Sassan Niasseri / Prince


von

Das T-Shirt habe ich am 31. August 1988 gekauft, nach dem Prince-Konzert im Hamburger Millerntor-Stadion. Wer Prince nicht kennt, kommt nicht unbedingt auf Prince: Sein Name fehlt, und er verbirgt sein Gesicht unter einer Polizeimütze. Lediglich der Titel seiner damals aktuellen Platte, „Lovesexy“, ist abgedruckt. Der Albumtitel ist irgendwie bescheuert und irgendwie geil. Das sah ich mit zwölf Jahren so, und das denke ich auch jetzt noch. Band-T-Shirts trage ich heute aber nur noch in geschlossenen Räumen oder beim Joggen, wo ich schnell außer Sichtweite geraten kann. Ich mag es nicht, auf Musik-Shirts angesprochen zu werden, dabei trägt man solche Shirts ja eigentlich nur, weil man sich über sie mitteilen möchte.

Ich finde es gut, dass ich dieses T-Shirt damals auch in der Schule getragen habe. Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht, was andere gedacht haben könnten. Wem das Album kein Begriff war, könnte bei „Lovesexy“ vermutet haben, dass ich mich selbst überaus sexy fand und das nach außen trug. Ignorante Menschen hielten die Musik von Prince für „schwul“, weil er sich, wie hier, auch wie eine Frau kleiden konnte, mit Top und Ohrringen. Gut möglich, dass manche gedacht haben, mein vorpubertäres Ich befände sich in einer Phase der sexuellen Orientierung, deshalb das Shirt, jeden Tag. Darüber habe ich jedoch nie nachgedacht, ich fand (und finde) einfach, dass Prince nie besser war als 1988, mit diesem Album und dieser Tournee. Gebrauchte Original-Shirts mit diesem Aufdruck gibt es im Netz für um die 300 Euro. Als ich es für dieses Foto wieder herausgekramt habe, war ich erstaunt darüber, wie gut erhalten es ist. Vielleicht ziehe ich es draußen mal wieder an, probeweise beim Schlendern zum Späti. Wenn mir dann jemand zunickt, weiß ich erst recht, dass ich alles richtig gemacht habe.