So schwärmen Arcade Fire, Foo Fighters und The xx vom Roskilde Festival 2017


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In den vergangenen Tagen pilgerten 90.000 Zuschauer sowie 30.000 freiwillige Helfer auf das Festivalgelände des sonst beschaulich-unspektakulären Klinkerfassaden-Örtchens und bliesen es so innerhalb kürzester Zeit zur viertgrößten Stadt des Landes auf.

„Mit 16 war ich das erste Mal auf dem Roskilde, ich hatte eine tolle Zeit, abgesehen davon, dass mich meine Freundin auf dem Festival sitzen gelassen hat“, erinnert sich Gitarristin Romy Croft während ihres Sets mit The xx am Donnerstagabend auf der Orange Stage. „Aber alles geschieht aus einem bestimmten Grund – jetzt bin ich hier mit euch und ich habe so viel mehr Spaß mit euch als mit ihr!“

Dave Grohl war mit 23 Jahren das erste Mal auf dem dänischen Festival – damals noch an der Seite seiner Nirvana-Kollegen. Seitdem kehre er immer wieder gern zurück – für das besondere Feeling, das der Ort und die Besucher mit sich bringen.

Damit ist der Foo-Fighters-Frontmann nicht allein – ähnlich wie er schwärmten auch Laura Jane Grace (Against Me!), Ice Cube und Arcade Fire von der besonderen Atmosphäre des Non-Profit-Festivals, das sie inspiriere.

Tatsächlich steckt hinter diesem Festival mehr als kollektives Besäufnis und „Seven Nation Army“-Schalala – ums Geld geht es beim Roskilde auch in diesem Jahr nicht. Das Festival wird seine Einnahmen erneut für gemeinnützige Projekte spenden. Im Food Court kochen Frauen aus Kopenhagens Flüchtlingsgemeinschaft für die hungrigen Besucher. Auf dem Campinggelände pulsiert Dream City, eine visionäre Stadt, in der sich jeder Besucher durch eigene Ideen einbringen kann: Zoo-Feeling in der einen Ecke, bei der die Camper in Tierkostümen umherlaufen – dagegen griechische Partyorgien auf der anderen Seite des Platzes. Und mittendrin ein von Besuchern geführtes Postamt, auf dem man kostenlos Briefe an Mutti schreiben, Lichtschwerter an den dänischen Premierminister senden oder Schamhaare an den Zeltnachbarn verschicken kann.

Im Einklang mit der Natur zu feiern, ist das erklärte Ziel der diesjährigen Ausgabe. Skulpturen aus Festivalmatsch ragen in den grauen Himmel, ein Stonehenge aus Weizengrasplatten regt Besucher zum Nachdenken und vorsichtigem Tätscheln an. Am Samstag, dem Finaltag des Kunst- und Musikspektakels muss man sich allerdings fragen: Ist das noch Matsch oder stehst du in der Pissrinne? Inzwischen ist davon auszugehen, dass die phallusbestückte Hälfte der Besucher jede Erhebung, jeden Zaun und jedes Pflänzchen ausgiebig markiert hat. Die Security siehts entspannt – was reichlich reinläuft, muss schließlich auch wieder rauskommen und so hält man auch schon mal das Pils für den Festivalgast, während der keinen Meter weiter durch die Löcher im Bauzaun zielt. In Roskilde läuft eben alles ein bisschen entspannter ab.

Eindrücke von der einwöchigen Charity-Sause gibt es in der obenstehenden Galerie zu sehen.