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Freiwillige Filmkontrolle


Roskilde: Freiwillig im Grünen (05. bis 08. Juli)


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Das Roskilde  in Dänemark ist nicht bloß eine weitere Station in diesem Sommer. Schon die offiziellen Zahlen, die jedes Jahr vor der ersten Band des Tages auf der Hauptbühne verlesen werden, machen das deutlich: 75.000 zahlende Gäste gibt es – und 25.000 Freiwillige. Der Gewinn des Fesitvals wird zudem gespendet. In letzten Jahr hat man sich die großen Problemen Obdachlosigkeit und  Armut im Allgemeinen auf die Agenda gesetzt, und unterstützte – sehr transparent – NGOs und andere Hilfsorganisationen.

Was hier ein wenig nach gelebtem Gutmenschentum klingt, ist aber entscheidend für diese so besondere Stimmung auf dem Festival. Man muss das vielleicht noch einmal unterstreichen: Auf dem Roskilde gibt es keine knurrigen Hochwichtigkeits-Securitys mit zweifelhaften Tätowierungen – hier wird man von 20 bis 35jährigen jungen Menschen begrüßt, mit Wasser versorgt oder eben auch mal kontrolliert. Allein dieser Punkt trägt entscheidend zur Atmosphäre bei, da sich das übliche DIE gegen WIR, das sich auf Großveranstaltungen ja schnell ergibt, wenn es irgendwo hakt, dort nicht so explizit zu geben scheint. Man trifft auf seinesgleichen, man sieht sofort, dass es den Volunteers nicht gefällt, einen auf die Regeln aufmerksam zu machen – und man will auch den Organisatoren nix Böses, weil man eben nicht so sehr das Gefühl hat, die Melkkuh einer Großveranstaltung zu sein, sondern ein Gast mit guter Gesinnung – der sich zwar auch Zerfeiern und Bands befeiern will, dabei aber immerhin auch noch einer Guten Sache dient.

Der Festivalpladsen in der Nähe der Stadt Roskilde ist dabei ein weiterer Pluspunkt. Wenn nicht gerade das dänische Wetter seine Murren auslebt, ist die Mischung aus effizienten Stall-ähnlichen Bauten, festen Wegen und großen Rasenflächen genau richtig. So wunderte es uns nicht, dass Pressesprecherin Christine Bilde ( die wir kürzlich für unsere Website interviewten) auf die Frage nach ihrem Lieblingsplatz die Antwort gab: „Eine schwierige Frage. Für mich lebt das Festival mehr von seiner gesamten Atmosphäre. Ich nehme es nicht wirklich in ‚Lieblingsplätzen‘ wahr, ich mag es umherzustreifen, und ich mag es vor allem, wenn es dunkel ist, und man wirklich nirgendwo das Gefühl hat, man müsste vor irgendwas Angst haben.“

In Sachen Line-up laufen in diesem Jahr gleich mehrere alte Helden auf: Björk wird mal wieder live zu sehen und zu hören sein, Bruce Springsteen macht einen Tourstopp mit seiner E Street Band, The Cure jaulen mit den „Lovecats“ um die Wette, The Roots bringen ihr HipHop-Epos „Undun“ auf die Bühne, Refused treiben ihr Reunion-Spiel weiter und Jack White spielt Solostücke und White Stripes-Classics. Wer ein wenig genauer schaut, findet auch Acts wie Madrugada-Sänger Sivert Hoyem, die wundervollen Low Anthem, die Punch Brothers, oder die ebenso dramatischen wie guten Dry The River. Für deutsche Besucher finden sich ebenso ein paar Acts im Line-up: So wird man auf dem Roskilde die Chance haben, Paul Kalkbrenner mal ohne die gesamte Brandenburger Jugend im Publikum zu hören.

Wie schon im letzten Jahr werden wir auch diesmal wieder täglich vom Roskilde berichten.

