Willie Nelson American Classic


EMI


von

„What Would Willie Do?“, fragte Bruce Robison 2002. Seine liebevolle Hommage gipfelt ironisch darin, dass der größte aller Outlaw-Weisen selbst im größten Kuddelmuddel erst mal ganz tief Luft holt und loslässt und noch mal ganz tief Luft holt und… – um dann doch wieder diesen merkwürdigen Hunger nach all dem Kuddelmuddel zu verspüren, den er in diesem Leben nicht mehr ändern kann.

Was Willie Nelson mit inzwischen 76 Jahren in eigener Karriere-Sache tun würde – nachdem er auf seine älteren Tage noch bei Blue Note unterkam und dort gleich den Live-Blues mit Wynton Marsalis hatte -, lag aber fast so nahe wie einst die ungnädige Steuerfahndung: 31 Jahre nach „Stardust“, das ihm mit Gershwin und Co. endgültig den Durchbruch zum Mainstream-Publikum brachte, stattet der Konsens-Texaner nun dem großen American Songbook seinen zweiten Besuch ab.

Den ersten hatte 1978 noch Booker T. produziert, umspielt vom bewährten Nelson-Road-Ensemble. Davon ist auf „American Classic“ nur der treue Harmonika-Husar Mickey Raphael geblieben, der „Angel Eyes“ und „Since I Fell For You“ eine Prise Blues einhauchen darf. Darüberhinaus ist das Personaltableau so vorhersehbar wie weite Teile des Repertoires. Tommy Lipuma produzierte, Joe Samples Piano führt ein dezent-präsentes Jazz-Quartett, Johnny Mandel arrangierte auch mal ein bisschen Orchester.

Und zwei First-Class-Duettdamen dürfen hier natürlich auch nicht fehlen. Diana Krall singt „If I Had You“ mit Nelson (doch es knistert leider nicht wirklich). Als heißer Greis in „Baby, It’s Cold Outside“ ist er immerhin – wohl nur halb freiwillig – komisch, wenn Norah Jones sich vor seinen Schmeicheleien und Sentenzen zu retten versucht. „Listen to the fireplace roar… no cabs to be had out there… your hair looks swell…“

Als geläuterter Lover in „Ain’t Misbehavin“ ist Nelson da schon glaubwürdiger. Und ewige Sehnsuchtslieder wie „The Nearness Of You“, „Fly Me To The Moon“ und „Because Of You“ singt er unnachahmlich ungezwungen, wie jemand halt, der diese amerikanischen Klassiker schon die letzten 30 Jahre morgens beim Duschen vor sich hinsummt. Oder spät abends bei einem Joint im Tour-Bus. Was dann wieder nach gaaanz viel Loslassen klingt.


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