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Zaz Paris

Warner

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Zaz – Paris

Mon dieu, Paris-Chansons! Aber wer schon gratis in kolumbianischen Salzminen und exklusiv vor Bergführern auf dem Mont Blanc auftrat, der darf in diesem Falle auf konzeptionelle Originalität mal lässig pfeifen. Und Zaz’ Verbeugung vor den musikalischen Granden der Großen Nation gerät so selbstbewusst aus der Zeit gefallen, als wäre sie durch ein Loch im Raum-Zeit-Kontinuum von einer TV-Showtreppe der 60er-Jahre direkt ins Jetzt geschritten.

Bei Big-Band-Klängen, rasantem Gypsy-Swing und melancholischen Musette-Akkordeon-Momenten fühlt sich auch knorke, wer die letzten 40 Jahre im musikalischen Tiefschlaf verbracht hat. Alles also tippitoppi für beinharte Traditionalisten – bis La Zaz selbst loslegt. Ihre Stimme wuchs im Straßenkampf um Zuhörer am Montmartre und meistert mühelos den Spagat zwischen nobler Reverenz und frecher Neuinterpretation. In Gilbert Bécauds „À midi sur les Champs-Élysées“ dekliniert sie ihre Register durch, kräht, röhrt, macht schöne Piafen. Bei Maurice Cheva-liers „Paris sera toujours Paris“ stellt sie mit kratziger Losgelassenheit sicher, dass der Klassiker trotz wilder Klarinette und Trompete nie zur Frühschoppen-Gaudi wird.

„Zaz besitzt eine natürliche Anziehungskraft, sie kann alles singen und berührt deine innerste Seele“, schwärmt Charles Aznavour und singt in „J’aime Paris au moi de mai“ mit sanftem Timbre mit. Cole Porters „J’aime Paris“, als „Ganz Paris träumt von der Liebe“ 1954 ein Caterina-Valente-Schlager, macht Zaz im Duett mit der Kanadierin Nikki Yanofsky zur tollen Achterbahnfahrt mit Scat-Gesang. Beste A-cappella-Equilibristik bieten „À Paris“ – und das letzte Lied: Mit schwungvollen Doo-Wop-Grooves demonstriert „J’ai deux amours“ sogar, warum die Les Humphries Singers damals Weltstars waren.

Diese 13 Lieder schmeißen sich nicht ran. Grundsätzliche Sympathie fürs Genre vorausgesetzt, beeindrucken sie durch kompromissfreies Rückspiegeln bei größtmöglichem Spaß an der Inszenierung.

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