Robert Forsters Rat zum Jahresende: „Leben statt Listen“.


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In der Musikmagazinlandschaft ist das Rückblicken dieser Tage präsenter denn je. Man schaut traditionell auf das vergangene Jahr und hat diesmal auch noch ein Jahrzehntende an den Hacken. Aus genau diesem Grunde baten wir Robert Forster für die Januarausgabe um einen Rückblick auf das vergangene Jahrzehnt – und bekamen stattdessen als Verweigerung einen wunderbaren Essay zum Thema „Leben statt Listen“, den man in der aktuellen Ausgabe nachlesen kann.

„Hätte man mich Ende der 70er oder 80er oder 90er Jahre um einen Kommentar oder eine Zusammenfassung gebeten, dann hätte ich umfassende Listen mit Platten, Filmen und Büchern und dazu noch Kommentare zu Politik und Kultur geliefert und so meine Sicht dieser Jahrzehnte wiedergegeben. […] Aber wenn ich heute zurückschaue, zum Beginn des Jahres 2000, dann kommen mir vor allem die Veränderungen in meinem Leben in den Sinn – unerwartete, traurige und wunderbare.“

Für Forster waren das vor allem Begebengheiten wie die umjubelte Rückkehr der Go-Betweens am Anfang des Jahrzehnts, die Geburt seines zweiten Kindes, der plötzliche Tod Grant McLennans 2006 und sein erstes Soloalbum seit zwei Jahren – „The Evangelist“ aus dem Jahr 2008. Zudem war Forster als Prosaautor und Musikjournalist tätig.

Genau deshalb fällt seine „Liste“ des vergangenen Jahrzehnts sehr minimalistisch aus. „Bücher? Keine, die sich aufdrängen. Fernseher? Ich hatte keinen Fernseher. Filme? Ich war kaum im Kino – die familiären Ansprüche in puncto Altersfreigabe sowie fehlende Babysitter trugen dazu bei.“

Nur eine fiktive Figur hat sein Jahrzehnt geprägt: „Ich habe zusammen mit meinem Sohn alle sieben „Harry Potter“-Bände gelesen und auch die durchaus unterhaltsamen Verfilmungen gesehen.“ Ansonsten bestand das Jahrzehnt für ihn aus „Kinderbüchern und frühem Schlafengehen.“