Willis Earl Beal Nobody Knows


XL/Beggars


von

Der Mann aus Chicago ist schon manchen Weg gegangen für ein bisschen Aufmerksamkeit. Mal buhlte Willis Earl Beal mit einem handgezeichneten Flyer ums andere Geschlecht, mal mischte er in der Casting-Mühle „The X Factor“ mit. Dazu kurzzeitig Army, ein paar Runden als Nachtwächter, auch mal ein paar Nächte auf der Straße. Schließlich mit „Acousmatic Sorcery“ ein echtes Low-Budget-Debüt, so unfertig wie vielversprechend.

Auf „Nobody Knows“  wuchert der Endzwanziger mit seinem größten Pfund – einer dieser Soul- Stimmen, die nicht erst alt werden müssen, um zu klingen, als wären sie schon immer da gewesen. „I’ve been left in the dust like a thing from the past/ But I go where I please, I don’t need no gas“, verkündet Beal, reimt im Refrain „fool“ auf „cool“, auch dies a-cappella, bevor sich plötzlich Streicher hineinschleichen und „Wavering Lines“ noch irritierend dunkel heimschicken. „The truth will soon be coming through“, verspricht er dann zu untypisch lockerem R&B-Groove, und man hätte gern gesehen, wie Cat Power (die auch ein bisschen mitsingt) guckte, als Beal ihr kurz vor Ende ein „don’t worry ’bout it, baby“ hinwarf.

 „Everything Unwinds“ öffnet die Sound-Effects-Kiste, in der auch Platz ist für Gefrierschock-Boogie („Disintergration“) und Klangtapeten-Proklamationen („What’s The Deal“). Die Spannung ist unterdessen ein wenig verloren gegangen, gerade weil Beal die Dinge zuweilen forcieren will („Ain’t Got No Love“). Aber die Hinterhof-Göre von „Hole In The Roof“ geht schon in Ordnung, und wie die atemlosen Reime von „White Noise“ in dieses sanfte Vibrato fallen, ist dann wieder ziemlich umwerfend. Der Handclaps-Stomper „ Too Dry To Cry“ kultiviert genuines Gospel-Feeling, das getragene „ Burning Bridges“ zieht die Orchestral-Karte, während die zerschossene Romantik von „Blue Escape“ nicht weit von Tom Waits ist.

Den „Flow“, den Willis Earl Beal am Ende beschwört, hat er auf seinem zweiten Album schon gefunden, mancher Untiefe/Unschärfe zum Trotz, jedenfalls jenseits von Retro-Soul-Heimeligkeit und nur cooler R&B-Gymnastik. Die hauseigene Dialektik: Wer sich selbst einfach mal zum Nobody erklärt, kann den Spruch „Nobody Knows“ noch mal ganz anders klingen lassen.