William Elliott Whitmore :: Field Songs

Der Farmersohn singt wieder Hymnen auf die Vergänglichkeit.

Acht einfache, jeder Modernität enthobene Songs aus dem Heartland, das doch drauf und dran ist, sein Herz zu verlieren. Da draußen in Lee County, Iowa, an den Ufern des Mississippi, hat William Elliott Whitmore eine alte Farm entdeckt, nur eine Meile die Kiesstraße runter, zerbrochene Fenster, das Dach eingefallen. „It’s never gonna be a home again“, singt der 33-jährige Pferdefarmersohn mit dieser eindringlich heulenden Stimme, die dort schon ein Jahrhundert zu Hause zu sein scheint. Und dann: „Like shutters in the wind I’m holding on.“

„Everything Gets Done“ heißt der Song, kaum zufällig in der Mitte des Albums platziert, und nach einer Visite bei den Grabsteinen wird auch schnell ein „gets gone“ daraus. Vergänglichkeit bleibt also ein Thema für Whitmore, aber längst gespeist aus neuem Urvertrauen, nicht mehr aus dieser düsteren Verzweiflung, die noch seine ersten Alben „Hymns For The Hopeless“ (2003) und „Ashes To Dust“ (2005) nach dem frühen Tod der Eltern so stark immunisiert hatte. „Bury Your Burdens In The Ground“ fordert der Punk- und HipHop-Fan jetzt gleich zum Auftakt von „Field Songs“, und schickt mit „Let’s Do Something Impossible“, „We’ll Carry On“ und „Not Feeling Any Pain“ weitere Exponate eines lakonischen Lebenswillens hinterher. Und mit „Get There From Here“ auch mal einen Wanderarbeiter in die Fremde, für die paar Dollars, die er heimschicken kann. „There’s darkness in my eyes, but the sun’s about to rise“, singt er einigermaßen hoffnungsvoll.

Musikalisch hingegen knüpft Whitmore durchaus ans spartanische Frühwerk an. Nach dem für seine Verhältnisse fast schon üppig arrangierten Vorgänger „Animals In The Dark“ lässt er an seine neuen Songs wieder nur Banjo, Gitarre und zweimal eine Bass-Drum als stoischen Taktgeber. Er könne sich gut vorstellen, sagte William Elliott Whitmore, irgendwann mal auf alles Beiwerk zu verzichten und eine A-cappella-Platte zu machen. Ich kann mir das auch gut vorstellen: Diese Stimme – irgendwo zwischen Dock Boggs und Captain Beefheart – dürfte so ziemlich alles heim nach Lee County, Iowa singen. (Anti) Jörg Feyer

Beste Songs: „Everything Gets Done“, „Not Feeling Any Pain“

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