Infos: roskilde-festival.dk/uk/

Vom: 05. bis 08. Juli 2012

Mit: 120 Days, A$AP Rocky, Addison Groove, Adrian Lux, Alabama Shakes, Alison Krauss & Union Station feat. Jerry Douglas, Amadou & Mariam, Amsterdance feat. Jesse Voorn, Dennis Christopher & Sam O’Neall, Analogik, Apparatjik, Araabmuzik, Ars Nova, Bäddat För Trubbel, Baloji, Baroness, Beastie Respond, Behemoth, Bellowhead, Bernhoft, Big K.R.I.T., Björk, Blitz The Ambassador, Blondes, Bomba Estéreo, Bon Iver, Boubacar Traoré, Bowerbirds, Bruce Springsteen & The E Street Band, Celso Piña, Cerebral Ballzy, Cerekloth, Clock Opera, Cold Specks, Commix, Conjunto Angola 70, Copenhagen Collaboration, Copenheavy, Criolo, Crowbar, Dalglish, Dangers Of The Sea, Danyel Waro, Daughter, Dawda Jobarteh, Dead Skeletons, Deathcrush, Devildriver, Dig & Mig, Django Django, DJ Miles Cleret, DJ Static, Dominique Young Unique, Dry The River, Elektro Guzzi, Eloq, El Paraiso, El Paraiso Ensemble And Papir, Evidence, First Aid Kit, F.O.O.L., French Films, Friendly Fires, Fritjof & Pikanen, Ghostigital, Girlseeker, Governor Of Alaska, Grieves & Budo, Gurrumul, H2O, Hank3, Helsinki Poetry, Hospitality, Icona Pop, Indians, I Got You On Tape, Jack White, Jakob Bro, Janelle Monáe, Jonathan Johansson, Jørgen Teller & The Empty Stairs feat. Lazara, Julia Holter, Julius Sylvest, Jupiter & Okwess International, Kellermensch, Kesi, Khalazer, Kimmo Pohjonen / Samuli Kosminen And Proton String Quartet, Klumben & Raske Penge, Korallreven, Kriget, Kúra, Larsen & Furious Jane, Lars Winnerbäck, Lee Ranaldo, Les Freres Smith, Linkoban, Liturgy, M83, Machine Head, Macklemore And Ryan Lewis, Mac Miller, Magtens Korridorer, Maia Vidal, Majovci Group, Malk De Koij, Martyn, Mash Up International, Mathilde Savery, Mew, Mikal Cronin, Modeselektor, Mohammad Reza Mortazavi, Mutiny On The Bounty, Nasum, Nelson Can, Niki & The Dove, Nils Frahm, Northern Structures, Of The Wand & The Moon, Oneohtrix Point Never, Orquesta Típica Fernández Fierro, Owiny Sigoma Band, Paul Kalkbrenner, Penguin Prison, Perfume Genius, Pretty Lights, Punch Brothers, Rangleklods, Redwood Hill, Red Fang, Refused, Rockwell, Rover, Royce Da 5’9”, Ruben Blades, Rum 37, R. Stevie Moore, Sage Francis, Sam Amidon, Sandra Kolstad, Santigold, Shiny Darkly, Shlohmo, Sivert Høyem, Sleng, Slowolf, Soffie Viemose, Son Palenque, Specktors, Spector, Spleen United, Spoek Mathambo, Sprutbass, Staff Benda Bilili, Suicide Silence, Talk Normal, Team Me, Terakaft, Ter Haar, The Abyssinians, The Alaev Family, The Barons Of Tang, The Beardy Durfs, The Cult, The Cure, The Echo Vamper, The Frederik, The Low Anthem, The Megaphonic Thrift, The Roots, The Shins, The Vaccines, Today Is The Day, Toddla T. Sound, Touchy Mob, Trash Talk, Tune-Yards, Ulige Numre, Vaagsbygd Handy, Warbringer, War For Youth, Weedeater, Wiz Khalifa, Yelawol

Für: Junge Menschen, die mal ohne ihre Eltern nach Dänemark wollen, Metalheads, Indiefans, Althippies, Junghippies, Techno-Zuppler, politisch korrekte Musikfans, Blondinen- und Blondiner-Möger

Bisher bei uns vorgestellt: Hurricane/Southside, Immergut, Maifeld Derby, Orange Blossom, Dockville

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