guards And At ’Em (Kritik & Stream) - Rolling Stone






The Pigeon Detectives  Up, Guards And At ’Em


Dance To The Radio/Soulfood


von

Ganze 18 Monate hat sich das Quintett aus Leeds Zeit genommen für das dritte Studioalbum. 40 Songs hatten die Pigeon Detectives geschrieben, wovon sie 20 vorsorglich aussortiert haben, um später die besten zehn herauszupicken. Wie die restlichen Stücke klingen, die es nicht auf die Platte geschafft haben, will man angesichts von „Up, Guards And At ’Em“ lieber nicht wissen. Dass sie uns vorenthalten werden, lässt das Schlimmste befürchten. Aufgenommen in New York mit dem Produzenten Justin Gerrish, der zuletzt mit Vampire Weekend zusammen gearbeitet hat, bietet das Album komprimierte, drollige Gitarrenkracher nach Schema F, die – sieht man von den elektronischen Sperenzchen des Openers „She Wants Me“ einmal ab – mehr von dem liefern, was man von der Band eh schon kennt.

Das pennälerhafte Songwriting ist zum Teil erbärmlich, und was auf ihrem Debüt vor vier Jahren noch einigermaßen rotzig und kantig daherkam, wirkt jetzt sämig und glatt geschliffen. Es ist jene Art der überschwänglichen, in gelungenen Momenten wenigstens tanzbaren Rockmusik, die niemandem wehtut, die ihre besten Zeiten aber längst hinter sich hat. Überraschte und verzückte Gesichter in der Indie-Disco dürfte sie nur bei Leuten hervorrufen, die ihr Kurzzeitgedächtnis an der Garderobe abgegeben haben.

Wenn die Pigeon Detectives auch noch das Tempo rausnehmen, wie etwa in „Turn Out The Lights“, einem der nicht gerade wenigen Tiefpunkte des Albums, gehen selbst bei partywütigen Nachtschwärmern endgültig die Lichter aus. „Up, Guards And At ’Em“ ist ein bedeutungsloses, leider nicht einmal unterhaltsames Werk, kurz gesagt: Zeitverschwendung.


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Betörendes zwischen Tanzfläche, Wankelmut und Zerealien


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